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Begleiten tut Not

Begleiten tut Not

Bei allen Diskussionen um das neue oder klassische Ehrenamt möchte ich diese Gedanken einwerfen - ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Sie beziehen sich größtenteils auf die Mitarbeit der Kreis- oder Diözesanebene in Verbänden.


Erwartungen müssen geklärt werden

Ehrenamtliche leisten einen hohen persönlichen Einsatz, von dem sie erwarten, dass er ihnen "etwas bringt". Neben Leitungserfahrungen, eigenen Gestaltungsmöglichkeiten des Verbandes, Durchsetzung von individuellen Ideen findet sich auch häufig die Erwartung, persönliche und private Kontakte zu anderen Leitungsmitgliedern aufzubauen. Diese werden nicht selten enttäuscht da Vertrautheit und Beziehungspflege untergehen in Tagesordnung, Herausforderungen des Alltagsgeschäftes oder es bleibt einfach zu wenig Zeit bei den anstehenden Sitzungen und Treffen. Oftmals gilt es auch große Entfernungen zu überbrücken. Hier ist es notwendig, rechtzeitig die Erwartungen und Motivationen und Möglichkeiten der einzelnen Teammitglieder zu klären.


Begleitung tut Not

Bei vielen Ehrenamtlichen habe ich während ihrer Mitarbeit erlebt, dass es im Laufe der Zeit eine Auseinandersetzung mit der persönlichen Lebenssituation gab. Ablösung von der Familie, eigene Werte: Berufsfindung, Beziehungsfragen und Partnerwahl. Ein Leitungsteam war häufig überfordert, diese persönlichen Fragen aufzufangen. Viel mehr ist hier eine "gute Seelsorge" und Begleitung gefordert.


Es braucht eine Lebens- und Glaubenskultur oder "man muss sich etwas gönnen"

Damit Vorstand und Leitung nicht nur funktioniert, braucht es eine eigene Lebenskultur, wo der Einzelne mit seiner Alltagswelt ankommen kann. Vertrauen zu

Acht magische B´s für´s Ehrenamt

Beginnen
Klare Aufgabenstellung, Transparenz des Arbeitsumfangs.

Beenden
Aufgaben abschließen, reflektieren, neu beginnen oder abgeben.

Beteiligen
Beteiligungen Entscheidungen, an Verantwortung und Veröffentlichungen

Begleiten
Qualifizierung von Ehrenamtlichen, kontinuierliche Praxisberatung.

Beschreiben
Arbeit sichtbar machen und veröffentlichen (dadurch Anerkennung und Tranzparenz).

Begrenzen
Grenzen zwischen Haupt- und Ehrenamt, Delegation, Teamarbeit, gerechte Verteilung zwischen den Geschlechtern.

Belegen
Qualifikationsnachweis, Anerkennung im Erwerbsleben.

Belohnen
Aufwandsentschädigung, Anerkennung im Steuer- und Rentenrecht.


In Anlehnung an eine Vollage für die Delegiertenversammlung der kfd, Neuss 1993

einander und Freude aneinander bilden erst die Basis einer fruchtbaren Arbeit. Darüber hinaus wird in diesen "Ämtern" auch die Innenseite der Kirche erlebt, die nicht immer positiv ist: Anerkennung von Kinder- und Jugendarbeit, Strukturen, Verknöcherungen, Enttäuschungen mit Amtsträgern, Finanzabhängigkeiten, Entscheidungsverhalten.... Auch für diese Erfahrungen muss Raum und Gesprächsbereitschaft da sein. Ebenso muss es nach meiner Meinung eine Kultur des Glaubens geben. Wenn eine Diözesanleitung für sich miteinander Gottesdienst feiert und das Gebet selbstverständlich zu ihren Treffen dazugehört, wird sie entdecken, dass Gebet und Gottesdienst auf einer Veranstaltung mehr ist als ein Tagesordnungspunkt.


Weniger ist oft mehr

Fachkompetenz, Zeit, finanzielle Aufwendungen, Vertretungsaufgaben, Planungen, Fahrzeiten,..., dies geht häufig auf Kosten von Privatkontakten, Familie und Freundeskreis, Partnersuche u.s.w. Ehrenamtliche, die ihre bisherigen privaten Kontakte, Kreise und Partnerschaft zu sehr vernachlässigen, werden später nach Ablauf der Amtszeit feststellen, dass die meisten Beziehungen, die sie im Verband aufgebaut haben, dann abbrechen. Dies führt zu Enttäuschung, manchmal Verbitterung.


Ehrenamtliche brauchen Anerkennung, Qualifizierung, Informations- und Entscheidungskompetenz

Durch die große Fluktuation und erforderliche Fach- und Sachkompetenz sowie notwendige Verwaltungsaufgaben brauchen Ehrenamtliche hauptberufliche Kräfte, die Qualifizierung und Kontinuität gewährleisten. Das bedeutet: nicht selten haben Hauptberufliche durch ihre Ausbildung eine stärkere Fachkompetenz und einen Informationsvorsprung. Darüber hinaus bieten die größeren Zeitressourcen die Möglichkeit, in Entscheidungsprozessen und bei Entscheidungen voraus zu sein. Dies kann zu Unsicherheiten, Unzufriedenheit und mangelndem Selbstbewusstsein führen. Zudem sind die gewählten Vorstände häufig Dienstvorgesetzte der Hauptberuflichen und politisch für die Arbeit des Verbandes verantwortlich. Gerade die Ehrenamtlichen, die eine wichtige Säule der kirchlichen Jugendarbeit sind, müssen durch eine gute Einführung, Qualifizierung und Begleitung in ihrer Arbeit gestärkt werden. Noch erleben wir; dass es innerhalb des Verbandes einen guten Informationsfluss gibt der zu einer wirklichen Entscheidungskompetenz führt. Die Motivation der Ehrenamtlichen zur Mitarbeit wächst mit einer guten Qualifizierung ihrer Anerkennung, Gestaltungsmöglichkeit, Verantwortung, Erfolgserlebnissen und Entscheidungskompetenz. Eine "Leidenschaft" für die Arbeit wird sich dann entwickeln, wenn es Freiräume für eigene Ideen und Visionen gibt.