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Vom Glauben sprechen heißt vom Leben sprechen
Monsignore Georg Austen über das Motto des Diaspora-Sonntags

Msgr. Georg Austen Im Interview erläutert der Generalsekretär des Bonifatiuswerks, Georg Austen, warum es sich lohnt, Kindern und Jugendlichen auch in Glaubensfragen wirklich zuzuhören.

Bonifatiuswerk: Monsignore Austen, am 16. November findet bundesweit in allen katholischen Pfarreien der Diaspora-Sonntag statt, der dieses Jahr unter dem Motto steht "Werdet nicht müde, von IHM zu sprechen". Warum dieser Schwerpunkt?

Austen: Diese Ermutigung, von ihm zu sprechen, ist nichts Neues für uns. Im Gegenteil - die christliche Botschaft ist die Grundlage unseres Glaubens. Aber von Zeit zu Zeit ist es notwendig, sich das noch einmal bewusstzumachen. Wir wollen aber auch ein Zeichen setzen, nicht nur über die Ab- und Aufbrüche sowie Umbrüche in Kirche und Gesellschaft zu sprechen, über Strukturreformen, Personalnöte und den Schwund des Glaubens. Wir wollen von ihm sprechen, von Jesus Christus und seiner Botschaft.
Ich würde dieses Motto aber gern noch erweitern. Es geht nicht darum, von ihm zu sprechen, sondern auch mit ihm zu sprechen. Der Glaube ist in unserem Herzen nur lebendig, wenn wir durch das Gebet und in der gemeinsamen Feier des Gottesdienstes mit Gott ins Gespräch kommen. Die Jugendlichen erfahren oft den Glauben wie eine Konservendose, deren Inhalt längst das Verfallsdatum überschritten hat. Das kann und darf nicht sein.

Bonifatiuswerk: Das Aktionsplakat zeigt einen Jungen, der seiner Oma etwas ins Ohr flüstert. Aber sind es nicht die Älteren, die den Kindern etwas von Jesus erzählen? Warum dieser Perspektivwechsel?

Austen: Natürlich ist es wichtig, dass ältere Generationen ihren Kindern und den jungen Menschen ihren Glauben vorleben. Doch genauso wichtig ist, dass sie von ihren Hoffnungen, Wünschen, Träumen, Ängsten und ihrer Zuversicht erzählen.
Wir stellen aber auch fest, dass viele Erwachsene fremd geworden sind in der Heimat des Glaubens. Sie bringen ihre Kinder zwar zur Taufe und lassen sie zur Erstkommunion gehen, haben aber keinen lebendigen Bezug mehr zu ihm. Einen lebendigen Glauben und Gottesbezug können sie ihren Kindern und Enkeln oftmals nicht vermitteln, weil sie ihn selbst nicht besitzen, ihn vielleicht verloren haben oder er verschüttet ist. Und hier können es dann manchmal die Kinder sein, die neu auf die Spur des Glaubens führen - mit ihren Fragen, aber auch mit dem, was sie von Gott hören.
Wir können voneinander lernen - die Jüngeren von den Älteren, aber auch die Älteren von den Jüngeren. Ich habe oft erlebt, dass junge Menschen auch Propheten und Prophetinnen des Glaubens sein können, weil sie mich durch ihren Glaubensmut und ihr Glaubenszeugnis beeindruckt haben.

Bonifatiuswerk: Die Jugendarbeit zieht sich wie ein roter Faden durch Ihren Dienst als Priester. Welche Fragen bewegen die Jugend?

Austen: Fragen, die junge Menschen bewegen, bewegen auch Erwachsene. Von Jugendlichen werden sie aber oft authentischer gestellt. Zum Beispiel: Wie gelingt mein Leben und wie gelingen meine Beziehungen? Wo finde ich Anerkennung? Wie kann ich meine Fähigkeiten erkennen?
Es sind Fragen nach dem Woher unseres Lebens. Es sind aber auch Fragen, wie ich mit Enttäuschungen, Scheitern und einer Welt, in der es oftmals Gewalt und Ungerechtigkeit gibt, zurechtkomme. Aber auch die Fragen: Wie kann ich Frieden stiften, wie kann ich in eine lebenswerte Zukunft gehen, und gibt es dort einen Gott, dem ich vertrauen kann und auf den ich bauen kann? Nicht selten ist mir auch die Frage begegnet: Wie kann ich denn beten, wie kann ich diesen Gott näher kennenlernen und wo finde ich Menschen, die mich nicht wegen meines Glaubens auslachen, sondern die mit mir gemeinsam auf dem Weg sind.

Bonifatiuswerk: Warum tun sich die deutschen Katholiken so schwer damit, über ihren Glauben zu sprechen und sich öffentlich als Gläubige zu bekennen?

Austen: Wir haben es vielfach nicht gelernt, unverkrampft über den Glauben und das Leben zu sprechen. Wir können leicht über das Wetter, den Sport, das Fernsehen und die Mode reden, aber selten über uns selbst. Und sich dann noch in der Öffentlichkeit zum Katholischsein und Christsein zu bekennen, das klingt verstaubt und überkommen. Es kostet Mut, und da können wir auch gerade von Christen in der Diaspora, die in der Minderheit leben, lernen, wie sie dort ihr Leben aus dem Glauben heraus gestalten.

Bonifatiuswerk: Am Diaspora-Sonntag werden die Katholiken um ein "Zeichen der Solidarität", also um eine Spende, gebeten. Wozu wird das Geld benötigt?

Austen: Das Geld wird in vielfältiger Weise benötigt, denn das Bonifatiuswerk kann Katholiken, die in der Minderheit leben, in Deutschland, Skandinavien und im Baltikum nur unterstützen mit der Spende der Gläubigen. Wir möchten dazu beitragen, dass sich auch in Regionen, in denen es nur kleine Gemeinschaften gibt, lebendige Gemeinden bilden können, man dort den Gottesdienst feiern kann, dass es Religionsunterricht gibt, dass Räume geschaffen werden - in Kindergärten, Klöstern, Jugendeinrichtungen -, wo Menschen eine Heimat im Glauben und der Gemeinschaft finden. Das Mehrgenerationenhaus in Hamburg-Wilhelmsburg, die Religiösen Kinderwochen in Ostdeutschland oder das Kloster Helfta in Lutherstadt Eisleben sind solche Projekte.

Das Interview führte Carolin Meyer

Quelle: Katholisch.de