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Glauben ohne Verfallsdatum
Was die Älteren von den Jüngeren lernen können

beten rosenkranz Der am 16. November in allen Pfarreien stattfindende Diaspora-Sonntag soll ganz gezielt darauf aufmerksam machen, dass es oft die Kinder sind, die frei heraus die Glaubensfragen stellen. "Mit ihren Fragen, ihrem Staunen und ihren Erfahrungen führen uns Kinder und Jugendliche oftmals neu auf die Spur des Glaubens", betont der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen. Und so komme in den Blick, "dass wir voneinander lernen können - die Jüngeren von den Älteren, aber auch die Älteren von den Jüngeren".
Natürlich sei es wichtig, dass Eltern und Großeltern ihren Kindern und Enkeln den Glauben vorleben. Um ihn weiterzugeben gehöre aber auch das Erzählen von Hoffnungen, Wünschen, Träumen, Ängsten und der Zuversicht aus dem Glauben dazu, so Austen. "Wir stellen heute jedoch fest, dass viele Erwachsene fremd geworden sind in der Heimat des Glaubens. Und so erfahren die Kinder und Jugendlichen oft den Glauben wie eine Konservendose, deren Inhalt längst das Verfallsdatum überschritten hat. Das kann und darf nicht sein", unterstreicht der Generalsekretär.

Glaubensinhalte in den Mittelpunkt stellen

Mit dem diesjährigen Motto "Werdet nicht müde, von IHM zu sprechen" ermuntert das Bonifatiuswerk zudem, nicht nur über Strukturreformen, Personalnöte und den Schwund des Glaubens zu diskutieren. Es gehe vor allem darum, wieder "die Glaubensinhalte in den Mittelpunkt der Gespräche zu stellen", betont Monsignore Austen.
Als weitere Dimension der diesjährigen Aktion, sieht der Priester auch das Gespräch mit Gott: "Der Glaube ist in unserem Herzen nur lebendig, wenn wir durch das Gebet und in der gemeinsamen Feier des Gottesdienstes mit Gott ins Gespräch kommen." Menschen sollten sich im hektischen Alltag wieder Zeit nehmen für das Gebet und daraus Kraft schöpfen für sich und für andere.

Glaubensräume schaffen

Mit der bundesweiten Kollekte des Diaspora-Sonntags fördert das Bonifatiuswerk insbesondere Projekte, die Räume für den Glauben schaffen. Im vergangenen Jahr kamen fast 3 Millionen Euro für Bau- und Sozialprojekte sowie die Anschaffung von Gemeindefahrzeugen zusammen.
Eines von vielen Projekten ist das Mehrgenerationenhaus in Hamburg-Wilhelmsburg. Hier treffen sich Vorschulkinder und Senioren, um gemeinsam Geschichten über Jesus zu hören, die Feste des Kirchenjahres zu feiern und zu singen - für die alten Menschen eine Möglichkeit, den eigenen Glauben weiterzugeben und ihn wieder neu zu beleben.
Finanziell unterstützt werden auch die Religiösen Kinderwochen (RKW), die regelmäßig in den ostdeutschen Bistümern stattfinden. Hier können Jungen und Mädchen Gemeinschaft im Glauben erfahren, denn in der Schule und im Heimatort sind meist nur wenige gleichaltrige katholische Kinder.
Das Motto des diesjährigen Diaspora-Sonntags greift das Kernanliegen der RKW auf: Den Glauben an Kinder und Jugendliche in einer geeigneten, kindgemäßen Art und Weise weiterzugeben.

Glaube und Leben nicht trennen

"Vom Glauben zu sprechen, heißt, vom Leben zu sprechen", betont Monsignore Austen. Leider trennen die Menschen heute oft Glauben und Leben voneinander. "Dabei ist es besonders wichtig, Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Krankheit Glück, Geburt und Tod zu stellen, aber auch, welche Wertschätzung wir der Achtung der Menschenwürde, der Schöpfung und jedem Einzelnen entgegenbringen." Hier sei es wichtig, "nicht nur den jungen Menschen zu helfen, das Leben aus dem Glauben zu entdecken. Sondern auch, dass die Gemeinschaft der Kirche uns ermutigt und hilft, den Glauben zu festigen."

Von Carolin Meyer Quelle: Katholisch.de