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Wo Himmel und Erde sich berühren

Ein Rundgang durch die Pfarrkirche St. Johannes-Baptist
in Büren-Siddinghausen

Liebe Besucherinnen und Besucher von St. Johannes Baptist hier in Büren-Siddinghausen:

"Ich möchte Sie zu einem etwas ungewöhnlichen Gang durch die Kirche einladen. Seit fast 3OO Jahren schaue ich den Leuten zu, die diese Kirche besuchen. Junge und alte Menschen, Gesunde und Kranke, Menschen unterschiedlicher Berufe und Bildung. Sie kommen mit ihren Anliegen, mit Hoffnung und Sorgen. Sie wollen ihr Leben feiern in Freude und Leid.
Ich bin Maria, die Mutter Jesu. Man nennt mich Doppelmadonna. Ich schwebe in der Mitte der Kirche und halte in den Menschen wach, dass Gott unserem Leben einen Sinn gibt und unseren Lebensweg begleitet. Ich hänge hier stellvertretend für alle, die Jesus nachfolgen. Nachfolge heißt nicht, sich in Ruhm und Reichtum zu sonnen, Macht und Herrschaft auszuüben; Nachfolge Jesu heißt, Zeugnis zu geben, von dem nahegekommenen

Reich Gottes, zu dienen und verfolgt zu werden, in der Hoffnung auf den befreienden Gott Abrahams, Isaaks und Jacobs, der den Gekreuzigten von den Toten auferweckt hat."

Maria hat erfahren, dass der Gott Israels Jesus nicht im Tode gelassen hat und niemand im Tode lassen wird. Sein Weg wurde zum Kreuzweg. Doch er ging mitten durch den Tod ins Leben. Da wurde der Himmel auf Erden greifbar und vom Himmel auf Erden soll erzählt werden. Wir Menschen brauchen in der Welt Orte und Räume an und in denen Begegnung zwischen dem wahren Gott und dem geschaffenen Menschen zustande kommen kann. Hier in dieser Kirche ist der christliche Glaube ,,verortet". Dabei ist sie mehr als ein Versammlungsraum oder ein beeindruckendes Bauwerk; sie ist ein "Atem-Raum" des Glaubens. Hier atmet der Glaube durch die Geschichte und das Leben von Menschen, die in diesem Haus geschwiegen und gebetet, geklagt und gesungen, Gott gelobt und Gottesdienste gefeiert haben. Eine eigenartige Anziehungskraft geht bis in die heutige Zeit von unseren Kirchen aus. Dies bezeugen die Menschen die sie besuchen, um hier Gottesdienst zu feiern oder um den Raumeindruck zu erleben und die erhabene Schönheit der Ausstattung zu bewundern. Der Raum spricht von Gottes Nähe zu den Menschen. Es lohnt sich, in dieser Kirche auf Entdeckungsreise zu gehen. Die Marienfigur hängt mitten in der Gemeinde und doch in besonderer Position. Mit ihr ist die Gemeinde unterwegs zum Ziel des Lebens, zur Auferstehung im himmlischen Jerusalem, zum neuen Leben. Sie ist unsere Wegbegleiterin.

"Gehen Sie in die Kirche hinein. Setzen Sie sich, in eine der hinteren Bänke. Lassen Sie den Raum auf sich wirken. So lernen Sie die Kirche am besten kennen. Nehmen Sie sich Zeit, die Atmosphäre zu erfahren. Öffnen Sie Ihre Augen, Ihre Nase, Ihre Ohren."

Zu sehen ist ein barockes Bauwerk, schön in der Einheit, entstanden in der Zeit von 1723-1727. Die Ausstattung ist für diese Zeit charakteristisch: Hochaltar, Kanzel, Seitenaltäre, Chorgestühl und Orgel. Sie ist ein Kleinod im Bürener Land. Bei der grundlegenden Renovierung von 1992-1996, die federführend von der Firma Ochsenfarth aus Paderborn durchgeführt wurde, wurde versucht, dem Raum die originäre Farbfassung wiederzugeben.
Die Kirche wird bestimmt von der Farbe Blau. Das Blau steht für Wasser, Meere und die unendliche Weite des Himmels. Blau ist sozusagen die Farbe der Sehnsucht, der Kraft Gottes, der Sehnsucht der Seele, die uns Geschmack am Leben vermittelt. Wenn Menschen sich nach nichts mehr sehnen, bleibt nur noch die Sucht übrig: Die Arbeitssucht, die Geltungssucht, all die Süchte, die uns krank machen. Dagegen die strahlende Unendlichkeit eines Himmels, die sich über der Erde wölbt und sich in Blau andeutet. Das Blau erinnert uns an den wolkenlosen Himmel und will uns öffnen und weiten, denn wir leben zwischen Himmel und Erde. Wie überwältigend muß für die Erbauergeneration der Eintritt in dieses Gebäude gewesen sein.
Erinnern wir uns: Der 30-jährige Krieg steckt den Menschen noch in den Knochen. Im Laufe des 17. Jahrhunderts etabliert sich ein neues Weltbild. Amerika wurde entdeckt. Die Welt wird konfrontiert mit den astronomischen Beobachtungen eines Kopernikus und eines Galilei. Desweiteren zerbricht die alte katholische Ordnung, ausgehend von der Reformationszeit. All dies bestimmt das Glaubens- und das Lebensgefühl der Menschen. Die Gewissheit des Glaubens und die überschwengliche Lebensfreude sollten ihren Niederschlag finden auch im Haus Gottes. Der Raum soll wirken wie ein himmlischer Festsaal. Was mögen die Menschen der damaligen Zeit empfunden haben, wenn sie von den Feldern und Höfen in die Kirche kamen - als hätte der Mantelsaum Gottes die Erde berührt; ein kurzer Blick in den Himmel: Unter der Führung des Superiors Christopherus Tönnemann schufen die Bürener Jesuiten dieses Bauwerk, wie auch die Immakulata-Kirche in Büren. Die Grundsteinlegung war am 25. Juni 1723 und die

Konsekration am 23. September 1727. Es handelt sich um einen barocken kreuzgewölbten Saal, einen schlichten Putzbau mit Sandsteineingliederung. Wir befinden uns in einer einschiffigen dreijochigen Kirche mit wenig vortretendem Querschiff. Der Chor ist quadratisch mit abgeschrägten Ecken und anschließender Ostsakristei. Das IHS-Monogramm weist auf die Erbauer, die Jesuiten, hin. Die griechischen Buchstaben stehen in ihrer Abkürzung für den Namen Jesus.
Der Mensch ist ausgerichtet auf den Schöpfer. Dies soll im Barock "visionär" vor Augen geführt werden. In einer Zeit, in der Menschen auf vielfältige Weise verunsichert, von allerlei Elend und Nöten heimgesucht und Krieg und Not immer nah waren, mußte ein solches Kunstwerk wie ein hoffnungsvolles Gegenbild erscheinen.

Atemraum des Glaubens

,,Wenn Sie tief einatmen, nehmen Sie einen Geruch war, den Sie wohl nur aus Kirchen kennen. Eine Mischung aus dem alten Stein, dem Holz, den Blumen, Weihrauch, der auch in dieser Gemeinde benutzt wird. ,Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor dir auf...', heißt es im Psalm 141."
Der Weihrauch symbolisiert die Gebete, die von hier zu Gott aufsteigen. Man riecht, dass diese Kirche kein lebloses Gebäude ist. Es hat die Seele aller Menschen, die in Siddinghausen leben, glauben und beten. Auch Ihre Ohren können hier viel erleben. Sie sind allein in der Kirche, fällt Ihnen die Stille auf? In einer Welt, in der wir einer ständigen Geräuschkulisse ausgesetzt sind, tut es gut, nichts als Stille zu hören. Gehen Sie nun mit in die kleine Tauf- und Gebetskapelle unter dem romanischen Turm. Dieser Westturm ist der einzige Rest einer älteren Kirche, romanisch, wahrscheinlich noch aus dem 12. Jahrhundert.

Dies ist der älteste Teil der Kirche. Doch schon lange vorher standen hier Kirchbauten, die sich immer wieder veränderten, ca. seit dem 9. Jahrhundert.
Nehmen Sie den Kreislauf dieses Raumes wahr. Links das Schöpfungsfenster "und Gott sah, dass es gut war...", die Welt mit all dem bunten Leben und der Vielfalt der Kreaturen sind Gottes Schöpfung. Wir Menschen sind Teil dieser Schöpfung. Sie ist uns anvertraut in Pflege und Bebauung und: Es gibt nur Eine einzige Welt. In Gottes Augen gibt es keine Erste ..., Zweite ..., Dritte ... und Vierte Welt.

Pieta

An der rechten Seite begegnet uns eine Pieta. Pieta heißt wörtlich "Mitleid". Aus der Fülle der trauernden Personen unter dem Kreuz - der Apostel und der Frauen - wurden zwei Figuren herausgelöst: Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß. Diese Reduzierung auf zwei Personen ermöglichte in der Betrachtung höchste Konzentration. Diese barocke Pieta zeigt Maria, die ihren toten Sohn Jesus in Händen auf dem Schoß hält. Maria als Bild für die Kirche, die ihrem Sohn bis unter das Kreuz folgt und auch Pfingsten beim Aufbruch der Kirche dabei ist. Diese Darstellung zeigt uns, dass auch Zerbrochenes, Totes in unserem Leben im ,Schoß' der Kirche seinen Platz hat. Wir selbst sind eingeladen, uns voll Vertrauen auf die Fürbitte der Muttergottes einzulassen. Vielleicht möchten wir unsere Sorgen, Dank und Anliegen vor Gott tragen? Tun Sie es ganz einfach mit Ihren eigenen Worten oder unterstreichen Sie Ihr Gebet in dem Sie eine Kerze anzünden: Ihr Licht "betet" für Sie und Ihre Anliegen, solange es brennt.
Seit dem Ausbruch des Gollkrieges lädt die Kath. Frauengemeinschaft (KfD), die das Gemeindeleben aktiv mitgestaltet, hier zum wöchentlichen ökumenischen Friedensgebet ein. Gebet für den Frieden und selbst Friedensstifter werden - notwendiger denn je - auch in den heutigen Tagen unserer zerrissenen Welt.


Symbol der Christenheit: Das Kreuz

Vor dem Kopf der Kapelle hängt das Kreuz. Eine Nachbildung eines romanischen Kreuzes. Es wird besonders in der Liturgie des Karfreitags verehrt. Das Kreuz ist das Symbol des christlichen Glaubens schlechthin und wird als Zeichen der durch Jesus geschenkten Versöhnung mit Gott verehrt. Als Sinnbild für eine der brutalsten Strafen der Antike war das Kreuz zunächst im Christentum verpönt. Die älteste Darstellung ist daher ein in die Wand geritztes Spottkreuz, das Jesus mit einem Eselskopf zeigt. Leiden und Tod, Gewalt und Terror gehören nach wie vor zu unserer Welt. Durch Jesu Tod am Kreuz und seiner Auferweckung zum Leben wird uns Menschen Erlösung geschenkt. Gott hat in dieser Weise seine Spur durch seinen Sohn in diese Welt gelegt. Seinen Spuren folgend können wir unsere Spuren hinterlassen.

,,Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt (Gal. 3,27)": Der Taufstein

In der Mitte der Kapelle steht der aus Sandstein gefertigte Taufstein. Achtseitig in Pokalform geschaffen mit klappbarem Eichenholzdeckel. Diese Position ist nicht willkürlich, sondern bewußt gewählt. Sowie im alten Gottesvolk Israels das Zeichen der Zugehörigkeit die Beschneidung war, ist es im neuen Volke Gottes

die Taufe. Sie ist das Sakrament, durch das ein Glaubender durch ein Tor in die Gemeinde eintritt und von ihr in den Kreis der Gemeinde, der Kirche aufgenommen wird. In der frühen Kirche wurden die Bewerber durch Untertauchen getauft. Dieser eindrucksvolle Brauch, der in der orthodoxen Kirche bis heute erhalten ist, zeigt die Bedeutung des Wassers: Untertauchen bedeutet das Sterben des alten Menschen, Auftauchen ist Auferstehung zu einem neuen Menschen. Wasser bedeutet Leben, und die Sehnsucht der Menschen nach Leben ist groß. Die Taufe ist die Grundlage der ökumenischen Gemeinschaft. Sie ist - wie jedes Sakrament - eine Umarmung Gottes, der den Täufling in seine Arme nimmt und jeden Menschen begleitet, der auf ihn im Glauben seine Hoffnung setzt.

LEBENSGRUND

,,EIN KIND IST UNS GEBOREN
EIN KIND IST UNS GESCHENKT
AUFBRECHENDES LEBEN
DANKBARE ERFÜLLUNG
BITTEN DER HOFFNUNG
SEHNEN NACH SEGNEN
NACH VERHEISSENEM LAND
DES GLÜCKS UND DER BEFREIUNG
NACH GELINGENDEM LEBEN
EIN KIND IST UNS GEBOREN
EIN KIND IST UNS GESCHENKT
TAUFE
HEILIGER ANFANG
LEBENDIGE QUELLE
SICH ÖFFNENDER GOTTESSEGEN
SPRUDELNDE LEBENSWASSER
SICH ERGIESSEND AUS GOTT
GESEGNETES LEBEN"


Vor dem Taufstein steht die Osterkerze. Besonders eindrucksvoll feiert die Gemeinde die Lichtsymbolik in der Osternacht, der Nacht, auf die der erste Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond folgt. Die Christen auf der ganzen Welt treffen sich seit Beginn des Christentums jedes Jahr in dieser Nacht, um den Übergang zwischen Tag und Nacht, die Auferstehung Jesu Christi zu feiern. Zuvor ist die Gemeinde in der Nacht vom Gründonnerstag zum Karfreitag eingeladen, in der gesamten Nacht hier zu wachen und zu beten. Die Kar- und Ostertage werden in Siddinghausen mit der alten Tradition des Klepperns der Messdiener, das die Gebets- und Tageszeiten durch das Schweigen der Glocke anzeigt, besonders gestaltet. Am Ostermorgen trifft sich die Gemeinde auf dem Friedhof des Dorfes um dort am "toten Punkt" des Menschen, auf dem Gottesacker, das Licht der Osterkerze am Osterfeuer zu entzünden und die Osterbotschaft zu hören. Nachdem man das Licht der Hoffnung auf die Gräber der verstorbenen Angehörigen gebracht hat, wird das Licht der Osterkerze in die Kirche getragen, um dort Eucharistie zu feiern. In der Taufe werden Karfreitag und Ostern vereint und Tod und Auferstehung Christi nachvollzogen. "Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben" (Römer 6,4).



,,Er kehre um zum Herrn; denn der Herr ist groß im Verzeihen (Jes. 55,7)":
Moderner Gesprächs- und Beichtraum

Links neben der Taufkapelle wurde ein moderner Beicht- und Gesprächsraum bei der Renovierung eingerichtet. Er enthält zum einen die Möglichkeit, anonym zu beichten oder auch die offene Beichtgesprächsform zu suchen, wie auch eine Gesprächsmöglichkeit mit dem Priester.
"Gerade hier werden die Erkenntnisse der Psychologie und Psychotherapie aufgenommen, dass man Schuld nicht verschweigen darf sondern sie aussprechen muß. Die Zahl derer, die das begreifen, wächst, so nutzen immer mehr Beichtwillige das Angebot des offenen Gesprächsraumes. Grundlage für das Sakrament der Buße ist der Umkehrruf Jesu, der ganz im Zentrum seiner Botschaft steht: ,Kehr um, und glaubt an das Evangelium' (Mk 1,15). Weil kein Mensch auf der Erde ohne Schuld ist, gilt dieses Wort auch den , Gerechten'. Die Einladung Jesu zielt auf eine Richtungsänderung des Menschen, auf die Abkehr vom Bösen und die Hinwendung zu Gott. Man kann auch sagen: Es geht um eine Umkehr zur Liebe. Mit dieser Umkehr ist das Geschenk eines neuen Anfangs verbunden, das neue Chancen für das Gelingen des Lebens in sich birgt. Neben den vielen Formen der Buße und der Versöhnung hat die sakramentale Buße in der Beichte einen besonderen Rang. Wo Schuld vor einem Priester verbalisiert wird, sind Lossprechung und Therapie möglich. Beichte ist keine Form der Unterdrückung, sondern ein Akt der Befreiung, der Entlastung der vollen Aufnahme in die Gemeinschaft. Wo über einen Menschen gesprochen wird, ,Deine Sünden sind Dir vergeben' (Mk 2,5), geschieht Versöhnung mit Gott und den Menschen."



"Ich sah die heilige Stadt Jerusalem, das neue Jerusalem" (Offb. 21,2)

Drehen Sie sich nun und blicken Sie zum Chorraum. Sie blicken vom Westen in die östliche Richtung. Alles richtet sich nach dem Licht. Die Sonne prägt das Leben des Menschen. Der Tageslauf ist Sinn des Jahres, des Lebens, der Zeit. Die Sonne legt die Himmelsrichtungen fest. Nach mittelalterlicher Vorstellung hat jede von ihnen eine eigene Bedeutung.
Sie stehen im Westen, hier geht die Sonne unter. Hier endet der Tag, hier endet das Leben, hier endet die Zeit. Der Westteil der Kirche spricht von der Auseinandersetzung mit dem Vergänglichen und Weltlichen. Die wehrhaften Mauern des Turmes, dem Zeichen für Stärke und Unbeugsamkeit; sie offenbaren aber auch Schutzbedürftigkeit und Furcht. Hier im Westen wird die Taufe empfangen. Aus dem Ringen mit den eigenen Grenzen und Versuchungen erwächst die Kraft zur Entscheidung aus dem Glauben.
Diese Kirche ist "geostet". Das heißt, wir bekommen Orientierung aus der Richtung, wo die Sonne aufgeht, denn im Osten, im Orient, erscheint das Licht zuerst. Hier ist der Anfang des Tages, des Lebens, die immer wiederkehrende Erneuerung. Hier ist Christus, auf ihn ist die Kirche ausgerichtet. Seit frühchristlicher Zeit beten die Gläubigen nach Osten gewendet, denn von hier erwarten Sie die Wiederkunft Christi, die Sonne der Gerechtigkeit.


,,DER OSTEN
IN MIR
ORT DER ZUSAGE
DER VERHEISSUNG
DES AUFGEHENDEN LICHTS
DER WÄRME
DER ZÄRTLICHKEIT
DER LIEBE
AN DIR
DARF ICH
ZUM ICH
WERDEN"            (Andrea Schwarz)



,,Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben" (Joh. 19,37):
Der Kreuzweg

Wenn Sie nun in den vorderen Teil der Kirche gehen, begegnen Ihnen die Bilder des Kreuzwegs. Zur Vervollständigung der barocken Einrichtung wurde dieser Kreuzweg in den Jahren zwischen 1965/66 erworben. Es handelt sich um Ölgemälde auf Leinen. Der Kreuzweg stammt aus dem süddeutschen Raum.
Ausgehend von Jerusalem bildete sich im Mittelalter der Brauch, den Leidensweg Jesu nachzugehen. Die Pilger, die nicht alle in das heilige Land fahren konnten, wollten sich an das Leiden Christi erinnern. Aus diesem Brauch entwickelte sich im 18. Jahrhundert die Andachtsform des Kreuzweges Jesu mit 14 Stationen seines Leidens und Sterbens. Der Inhalt ist durch die Evangelien verbürgt oder von ihnen abgeleitet. Nur die Begegnung Jesu mit Veronika ist legendär. In fast allen katholischen Kirchen der Welt findet sich in unterschiedlicher Gestaltung und künstlerischer Qualität ein solcher Kreuzweg, den viele Gläubige gerade in der österlichen Bußzeit gehen und betrachten, um ihre Liebe zum leidenden Herrn auszudrücken oder bei ihm in ihrem eigenen Leid Trost zu finden.



"Zum Altar Gottes will ich treten, zum Gott meiner Freude" (Ps. 43):
Der Altar und Chorraum

Ins Auge fallen sofort die zwei Seitenaltäre und der Hochaltar, die wie die Kanzel und Chorgestühl aus der Barockzeit stammen und eine Einheit bilden. Das Gemälde im Hochaltar "Die Anbetung der heiligen drei Könige", wurde vom Kunstmaler Heinrich Repke aus Wiedenbrück im Jahre 1910 auf Leinwand gemalt. Desweiteren bevölkern Heiligenfiguren das Bauwerk. Heilige sind Gegenüber des Menschen und sprechen ihn an. Der Mensch braucht Vor-Bilder. Er sucht Leit-Figuren. Der Mensch sucht die Nähe der Heiligen. Die Zeit der Heiligen, die nicht wegen ihrer Leistung, sondern wegen ihrer Liebe zu Gott und den Menschen heilig gesprochen wurden, ist nicht vorbei. Viele Gläubige zeigen denen, denen sie besonders vertrauen, ihre Zuneigung und Dankbarkeit. Durch ihre Lebens- und Glaubensentscheidung und ihr Beispiel, machen sie es uns leichter, an Gott zu glauben.


“WENN MAN JEMANDEM
NAHE IST
DANN FÄRBT ES AB
DANN ÜBERNIMMT MAN
EINE GRUNDMELODIE
EINEN KLANG
EIN WORT
WER SICH
BEI HEILIGEM AUFHÄLT
DER KANN NICHT
UNHEIL BLEIBEN
WER SICH DEM HEILIGEN NÄHERT
WIRD HEIL”                                         (Andrea Schwarz)

Wir können nicht die Wege der Heiligen gehen, aber wir können unsere Wege an ihnen ausrichten und können sie bitten, uns bei Erfahrungen und Weisheiten des Lebens ihre Fragen und Antworten zur Verfügung zu stellen.
Die linke Figur im Hochaltar stellt den heiligen Aloisius (1561-1591), die rechte den heiligen Stanislaus Kostka (1550-1568) dar. Beide waren Mitglieder der Gesellschaft Jesu (SJ). Die zweite Figur von links ist die heilige Agatha. Sie lebte in Sizilien und starb um 250 als Märtyrerin unter Feuerqualen im Gefängnis von Catania. Sie wird als besondere Schutzpatronin der Gemeinde verehrt. Am 05. Februar eines jeden Jahres wird bis in die heutige Zeit ein Lobetag zu Ehren der Heiligen gehalten. Die zweite Figur rechts ist die heilige Katharina von Alexandrien. Sie soll zur Zeit des Kaisers Maxentius (305-312) in Alexandrien das Martyrium erlitten haben. Die Legende berichtet, dass Katharina in einer Disputation 50 Heiden belehrt habe. Da das Rad zerbrach, auf dem sie gerädert werden sollte, wurde sie mit dem Schwert enthauptet. Der Leichnam wurde von Engeln auf den Berg Sinai getragen, wo das berühmte Katharinenkloster erbaut wurde.
Für den rechten Seitenaltar wurde 1998 eine neue Marienfigur angefertigt. Als Patronin der Mütter wird die heilige Anna verehrt, deren Figur nun auf einem Beichtstuhl steht.
Der linke Seitenaltar birgt die Heiligenfigur Johannes des Täufers. Die barocke Figur ist aus Holz geschnitzt und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Er ist der Vorläufer Jesu. Sein Finger zeigt auf das Lamm. "Seht das Lamm Gottes." Das Lamm als ein Symbol für Jesus Christus, der sich für Freund und Feind hingab. Der heilige Johannes der Täufer ist der Schutzpatron der Pfarrgemeinde und des Heimatschutzvereins des Dorfes. Sein Festtag wird am 24. Juni begangen mit Gottesdiensten und einer Prozession. Überhaupt ist die Gemeinde ein "prozessionsfreudiges Volk". Neben den Bittprozessionen gibt es die Hagel-, Fronleichnams- und Johannesprozession. Die Prozession am Fest Christi Himmelfahrt führt nach Weine, womit die Verbundenheit in der Pfarrgemeinde einen Ausdruck findet.



Der Sturz der heiligen Agatha und seine Folgen

Nachdem in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1991 die Statur der heiligen Agatha vom Altar stürzte, stellte man einen Einbruch des Hauptaltaruntergrundes fest. Dieser schon fast legendäre Sturz zeigte, über den selbst die Boulevardzeitung ,Bild' berichtete, dass eine grundlegende Innenrenovierung notwendig geworden war. Unter anderem wurden in der mehrjährigen Renovierungszeit die Fundamente erneuert, ein neuer Innenanstrich vorgenommen, die gesamte Ausstattung neu gefasst, die Orgel ausgebaut und ein neues Orgelwerk eingebaut, der Glockenstuhl und die Elektroanlagen saniert, die Krippenfiguren repariert und neu bemalt, das Turmkreuz nach einem Sturmschaden erneuert, Altar und Ambo entworfen und gebaut. Diese Maßnahmen stellten den Kirchenvorstand und die gesamte Gemeinde vor eine große Herausforderung. Für den Kirchenvorstand stand bei allen Fragen, die in Absprache mit der Gemeinde getroffen wurden, die Notwendigkeit, Leistbarkeit und Verantwortbarkeit für alle Maßnahmen als Grundlage der Entscheidung im Vordergrund. Doch mit großem Einsatz der Beteiligten ist die Renovierung gelungen.
Bei der Suche nach festem Untergrund stieß man im Chorraum auf zahlreiche Gräber und Mauerreste einer alten Apsis. Unter dem Altarraum wurde nun eine Krypta geschaffen, die durch den Heizungsraum zugänglich ist.

"Die Gläubigen hielten fest an der Gemeinschaft und am Brechen des Brotes" (Apg. 2,42):
Altar und Ambo

An einem hervorgehobenen und zentralen Platz steht vorne im Chorraum der Altar, weil er ein Symbol für den gekreuzigten und auferstandenen Christus ist. Um den Altar wird Eucharistie gefeiert. Es bildet sich Gemeinschaft. Von hier gehen Kraft, Wandlung und Ermutigung für das Leben aus. Wer sich um diesen Altar versammelt, kann auch im Alltag nicht mehr an den Menschen vorbeileben - mit ihren Freuden und Sorgen, Fragen und Nöten, mit allem, was sie bewegt.
"Dieser Altar sei die festliche Tafel, um die sich die Tischgenossen Christi freudig versammeln. Hier mögen sie ihre Sorgen auf dich (Gott) werfen und neue Kraft schöpfen für den Weg, auf den du sie führen willst. Dieser Altar sei ein Ort des vertrauten Umgangs mit dir und eine Stätte des Friedens." (Aus dem Gebet zur Altarweihe)
Am Sonntag, dem 18. Dezember 1994 wurde vom damaligen Paderborner Weihbischof Dr. Franz-Josef Bode dieser vom Kirchenvorstand und Architekten Rolf Böme aus Bad Lippspringe entworfene Holzaltar in einem festlichen Gottesdienst konsekriert. Altar und Ambo - Tisch des Brotes und Tisch des Wortes - bilden im Chorraum eine Einheit. Die eingefügten ikonenähnlichen Bilder wurden von der Paderborner Künstlerin Katharina Sitnikov-Peters gemalt. Das Vorderbild des Altares zeigt die Emmausszene "Und sie erkannten IHN, als er das Brot brach". In dieser Szene blicken zwei Jünger am Tisch auf ein Stück Brot. Im gebrochenen Brot erkannten sie Christus und konnten freudig diese Botschaft weitersagen. Die Begegnung mit Christus veränderte ihr Leben. Auf diesem Bild ist das Brot ungebrochen dargestellt mit dem Kreuzzeichen, ein Symbol für Christus. Dieses Kreuz zeigt auf den Weg. Christus sagt von sich: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Dieses Bild gehört in die Gegenwart. Wenn heute um diesen Altar versammelte Menschen im Geiste Jesu Christi das Brot brechen, werden sie vom Reich Gottes ergriffen und ermutigt, selbst an diesem Reich Gottes in der Welt mit zu bauen. Bischof Bode lud dazu ein, den Altar als Ziel und Ausgangspunkt zu sehen: ,,Unser Weg mit Christus führt zum Altar und geht davon aus."

"HIER BIN ICH
GOTT
DU SPRACHST DEIN WORT
HIER BIN ICH
DU HAST MICH GERUFEN
HIER BIN ICH
DU HAST MICH BEI MEINEM NAMEN GENANNT
HIER BIN ICH"

SCHRITT FÜR SCHRITT AUF DICH ZUGEGANGEN
VERTRAUTES LOSGELASSEN
DEINER ZUSAGE VERTRAUT
MICH HINGEGEBEN
MICH BEGEISTERN
MICH ENTFLAMMEN LASSEN
HIER BIN ICH.

HERR, ICH STEHE
VOR DEINEM ALTAR
UND ICH GEBE MICH DIR.

ICH LASSE UND GEBE MICH
ICH SUCHE UND FINDE MICH
UND SAGE "JA"
UND BIN HINGABE
ICH WERDE
BROT UND WEIN
FÜR DICH
FÜR DIE MENSCHEN"            (Andrea Schwarz)

Zwei Bilder ,heiligmäßiger Menschen' dieser Tage wurden in den Seiten des Altares eingefügt. Der selige Adolf Kolping (1813-1865), Priester und Gründer der Gesellenvereine und Edith Stein (1891-1942), Jüdin und Karmelitin.
Heute würde Adolf Kolping sicherlich ,Streetworker' genannt werden, denn er ist einer, dessen Arbeit buchstäblich auf der Straße beginnt, dort, wo Jugendliche herumlungern, die Zeit totschlagen, Frust ablassen. Das wollte er:
Jungen Leuten zeigen, dass Leben mehr heißt als tagsüber jobben und abends Kneipentouren machen. Dass Abhängigkeit mit Unwissenheit zusammenhängt, dass Gemeinschaft keine Masken braucht, dass der Glauben an Gott zeigt, Leben ist mehr als das Messbare, Sichtbare, Kalkulierbare.
Seine Arbeit und seine Ziele waren und sind wichtig, auch für die heutige Zeit. So ist es erfreulich, dass es auch in der Pfarrgemeinde eine starke Kolpingsfamilie gibt. Auf dem Bild wird er mit einem Krankentuch dargestellt. Desweiteren sehen wir Handwerkszeug und seine Wirkungsstätten. Kolping weist hinaus in die Welt. Unsere Aufgabe ist es, die Welt im Geiste Jesu Christi zu gestalten.
Edith Stein wird am 12. Oktober 1891 als Kind jüdischer Eltern in Breslau geboren. Als junge Frau verliert sie ihren Glauben, studiert Philosophie, promoviert, arbeitet als wissenschaftliche Assistentin. 1922 konvertiert sie zum katholischen Glauben. Bis zum Berufsverbot 1933 arbeitet sie als Lehrerin und Dozentin. 1933 tritt sie als Schwester Theresia Benedikta Cruce in den Kölner Karmel ein, viel später ins holländische Echt. Verhaftung im August 1942, Deportation nach Auschwitz, wo sie in der Gaskammer ermordet wird. Am 11. Mai 1987 in Köln selig gesprochen, am 11. Oktober 1998 heilig gesprochen in Rom. Auf dem Bild sehen wir sie im Karmeliterinnengewand. Wir sehen auch die Mauern des Konzentrationslagers, die blutroten, tötenden Flammen, die Atombombe und die Wolke, die Gottes Angesicht verhüllt. Diese Szene ist ein Ausdruck für die Gottsuche in dieser Welt, aber auch für die Gottesferne der zerstörerischen Gewalt durch Menschen.
Edith Stein als junge Philosophin, Studentin, Frauenrechtlerin - auf der Suche nach unbedingter Wahrheit - findet sie nur begrenzte Antworten: Ein Riss durchzieht ihre Gestalt. Später wird sie sagen: "Wer die Wahrheit sucht, sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht."
Beide Gestalten verweisen uns auf die Welt, aber wer genau hinsieht wird entdecken, dass die Blickrichtungen ihrer Gesichter hier auf den Hochaltar gerichtet sind. Sie blicken auf den Tabernakel und das Kreuz über dem Tabernakel. Edith Stein und Adolf Kolping gehen ihren Lebensweg im Vertrauen auf Gott und bringen uns so in Berührung mit dem Gott des Lebens. Das Symbol des Pelikans, der seine Jungen füttert und über dem Tabernakel im Hochaltar dargestellt wird, wird im Leidensweg von Edith Stein greifbar. Der Pelikan wurde im Mittelalter als Symbol für den Opfertod Christi gebraucht. Da Pelikane - nach einem Bericht im Physiologus (Naturkundebuch des Altertums) - ihre Kinder töten und sich dann nach drei Tagen die Seite aufreißen, um mit dem eigenen Blut die toten Kinder auferwecken.
Nach der Lehre der Kirche werden in jeder heiligen Messe für die teilnehmenden Gläubigen die Hostien konsekriert. Im Tabernakel sollen nur wenige Brote für die Kranken aufbewahrt werden. Durch diese Bestimmung werden die alten, kranken und schwachen Menschen, die nicht mehr zur Kirche gehen können, in die Erinnerung der Gottesdienstteilnehmer gerufen. Aber auch für die Beter, die sich im Laufe des Tages in dieser Kirche einfinden, ist das konsekrierte Brot im Tabernakel von großer Bedeutung. Immer mündet ihr Gebet in die Worte des heiligen Thomas von Aquin: "In tiefer Demut bet' ich dich, verborgene Gottheit, an." An die Gegenwart Gottes erinnert auch das ewige "Licht", das im Chorraum aufgehängt ist und brennt. "Ich bin für euch da" - ist der Name Gottes. Jesus brennt darauf, uns zu erleuchten und zu bestärken im heiligen Sakrament. Vor dem Tabernakel können wir ausruhen und beten. Einfach da sein und spüren: ER IST DA.
Bei der Renovierung wurden im älteren Steinaltar der Kirche, unter dem Holz des Hochaltares, Reliquien der heiligen Märtyrer Speziosus, Nominandus, Perfecta und Clementia in einem durchrosteten Kästchen gefunden. Aus römischen Katakomben stammend, führt uns die Lebensgeschichte dieser Menschen in das 4./5. Jahrhundert nach Christus. Ein neues Reliquienkästchen wurde vom Künstler Schnorrenberg aus Paderborn für diesen Altar angefertigt. Es wurde von Bischof Bode in den großen Sandstein in der offenen Rückwand des Zelebrationsaltares eingefügt. Dieser Sandstein wurde in Siddinghausen gebrochen und unter einer Säule der Orgelempore bei der Renovierung gefunden. Er wirkt im Altar wie ein Grenzstein und markiert sozusagen die Stelle, an der die Begegnung mit dem lebendigen Gott stattfinden soll. Nicht nur an dieser Stelle, hier aber ganz besonders, kann man spüren, dass Gott gegenwärtig ist, wenn das Gedächtnismahl, die Eucharistie gefeiert wird. Eingefügt in den Holzaltar wird deutlich, dass er "Grenzstein" ist zwischen dem Profanen und dem Heiligen. Zeichenhaft steht dafür das eingeschlossene Reliquienkästchen. Achteckig ist das Gefäß. Die Zahl acht symbolisiert die Zahl der Auferstehung, der Rettung und der Wiedergeburt. Jesus ist am achten Tage, dem Tag nach dem Sabbat oder am ersten Tag der neuen Woche, auferstanden. Taufkapellen und Grabstätten wurden nach einem oktogonalen Grundriss gebaut, Zeichen für die Unendlichkeit und unserer Hoffnung, ewig zu leben. In diesem Glauben sind die Märtyrer gestorben. Im unteren Teil des Kästchens sind Steine aus dem hl. Land eingefaßt. Sie erinnern an die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen. Vergewisserung für uns, dass Gott und seine Beziehung zu den Menschen mit konkreten Orten verbunden ist.

Die Kolpingtanzgruppe und Pastor Austen haben diese Steine gesammelt. Sie stammen u. a. von folgenden wichtigen Stätten: Rotes Meer, Sinai, Nazareth, Wüste Juda, Berg der Seligpreisungen, Klagemauer (Tempelplatz), Golgota.
Sieben Steine: Sieben ist eine Zahl der Vollendung, der Fülle und der Vollständigkeit. Sie vereint in sich additiv

die Himmelsymbolik der Drei mit der erdhaften Symbolbedeutung der Vier. Die Goldfarbe der Fassung verweist auf die göttlichen Spuren in dieser Welt. Über dem Stein von Golgota ist ein Kreuz angebracht. Erinnerung an den neuen Bund Jesu. Dies ist der Grund und die Quelle unseres Glaubens. Jesus Christus ist für uns zum Lebensgrund geworden.
Auf der Rückseite ist ein Pfau in den Farben des Regenbogens zu sehen. Der Regenbogen, ein Symbol des ersten Bundes der Versöhnung mit Gott. Der Pfau, ein Symbol der Unverweslichkeit und des Erzbistums Paderborn, zu dem die Gemeinde gehört. Pilgernd ist sie unterwegs als Volk Gottes. Der Pfau ist zudem in Blattform gestaltet. Das Blatt am Baum steht symbolisch für Leben und Beziehung. "Ich bin der Weinstock". "Ich bin gekommen, damit sie das Leben in Fülle haben", verheißungsvolle Worte Jesu.
An all dies kann das Kästchen die Gemeinde erinnern, wenn sie sich um den Altar versammelt als Gemeinschaft von Christen und Christinnen. Über dem Stein wölben sich in Gold gefaßt die griechischen Buchstaben für Christus und das Alpha und Omega - Anfang und Ende. "Bis hierher und nicht weiter", scheint der Altar zu sagen. "Hier, Mensch, kommst du an deine Grenze, die du mit deinem Verstand, deinem Geschick, mit all deinem Wissen und deinen Wünschen, nicht von dir aus überschreiten kannst. Hier bist du auf etwas anderes angewiesen. Der Altar wird zum Tisch, wenn Menschen hier gemeinsam essen und trinken, zu einer Gemeinschaft werden - Gemeinde im Namen Jesu.

"Deine Worte, Herr, sind Geist und Leben":
Der Ambo

Zum Tisch des Brotes gehört der Tisch des Wortes. Von beiden Tischen - von der Eucharistie und vom Evangelium - leben die Christen. Beide gehören zusammen, wie es in der heiligen Messe mit dem Wortgottesdienst und der Abendmahlsfeier vorbildlich zum Ausdruck gebracht wird. "Bevor der Priester die frohe Botschaft vom Ambo aus verkündigt, verneigt er sich tief vor Gott und betet: ,Herr, öffne mein Herz und meine Lippen, damit ich das Evangelium würdig und ehrfürchtig verkündige'. Die Gemeinde erhebt sich und begrüßt mit dem festlichen Halleluja den Herrn in seinem Wort. Um die Würde und die Kraft des Wortes sichtbar zu machen, wird der Evangelienzug zum Ambo mit Kerzen, oft auch mit Weihrauch begleitet. Zum Zeichen der Bereitschaft und der Aufmerksamkeit nimmt die Gemeinde das Evangelium stehend entgegen. Wer sein Herz öffnet und an den im Wort gegenwärtigen Herrn glaubt, kann mit dem Hauptmann von Kafarnaum bezeugen: , "Herr, sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund' (Mt 8,8)."
Der Ambo wurde von der Kapellengemeinde Sankt Michael Weine gestiftet. Auch auf diesem Bild ist eine Emmausszene dargestellt. Drei Personen sind unterwegs nach Emmaus - "Und er erschloß ihnen den Sinn der Schrift" - so wird uns im Evangelium berichtet. Das Wort Gottes will uns helfen, den Sinn unseres Lebens zu erschließen. Im Evangelium wird von zwei Männern berichtet. Hier sind Mann und Frau dargestellt. Sie sind mit Jesus unterwegs. Auch dieses Bild will uns in die Gegenwart versetzen. Es erinnert an die brennende Leidenschaft, die die Jünger im Gespräch mit Jesus empfunden hatten. Spürt man von dieser Leidenschaft auch noch etwas bei den Menschen heutiger Zeit, bei all der Energie, die für Reizthemen verbraucht wird?
Vor dem Ambo kann das Evangelienbuch aufgeschlagen ausgelegt werden. Die in griechisch verfassten Worte "Licht und Leben" sowie Wellenbewegungen sind in Goldschrift auf der Ablage angebracht. "Licht und Leben" sind Urworte, die etwas wiedergeben, was tief im Menschen, tief in der Menschheit, ja tief in der Schöpfung Gottes verankert ist. Licht bringt Leben mit sich, und Leben braucht das Licht. Jesu Worte können als Licht und Leben wie Wellen in die Welt hinaus getragen werden, wenn Menschen ihre Ohren auf seine Wellenlänge eingestellt haben.



,,Singt und jubelt zum Lob des Herrn" (Eph. 5,15):
Die Orgel

Wer nun zurück in den Westteil der Kirche schaut, blickt auf den kunstvoll gestalteten barocken Orgelprospekt. 1673/74 wurde die von den Schweden zerschlagene Orgel wieder hergestellt. Das erhaltene Gehäuse wurde vermutlich kurz nach der Fertigstellung der neuen Kirche (1723) erbaut. 1823 hatte die Orgel 20 Register aus Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal. 1827 erfolgte ein größerer Umbau. Ausser dem Gehäuse gab es keinen historischen Bestand. Am Tag der Altarweihe im Dezember 1994 wurde dieses Schmuckstück von Pastor Austen gesegnet und die Orgel konnte zum ersten Mal zum Lobe Gottes

und zur Freude der Gemeinde erklingen. Zuvor waren umfangreiche Renovierungsarbeiten von der Orgelbaufirma Stockmann aus Werl durchgeführt worden. Mit seinem völlig neuen, aber mechanischen Innenleben kommt die Orgel dem Original sehr nahe. Die Orgel hat im historischen, barocken Prospekt ein neues Innenleben mit 24 Registern auf 2 Manualen erhalten. Die Fa. Stockmann versuchte, in ihrer Disposition auf das barocke Vorbild zurückzugreifen. Die Orgel verfügt über 1.662 Pfeifen und ihr Klang-eindruck zeigt, dass das Instrument auf einem kräftigen Prinzipal ruht, über dem sich die barocke Klangkrone entfalten kann. Kirchenraum und Instrument bieten eine für diese Region seltene stilistische Harmonie.

,,Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt." (Lk. 2,12):
Krippe und Kreuz

Es lohnt sich, die Siddinghäuser Krippe zur Weihnachtszeit zu besuchen. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden die aus Linden- und Eichenholz geschnitzten Holzfiguren. Mit großer Sorgfalt wird die Krippe in jedem Jahr unter dem Turm von fleißigen Händen aufgebaut. Wie eine kleine Höhle wirkt dann die Turmkapelle. Schön ist auch die Einbindung des Schöpfungsfensters, des Kreuzes und der Pieta in die Krippenlandschaft. Denn Welt, Kreuz und Tod gehören zum Lebensweg Jesu. Diese Lebensspuren spiegeln auch den Weg des Menschseins wieder. Hineingeboren in diese Welt gehen wir unseren Weg durch Freude und Leid, Gesundheit und Krankheit, mit Hoffnung und Fragen. Wir sind ausgespannt zwischen Geburt und Tod, doch Gott selbst wurde Mensch, um diese Spannung zu lösen. Er hilft uns bei unserer Menschwerdung aus einem Leben dieser Zeit in die Ewigkeit. So gehören Krippe und Kreuz eben zusammen.

Es wird berichtet, dass es Kindern in früheren Jahren einen besonderen Spaß bereitete, heimlich auf den Elefanten zu klettern; denn neben Schafen, Hunden, Katzen, Ochse, Esel und Kamel gehört auch ein mehr als ein Meter hoher Elefant zum Ensemble. Er gesellt sich erst mit den heiligen drei Königen am 6. Januar zu der Gesellschaft. Noch eine weitere Besonderheit hat die Siddinghäusener Krippe

aufzuweisen. Sie verfügt über zwei Marienfiguren: Einmal mit Kind, einmal ohne. Der Austausch der Figuren erfolgt am Tag der Taufe des Herrn. Am Heiligabend des Jahres 1994 gab es in Siddinghausen sogar eine lebendige Krippe. Die Krippenfeier mit den Kindern fand nämlich an diesem Tag im Schafstall von Schmückers Hof statt.
"Hier melde ich mich noch einmal zurück, Maria, die Gottesmutter. Ich bin Wegbegleiterin der Menschen und hänge deshalb zeichenhaft über dem Mittelgang. Hat Ihnen der Gang durch diese Kirche gefallen? Vielleicht haben Sie ja noch ein wenig Zeit, die Eindrücke nachklingen zu lassen. Ihnen wünsche ich Gottes Segen für den weiteren Weg. Ich möchte Ihnen aber auch ein Gebet für Ihre Gemeinde mitgeben, das hier beim 1.200-jährigen Jubiläum gebetet wurde:

Herr, unser Gott, wir stehen vor dir im Jahr unseres Dorfjubiläums. Wir wissen uns verbunden mit all jenen, die vor uns an diesem Ort gelebt und uns den Glauben weitergegeben haben: In Freud und Leid haben sie in all den Zeiten mit ihren Höhen und Tiefen auf dich gehofft und dir vertraut. Das Zeichen des Kreuzes war ihr Begleiter - im Leben und in ihrem Sterben. So bitten wir dich auch für unsere Verstorbenen und die Toten von Kriegen und Gewalttaten.
Heute stehen wir an der Schwelle einer neuen Zeit, dankbar für das kostbare und lebendige Erbe des Glaubens. Wir wissen nicht, was uns erwartet, was uns bevorsteht, was auf uns zukommt. Doch bei allem Ungewissen ist eines gewiss: das Zeichen des Kreuzes geht mit in jede Zeit. Du gehst mit uns und bist bei uns. Du kommst auf uns zu, auch heute und morgen. Denn dein ist die Zeit - und was in ihr ist.
Herr, es ist Zeit, aufzubrechen zu dir und deinem Kommen den Weg zu bereiten in eine Welt, die oftmals zerrissen und doch voll Sehnsucht und Hoffnung ist.
So bitten wir dich: komm du uns entgegen! Laß uns erfahren, dass du da bist, und bleibe bei uns wo wir in deinem Namen unterwegs sind. Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu!   Amen.

"Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen!" (Offb. 21,3):
Die Kirche im Dorf

Wenn Sie nun die Kirche verlassen, kommen Sie auf den Kirchplatz. In früherer Zeit war er der Friedhof. An der Mauer befindet sich ein altes Grabkreuz aus dem 19. Jahrhundert von Pfarrer Wessel, der während einer Eucharistiefeier starb. Sinngemäß lautet die verfallene Grabinschrift: "Als er den Herrn vom Himmel holen wollte, holte ihn der Herr in den Himmel". Der Platz, auf dem Sie stehen, ist ein Gottesacker. Hier auf dem ehemaligen Friedhof, wurde der tote Leib der Vorfahren zurück in die Erde gelegt - in die Hände des lebendigen Gottes. Auch das Ehrenmal erinnert an die Toten der Kriege, an das Leid und die Gewalt. Es ist eine Mahnung zum Frieden.
Hinter den Fassaden der Häuser, die die Kirche umgeben, leben Menschen in Freude und Leid, in Gesundheit und Krankheit, mit ihren Hoffnungen und Träumen, mit ihren Ängsten und Sorgen.
Auch in Zukunft wird hier nur Leben gelingen, wenn Menschen miteinander leben und nicht aneinander vorbei. Leben wird gelingen, wenn es Sinn hat und nicht sinnlos erscheint. Wenn es Bräuche und Rituale gibt, die das Leben deuten und vernetzen. Wenn es Familien und Gruppen gibt, die Menschen in Beziehung setzen und nicht vereinsamen lassen, trotz aller Vereine, die es auch hier gibt.
So wird der Blick zum Abschluß noch einmal auf die Kirche mit ihrem aufragenden Turm gerichtet. Sie steht in der Mitte des Dorfes, weit sichtbar auch für Vorbeifahrende. Viele Wege führen zu ihr hin und von ihr weg. Von oben betrachtet wirkt die alte Kirche wie ein pulsierendes Herz für die Lebensadern der

Straßen und Wege. Wo Himmel und Erde sich berühren, da ist die Keimzelle des geistigen und kulturellen Lebens einer Dorfgemeinschaft.
Viele Meter tief gründen die Fundamente des Turmes. Fest verwurzelt in der Erde steht er auf sicherem Grund. Er ragt höher als die anderen Gebäude, wie ein Finger, der zum Himmel weist. Der Turm vermittelt in seiner wuchtigen Größe und Schönheit zwischen Himmel und Erde.
Uns, die wir am Fuße dieses Turmes stehen, weist er zurück auf unser menschliches Maß. Er spricht von Höherem, Größerem, von dem, was uns Menschen nicht mehr verfügbar ist und was uns doch zutiefst berührt und anzieht. Unverrückbar und unerschütterlich wie dieser Turm soll sich der Glaube, die Hoffnung und die Liebe der Menschen erweisen, die hierher kommen und von hier aus weitergehen. Seit mehr als 1200 Jahren ist in Siddinghausen der christliche Glaube verwurzelt und die Kirche ein Atemraum des Glaubens. Hier atmet der Glaube durch die Geschichte und das Leben von Menschen.

"DU BIST DER HERR
MEIN GOTT
DICH ERKENNE ICH AN
DICH LOBE ICH
DIR GEBE ICH MICH
DIR ZUR EHRE
SETZE ICH STEIN AUF STEIN
VERBUNDEN MIT LIEBE
DIR ZUR EHRE
BAUEN WIR DIESEN TURM
DER AUF DICH VERWEISEN WILL
ZUR EHRE
GEBEN WIR UNS SELBST
UND BAUEN KIRCHE
IN LIEBE VERBUNDEN
DIR ZUR EHRE
WERDEN WIR
ZU LEBENDIGEN STEINEN
ZU EINEM GEISTIGEN HAUS"     (Andrea Schwarz)


Weitere verwendete Literatur:
Eckhard Bieger: Anders sehen - wenn Steine sprechen.
(Katholische Fernseharbeit beim ZDF). Mainz o. J.
Eckhard Bieger u. a. (Hg.): Schnittpunkt zwischen Himmel und Erde. Kevelaer 1998.
M. L. Goeke-Seischab: Kirchen erkunden, Kirchen erschließen. Kevelaer 1998. Untersuchungsberichte der Firma Ochsenfarth. Paderborn 1992/93.

Bildnachweise:
Fotos: Pfarrarchiv Siddinghausen und Martina Dworak: Außenansicht der Kirche