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Geistliche Leitung mit Konzept

Ausbildung und Begleitung von geistlichen Leitern und Leiterinnen im BDKJ-Diözesanverband

Auch die spirituelle Kompetenz der Jugendverbände ist in dieser Zeit des Umbruchs gefragt. Bereits im Mai 1997 setzte Erzbischof Degenhardt ,ad experimentum, die Ordnung in Kraft, dass auf Orts- und

Dekanatsebene in unseren Jugendverbänden Priester wie Laien die geistliche Begleitung wahrnehmen und für diese Aufgabe beauftragt werden können.

Gute Beispiele für eine schon bestehende Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien auf diesem Gebiet machen Mut diese Erfahrungen auch in eine größere seelsorgliche Einheit einzubringen.

Beispielhafte Erfahrungen aus der jüngsten Vergangenheit z. B. Gestaltung der Kar- und Ostertage, Friedenslicht aus Bethlehem, Aktion für ein friedliches Miteinander in Deutschland, 72-Stunden Aktion oder der Jugendkreuzweg zeigen, dass in bestimmten Aufgabenfeldern Kooperationsformen über die Gemeinden hinaus durchgeführt werden können.

Jedoch dürfen Verantwortliche der Jugendarbeit in den sich verändernden Strukturen nicht Notnagel oder Lückenbüßer werden. Neben einer ausreichenden Qualifizierung und Anerkennung brauchen Jugendverbände weiterhin Verbündete. Wegbegleiter, die das Suchen und Fragen von jungen Menschen ernst nehmen, die Zeit, Kraft, Interesse und Kompetenz haben, sich mit ihnen auf den Weg zu machen. Priester dürfen sich nicht aus der Wegbegleitung verabschieden. Laien sollen durch verstärkte Ausbildungs- und Begleitungsangebote Wegbegleiter werden.

Die Entscheidung, dass Laien für das Amt der geistlichen Leitung in den Kinder- und Jugendverbänden gewählt werden konnten, war für den BDKJ-Diözesanverband Auftrag, Chance und Herausforderung. Die Entscheidung wurde von den verantwortlichen Verbandsgremien begrüßt. Eine Arbeitsgruppe wurde gebildet, denn für die Verantwortungsträger war klar: Es kann nicht nur um eine Satzungsänderung gehen, es bedarf auch eines Konzeptes zur Ausbildung, zum Austausch und zur Begleitung von Personen, die diese Aufgabe wahrnehmen wollen. Viele Fragen schwirrten im Raum, denn die Öffnung für das Amt der geistlichen Leitung war in dieser Weise neu. Dabei wurde das Spannungsverhältnis von geistlicher und politischer Leitung, die nach unserem Verständnis von allen Vorstandsmitgliedern partnerschaftlich wahrgenommen wird, durchleuchtet. Desweiteren war den Verantwortlichen klar: Personen, die diese Aufgabe übernehmen, müssen zunächst ihre eigenen Erwartungen klären und ihren Glaubensspuren nachgehen. Sie bringen Fragen und Unsicherheiten mit: Welche Rolle habe ich im Verband - auch im Zusammenspiel mit der Pfarrgemeinde? Reicht meine Fachkompetenz und wie werde ich in der Öffentlichkeit beurteilt? Kann ich junge Menschen auf ihren Glaubens- und Lebensweg begleiten? Wie geht das? Verantwortliche der Aufgabe der geistlichen Leitung fühlen sich oft wenig unterstützt. Dazu kommt, dass auch in den Leitungen der Verbände und der Gemeinden ein oftmals diffuses Bild von Erwartungen an dieses Amt besteht.

Zur Ausbildung und Qualifizierung der Aufgabe der geistlichen Leitung wurde im BDKJ-Diözesanverband ein Weg begonnen, der auf vier Säulen steht:

1. Ausbildungskurs "Tage der Vergewisserung"
2. Austausch und Kontakttreffen in den einzelnen Verbänden
3. Pastoral mit Hand und Fuß - Berührungspunkte von Glaube und Leben
   (Fachwochenenden zu spezifischen Fragestellungen aus pastoralen, 
   liturgischen oder anderen theologischen Bereichen)
4. Exerzitien und ‚Auftankangebote'

Der Praxiskurs ‚Geistliche Leitung' richtet sich an ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter in der Jugendarbeit. Ziel ist die Qualifizierung für das Amt durch eine Auseinandersetzung mit den Aufgaben und der Rolle der geistlichen Leitung.
Es geht dabei zunächst um die Vergewisserung des eigenen Glaubens und die persönliche Form der Spiritualität. Daneben will er "Handwerkszeug" für die verschiedenen Handlungsfelder vermitteln, z. B. Begleitung von Leiterrunden, die Lebenssituationen aus dem Evangelium deuten und feiern, religionspädagogische Grundlagen und Methoden religiöser Bildungsarbeit bis hin zu pastoralen Konzepten und Formen der Zusammenarbeit.

Die Erfahrungen der ersten Praxiskurse waren sehr ermutigend, wobei diese ‚Tage der Vergewisserung' nur eine Einführung sein können. Der Kurs ist zu verstehen in Ergänzung mit den anderen Säulen unseres Ausbildungs-, Begleitungs- und Qualifizierungsangeboten. Es gibt noch kein endgültig feststehendes Konzept für die Aufgabe der geistlichen Leitung, doch gerade dies macht die jetzige Umbruchszeit spannend. Für mich ist die geistliche Begleitung junger Menschen auch eine Frage an die Zukunftsfähigkeit unserer Kirche. Zukünftig dürfen nicht nur Zahlen, Zusammenschlüsse und Gebiete die Pastoral bestimmen, sondern es müssen von den Verantwortlichen im Bistum für die Jugendarbeit in Gemeinden und Verbänden ausreichend Personen befähigt und zur Verfügung gestellt werden. Aber ebenso sind die Jugendverbände selbst herausgefordert, dieses Amt mit Inhalt und Profil zu versehen. Dies drückt sich auch aus in der Anerkennung und Beauftragung der geistlichen Leiter und geistlichen Leiterinnen. Neben einer Zertifizierung des Kurses ist dieser dann auch Voraussetzung für eine konkrete Beauftragung.

Verbände sind Verbündete. Verbände brauchen aber auch Verbündete. Dreh- und Angelpunkt sind und bleiben dabei die Menschen. Menschen, die aus ihrem Glauben heraus die vielen Dienste und Charismen zusammenführen und stärken können. Wir brauchen Menschen, die geistliche Leitung wahrnehmen und Pionier sein wollen, die Senf- und Samenkörner für morgen sind. Denn Kirche lebt nicht aus sich selbst und nicht für sich selbst, sie lebt aus dem Geist Jesu Christi. Unser Ziel ist es Verantwortungsträger in der Kirche und Jugendarbeit zu begeistern. Denn gerade unter sich verändernden kirchlichen Strukturen und auch sich stark verändernden gesellschaftlichen Prozessen bleiben Jugendverbände ein Ort der Identifikation mit der lebensbejahenden und fördernden Botschaft Jesu für Kinder und Jugendliche unserer Zeit. Dabei sind die Verbände eine tragende Säule des kirchlichen Lebens, mehr noch für viele junge Menschen sind sie der Sympathieträger der Kirche.

 

Vgl. Quelle Arbeitspapier des BDKJ Präsides Konveniats April 2001 und Dokumentation Tage der Vergewisserung 1998/99 (BDKJ Diözesanverband)