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Das achte Sakrament
Msgr. Austen zur Kirche im Norden

Msgr. Georg Austen und Domkapitular Msgr. Ansgar Lüttel vor der Diskussion in der Kleinen Kirche auf dem Katholikentag in Osnabrück w.t. Dass von Paderborn aus schon früh die Katholiken im Norden unterstützt wurden, belegte der neue Generalsekretär des Bonifatiuswerks, Msgr. Georg Austen auf der Veranstaltung, „Nur Fjorde, Elche und weites Land? Katholisch sein im hohen Norden, Perspektiven für die Kirche in Deutschland“, am Freitag, dem 3. Mai 2008, auf dem Katholikentag in der Kleinen Kirche mit dem Hinweis auf die Ferdinandische Stiftung. Die griff bereits 1672 dem dänischen Naturwissenschaftler, Konvertiten und Bischofs Niels Stensen, sowie den Christen in Fredericia finanziell unter die Arme. Ja, bis zum 1. Weltkrieg flossen die Gelder die Stiftung, bis die Inflation ihr den finanziellen Boden entzog.

Dass die Lage der Katholiken nach der schleichenden Einführung der Reformation in den skandinavischen Ländern äußerst schwierig war, ist für Kenner keine Neuigkeit. Erst die Revolution von 1848 sorgte für eine Änderung der Versammlungsrechte. Und die wiederum öffneten den Katholiken ein Spalt weit die Tür nach Skandinavien. Die ersten die diesen Spalt nutzten, waren Ordensfrauen, die sich um schiffbrüchige Matrosen kümmerten, so Msgr. Austen. Es folgte der Bau von katholischen Krankenhäusern und Altenheimen.

Ab 1878 erhielten die skandinavischen Katholiken erste Hilfe aus Osnabrück, zumal der Osnabrücker Bischof im Nebenamt als Apostolischer Vikar des Nordens amtierte. Erst ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Apostolischen Präfekturen bzw. Vikariate in Diözesen oder Prälaturen umgewandelt und damit nahezu normale Verhältnisse geschaffen.

Die entsprechenden Länder zeichnen sich laut Msgr. Austen einerseits “durch die Schönheit der Weite des Nordens“ aus, andererseits aber „durch Entfernung, Zerstreuung und Vereinzelung“. Hier entfalte das „achte Sakrament: Der Kaffee nach dem Gottesdienst“ seine Wirkung. Es sei, wie Heidi Tuorilas-Kahanpää von der Teresianischen Karmel-Gemeinschaft in Finnland in ihrem Beitrag unter dem Beifall der Zuhörer ergänzte, „das einzige von Frauen eingeführte Sakrament“. Und wie sie durchblicken ließ, war sie die Initiatoren.

Zum zweiten zeichne die Katholiken des Nordens „eine unglaubliche Vielfalt“ aus. „Bis zu 100 Nationen bilden die dortigen Einwandererkirchen“. Hier springe einem die Weltkirche quasi ins Gesicht. Neueste Aufgabe sei, die aus dem Irak geflohenen Chaldäer zu beheimaten. Hier werde beispielhaft die Kirche von morgen vorgelebt. Es gehe dabei darum, nicht in nationalen Gruppen neben einander Kirche zu sein, sondern die Frage zu beantworten: Was ist Einheits stiftend? Was ist Einheits fördernd? Denn es gelte, der Gefahr der Zersplitterung zu entkommen.

In der Kirche des Nordens werde beispielhaft vorgelebt, als Christ in einer Welt zu leben, die immer säkularer wird. Was heißt es in dieser Situation Christ zu sein oder katholisch zu werden? Und: Was können wir davon lernen in der sich auch bei uns ausbreitenden Diasporasituation? fragt der frisch gebackene Paderborner Monsignore.

Eine weitere Eigenart der nordischen Kirchen sei die große Zahl der Klöster. Von den Birgitten über die Jesuiten bis zu den Karmelitern und Zisterzienserinnen würden geistliche Zellen gebildet, die eine spirituelle Ausstrahlung hätten. „Davon können auch wir lernen“, so Msgr. Austen, „wir brauchen Zentren des Glaubens, die eine missionarische Ausstrahlung haben. Denn auch bei uns stehe ein Perspektivwechsel an.“

Quelle: Ansgar-Werk