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An ihren Fr├╝chten werdet ihr sie erkennen

Predigt zum Sch├╝tzenfestmontag

Es ist ein guter Brauch an den Tagen des Sch├╝tzenfestes miteinander auch Gottesdienst zu feiern. Ich freue mich, dass Sie heute morgen, vielleicht mit langsam eintretenden Erm├╝dungserscheinungen, dieser Einladung gefolgt sind.

Die Halbzeit des diesj├Ąhrigen Sch├╝tzenfestes ist schon ├╝berschritten. Nach meinem Eindruck war es bisher ein gelungenes Fest. Sicherlich ist es verfr├╝ht schon jetzt Man├Âverkritik zu ├╝ben, da zum einen mit Spannung das Vogelschie├čen und der neue K├Ânig, sowie die neue K├Ânigin erwartet werden, zum anderen mir allein eine Kritik nicht zusteht. Jedoch werden durch das neue K├Ânigspaar und die Verantwortlichen des Sch├╝tzenvereins schon heute die ersten Rahmenbedingungen f├╝r das n├Ąchste Sch├╝tzenfest gesetzt. Dabei sind die Erfahrungen der Vorg├Ąnger eine gro├če Hilfe und der Grundrahmen f├╝r das Sch├╝tzenfest bleibt immer gleich. Dabei wissen wir alle, dass die Vorbereitung und Durchf├╝hrung eines solchen Festes nicht nur Lust und Freude bedeutet, sondern sich paart mit Verantwortung und Arbeit. Daf├╝r geb├╝hrt den Verantwortlichen Dank und Anerkennung. Denn wir erleben, dass das Sch├╝tzenfest l├Ąngst nicht mehr von allen in der Dorfgemeinde mit-getragen und bei der Flut von Festen mitgefeiert wird. Dabei will die Sch├╝tzengemeinschaft mehr als das "gro├če Spiel" der Erwachsenen - das Sch├╝tzenfest - als H├Âhepunkt organisieren. Sie hat auch Bedeutung ├╝ber die Festtage hinaus.

Der Philosoph Antoine de Saint-Exup├ęry schrieb einmal einen Satz, der f├╝r mich gut zum Sch├╝tzenwesen und ├╝berhaupt f├╝r den Aufbau von Gemeinschaften passt: "Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht M├Ąnner zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre zun├Ąchst die M├Ąnner, die Sehnsucht nach dem endlosen, weiten Meer!" In Abwandlung k├Ânnte der Satz lauten: "Wenn du eine Sch├╝tzengemeinschaft bauen willst, dann trommle nicht nur M├Ąnner und Frauen zusammen, um Uniformen und Festkleider zu tragen, Getr├Ąnke und Musik zu bestellen, Traditionen zu pflegen und Aufgaben zu vergeben, sondern lehre sie zun├Ąchst die Sehnsucht nach echter Begegnung; nach dem weiten, unendlichen Geheimnis des Lebens und letztlich nach dem lebendigen Gott!"
Das hei├čt: "Macht nicht alles so, weil es immer schon so war, verkommt nicht in Routine und lauft nicht Gefahr den Geschmack am Leben zu verlieren." Wenn ich nur in Organisation stecken bleibe, einen glanzvollen Rahmen ohne Inhalt setze, dann fehlt das Herzst├╝ck. Wir merken, dass gerade in dieser Zeit bei uns in den D├Ârfern vieles im Umbruch ist. Ich sp├╝re auch im l├Ąndlichen Raum wo ich gern lebe, finden viele Ver├Ąnderungen statt. Dieser Umbruch ist nicht nur negativ, sondern birgt auch eine Menge Chancen und Herausforderungen.

Wir haben viele Br├Ąuche, Feste und Werte, die eine Dorfgemeinschaft von alters her pr├Ągen. Aber unsere D├Ârfer drohen immer mehr zu "Schlafst├Ątten" zu werden. Das Leben in der Freizeit oder in der Arbeit findet l├Ąngst schon anderswo statt. Begegnung und das Wissen um einander werden auch in unserem Dorf weniger. Vieles, was in der Vergangenheit von Tradition und Werten pr├Ągend war, ist heute mit den Lebenserfahrungen der Menschen nicht mehr gef├╝llt. Dies gilt auch f├╝r die Verbindung von Glauben und Leben.

Deshalb ist es wichtig, Dinge nachzufragen und den Sinn von Gemeinschaften zu ergr├╝nden, damit sie nicht in der Routine ersticken oder austrocknen. Mir ist es wichtig, dass uns junge Menschen fragen: Welchen Sinn und Ursprung hat dieser Brauch? Welche Antwort und Hilfe gibt mir f├╝r mein Leben der Glaube? Wo erlebe ich heute glaubw├╝rdige Christen, die ihr Leben aus dem Glauben gestalten?" Es w├Ąre t├Âdlich zu sagen: "Das ist immer so gewesen und muss so bleiben." Selbst wenn manche Traditionen sinnlos und geistlos erscheinen. Und ich glaube auch eine Sch├╝tzengemeinschaft darf sich berechtigten Anfragen nicht entziehen, damit sie eine gute Zukunft hat und ein Profil erkennbar wird.

Ich kann Jugendliche verstehen, die schon als Kinder im Kindergarten beigebracht bekommen, keine Waffe als Spielzeug mitzubringen, wenn sie fragen: "Warum tragen Sch├╝tzen beim Ausmarsch ein Holzgewehr? Welchen Sinn und welchen Wert hat das?!" Diese Anfrage ist doch kein Angriff.
Ich kann Frauen verstehen, wenn sie fragen: "Welches Frauenbild pr├Ągt diese Gemeinschaft und wo haben wir dort unseren Platz?"
Ich kann verstehen, wenn nicht nur junge Menschen Fragen: "Woran wird der Erfolg eines Sch├╝tzenfestes gemessen: am Alkoholkonsum, Umsatz, Besucherzahlen oder an der Begegnung und gelungener Gemeinschaft?!"

Welche Antworten geben Sie? Um diese Anfragen und Antworten sollte man sich nicht herumdr├╝cken, sonst verliert eine Sch├╝tzengemeinschaft auf Dauer ihr Fundament, ihren Sinn und ihr Profil. Es lohnt sich f├╝r eine Gemeinschaft nach ihrem Ursprung zu suchen, um eine Orientierung zu finden, aber auch sich ├╝ber Aufgaben und Ziele f├╝r die heutige Zeit auseinander zu setzen.

Als Christen haben wir die Aufgabe dem Leben auf den Grund zu gehen, wertvolle Traditionen zu pflegen und notwendige Ver├Ąnderungen zuzulassen. Das bedeutet nicht nur eine immer gr├Â├čere Festflut zu organisieren oder beim eigenen Sch├╝tzenfest stehen zu bleiben, sondern auf den Geschmack des Lebens zu kommen, damit das Sch├╝tzenfest und andere Feste nicht geschmacklos werden. Dabei mu├č auch deutlich werden: Welche "geistliche Nahrung" finden die Menschen bei uns?

Dies sind die Fr├╝chte, um im Bild des Evangeliums zu bleiben, an denen wir als Christen, aber auch eine christliche Sch├╝tzengemeinschaft gemessen wird. Zweifelsohne ist der Baum der Sch├╝tzengemeinschaft ein wichtiger und starker Baum mit den tiefen Wurzeln seiner Geschichte in unserem Dorf. Und die guten Fr├╝chte sind zu erkennen, wenn z. B. die Kranken der Gemeinschaft im Blick sind und besucht werden oder spontane Hilfe gegeben wird, wo Not am Mann ist. Eine gute Frucht ist es, wenn die Verantwortlichen sich den Zeichen der Zeit stellen und suchen welches Leben und Zusammenleben es heute zu sch├╝tzen gilt. Wir sehen auch die Fr├╝chte des sozialen Engagements und die aktive Mitgestaltung unserer Kirchengemeinde. Es w├Ąre aber auch eine sch├Âne Frucht, wenn junge Menschen, die dem Verein beitreten, nicht nur das Marschieren kennen lernen, sondern auch etwas ├╝ber die Ziele und Inhalte erfahren und eine geistliche Beheimatung finden.

Unsere Antworten, unsere Lebensgestaltung und das Mittragen von Verantwortung haben eine entscheidende Bedeutung f├╝r die Zukunft des Gemeinwesens in unserem Lebensraum. Ich denke, wenn Menschen sp├╝ren, die Ziele dieser Gemeinschaft haben etwas mit meinem Leben zu tun, hier finde ich mich mit meinen Lebenserfahrungen wieder und f├╝hle mich wohl, dann haben Gemeinschaften in Kirche und Gesellschaft Zukunft. Gewiss werden dann auch Menschen mit anpacken diesen Raum zu gestalten und Verantwortung f├╝r die Gemeinschaft zu ├╝bernehmen - denn dann ist es mir nicht egal, was aus mir, der Gemeinschaft und dem Lebensraum wird. Dazu kann ich uns abschlie├čend nur die Sehnsucht nach echter Begegnung, nach dem weiten unendlichen Geheimnis des Lebens und dem lebendigen Gott w├╝nschen.