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Erfahrungen wichtiger als Wissen – Die Ergebnisse der 4. Glaubensumfrage sind da

Wer von Gott spricht, sollte von persönlichen Glaubenserfahrungen berichten können. Das ergab die 4. Glaubensumfrage des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken. Danach finden 79 Prozent der 1.000 befragten engagierten Katholiken die persönliche Erfahrung für ein Gespräch über Gott bedeutsamer als bloßes Glaubensgrundwissen (61 Prozent). Nur 14 Prozent brauchen in solch einem Moment Rückendeckung von anderen Christen, um nicht in schwierigen Themen alleine zu sein (Mehrfachnennungen waren möglich).

Glaubensumfrage

Die Umfrage zeigt, die Bereitschaft unter engagierten Katholiken ist da, über den Glauben und die Beziehung zu Gott sprechen. Nur zwei Prozent antworten auf die Frage bei welcher Gelegenheit sie über Gott sprechen mit: „So gut wie nie“. Zunächst trauen sich die Befragten in einem geschützten Umfeld, das Thema anzusprechen: 78 Prozent in der Familie, 67 Prozent im Freundeskreis, 65 Prozent in der Gemeinde. Jedoch gaben auch 75 Prozent an, „in fremder Umgebung mit unbekannten Menschen“ oder am Arbeitsplatz (49 Prozent) ein Glaubensgespräch einzugehen.

Warum es trotz dieser großen Bereitschaft vielen Menschen schwer fällt, mit anderen über ihre Beziehung zu Gott zu reden, beantworteten 65 Prozent mit mangelnder Praxis: „Viele haben es nicht gelernt, über ihren Glauben zu sprechen.“ 34 Prozent sehen in der Angst vor spöttischen und verletzenden Reaktionen der Nicht-Christen einen Grund für die Sprachlosigkeit und 22 Prozent meinen, dass das Desinteresse in der Gesellschaft gegenüber Glaube und Kirche, Christen davon abhalten, über diese Themen mit anderen zu sprechen.

Wenn es zu einem Gespräch kommt, wirkt es in zwei Richtungen, zeigt sich in den Umfrageergebnissen. 56 Prozent meinen, durch ein solches Gespräch erfährt der Zuhörer, wie lebendig Glaube sein kann, 45 Prozent sehen den Glauben des Erzählenden gestärkt.

Der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, sieht in der mangelnden religiösen Sprachfähigkeit eine große Gefahr für die Glaubensweitergabe. „Wer nicht über seinen Glauben sprechen kann, gerät in eine innere Isolation“, betont Monsignore Austen. „Deshalb unterstützen wir als Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken Wege und Initiativen, die Räume eröffnen, sprachfähig im Glauben zu werden und tiefgehende persönliche Glaubenserfahrungen zu sammeln.“

ZUM THEMA:

„Ein waches Gespür für das, was Not tut“ – 4. Glaubensumfrage des Bonifatiuswerkes ermutigt und zeigt Perspektiven

Von Pater Hubert Lenz SAC

Pater Hubert Lenz
Pater Hubert Lenz

„Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“, antwortet Petrus, als ihm und Johannes vom Hohen Rat Redeverbot erteilt wird. Das scheinen auch heute immer mehr Christen zu beherzigen, zeigt die 4. Glaubensumfrage des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken. 79 Prozent der 1.000 befragten engagierten Katholiken, wollen von ihren persönlichen Glaubenserfahrungen erzählen, wenn sie über ihre Beziehung zu Gott sprechen sollen. Doch nicht immer trauen sie sich und verfallen in religiöse Sprachlosigkeit. Als Hauptgrund geben 65 Prozent der Befragten an, dass es an praktischer Erfahrung in Glaubensgesprächen fehlt.

Das war nicht zu erwarten, dass 79 Prozent (!) der Umfrageteilnehmer auf die Frage, was unbedingt dazu gehört, wenn man von Gott spricht, bekunden: „Eigene Glaubenserfahrungen, von denen man berichten kann.“ Persönliche Erfahrungen werden klar höher eingestuft als das ebenfalls wichtige „Grundwissen“ (61 Prozent): Und diese Gewichtung entspringt nicht Wunschvorstellungen. Sie ist geerdet, denn sie gründet in den Erfahrungen der Umfrageteilnehmer. Das zeigen die Antworten auf die sehr persönliche Frage: „Wo und bei welcher Gelegenheit sprechen Sie über den Glauben und Ihre Beziehung zu Gott?“ Nur 2 Prozent antworten: „so gut wie nie“; 75 Prozent dagegen nennen nicht nur das geschützte Umfeld der eigenen Familie (78 Prozent) und der Gemeinde (65 Prozent), sondern bekunden, dass sie dann, wenn es sich ergibt, „auch in fremder Umgebung mit unbekannten Menschen“ über ihren Glauben und ihre Beziehung zu Gott sprechen.

Vergleicht man diese ermutigenden Zahlen mit den Daten des Ende 2007 veröffentlichten Religionsmonitors (Bertelsmannstiftung), so bestätigt sich schnell, was man schon ahnt: Die Teilnehmer der Glaubensumfrage sind nicht repräsentativ für die Gesamtheit der Kirchenmitglieder. Sie gehören eher zu der relativ kleinen Zahl von Katholiken, die im Glauben, bzw. richtiger: in Gott, tief verwurzelt sind. Denn gegenüber der Glaubensumfrage sind die Ergebnisse des Religionsmonitors ernüchternd. So begann Dr. Martin Rieger (Bertelsmannstiftung) sein Referat zum Thema „Herausforderungen an eine missionarische Kirche“ mit der Gegenfrage: „Ist denn die Kirche missionarisch?“ Und Rieger erläuterte, dass nach den Ergebnissen des Religionsmonitors nur 3 Prozent aller Katholiken (also weniger als ein Viertel der regelmäßigen Gottesdienstbesucher) tatsächlich von missionarischem Bewusstsein beseelt sind. „Mission“ aber – so fuhr Rieger fort – „setzt Identität voraus“ – und die Umfragewerte in Sachen Identität waren nur wenig besser.

Das relativiert natürlich die Ergebnisse der Glaubensumfrage. Entmutigen lassen muss man sich aber nicht. Denn bei aller Begrenztheit enthält diese Umfrage doch hoffnungsvolle Wegweiser:

Mit wachem Gespür haben die Umfrageteilnehmer nicht nur die Bedeutung eigener Glaubenserfahrungen hervorgehoben, sondern den Mangel an Praxis auch als Hauptgrund der oft anzutreffenden religiösen Sprachlosigkeit benannt: „Viele haben es nicht gelernt, über den Glauben zu sprechen.“ (65 Prozent).

So belegt die Glaubensumfrage, wie sehr Erwachsene Erfahrungsräume und Austausch über ihren Glauben brauchen, damit sie „beziehungsfähiger“ werden: zu Gott und zu anderen Menschen. Wer entsprechende Erfahrungen gemacht hat, weiß, dass das Sprechen von Gott nicht nur die Mitmenschen (56 Prozent), sondern auch einen selbst (45 Prozent) bestärkt. Dass hier die Kinder (51 Prozent) nicht an erster Stelle der Adressaten genannt werden, ist so realistisch wie richtungweisend. Erwachsene brauchen zunächst selbst inneren Stand, bevor sie das Feuer des Glaubens an die nächste Generation weitergeben können.

Professor Pater Dr. Hubert Lenz SAC leitet seit Jahren die „Projektstelle Wege erwachsenen Glaubens“ in Vallendar (www.weg-vallendar.de – 0261-6402-990) und hat zusammen mit einem größeren Team vielfältige Erfahrungen in der Entwicklung und Umsetzung katechetischer Angebote für Erwachsene gesammelt.



Quelle: Bonifatiuswerk.de