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Norwegens Kirche im Aufbruch – Generalsekretär besucht mit deutschen Journalisten Projekte in Norwegen

„Katholizismus in Norwegen ist nichts für Pessimisten“, ist Bischof Bernt Eidsvig überzeugt. Der Osloer Oberhirte blickt vielmehr optimistisch in die Zukunft. Denn seine Probleme, meint Eidsvig, empfinde er als positive Probleme. Seine Kirchen sind zu klein, weil die Gläubigen in Norwegen stetig mehr werden und den Gottesdienst wertschätzen. Allein in der Osloer Kathedralkirche Sankt Olav finden Sonntag für Sonntag 13 Messen statt und trotzdem drängen sich die Menschen bei Wind und Wetter auf dem Vorplatz, weil das Gotteshaus nur Raum für 300 Personen bietet.

Die Kathedralkirche St. Olav in Trondheim muss vielleicht abgerissen werden.
Die Kathedralkirche St. Olav in Trondheim muss vielleicht abgerissen werden.

„Ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo wir eine Kirche im Umbruch erleben, treffen wir in Norwegen auf eine Kirche im Aufbruch“, resümiert deshalb auch Monsignore Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, am Ende seiner Fahrt durch das Bistum Oslo und die Prälatur Trondheim. In den kommenden Tagen besucht er noch die Prälatur Tromsö. Die Diaspora-Kirche Norwegens gebe eine ganz andere, eine positivere Antwort auf die Säkularisierung der Gesellschaft, meint Monsignore Austen: „Sie bietet Liturgie als Beheimatung und ihr diakonischer Dienst ist die Integration tausender Einwanderer“. Dass die norwegische Kirche eine Einwandererkirche ist, zeigte sich auf der gesamten Reise, die Monsignore Austen in Begleitung von 14 deutschen Journalisten in diesen Tagen unternimmt. Die Gläubigen aus Polen, Vietnam, Kroatien, den Philippinen bilden mittlerweile die Mehrheit in der Kirche. So steht die Minderheit norwegischer Katholiken in der Pflicht, diese Mehrheit der Neuankömmlinge in ihr Glaubensleben vor Ort zu integrieren. Ein Kraftakt, besonders auch finanziell, zumal die Kirche vom norwegischen Staat nur spärlich unterstützt wird und neben 50.000 registrierten Katholiken noch 200.000 weitere unregistrierte, und damit von der Unterstützung des Staates ausgeschlossenen Katholiken betreut werden. So zeigt sich der Bischof von Oslo, Bernt Eidsvig, äußerst dankbar für die Hilfe der deutschen Katholiken, allein um neue Kirchen zu bauen, oder Gotteshäuser von anderen christlichen Gemeinschaften zu kaufen. Auch die Renovierung von Kirchen sind ein großes Anliegen. So zeigte sich Monsignore Austen vom Zustand des St. Olav-Doms in Trondheim erschrocken. Wahrscheinlich ist der Abriss der vom Rost angefressenen Kirche von 1972 nicht mehr zu vermeiden.

Generalsekretär Monsignore Austen lässt sich von Schwester Hildegard Koch die baulichen Probleme des Dominikanerinnenklosters Lunden in Oslo erläutern.
Generalsekretär Monsignore Austen lässt sich von Schwester Hildegard Koch die baulichen Probleme des Dominikanerinnenklosters Lunden in Oslo erläutern.

Auch weißt er daraufhin, dass ohne die Unterstützung der Priester aus Deutschland über das Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe die sowieso schon unter dem Existenzminimum liegenden Priestergehälter nicht finanzierbar wären. Ein Drittel der norwegischen Priester-Gehälter wird mit Hilfe des Diaspora-Kommissariats aufgebracht. Im Gegensatz zum Andrang der Gläubigen in Oslo oder Bergen, stehen die riesigen Flächengemeinden, in denen die Pfarrer 70.000 Autokilometer und mehr im Jahr zurücklegen müssen, um mit meist wenigen Gläubigen in der Zerstreuung die heilige Messe zu feiern. So bedankt sich Reidar Voith, Pfarrer der der Telemark, bei Monsignore Austen für sein neues Auto, das er Dank der Hilfe aus Deutschland seit Anfang des Jahres fahren kann. Die Gemeinde des 38jährige lebt zerstreut auf einer Fläche von 13.500 Quadratkilometern. Mit dem neuen Wagen mit Vierradantrieb kann Voith nun Sommers wie Winters die fünf Gottesdienstorte seiner Gemeinde ansteuern. Ein Segen. Denn mit seinem letzten Auto sei es mehrfach vorgekommen, dass er im schneereichen norwegischen Winter stecken geblieben ist und bei Eiseskälte im Wagen übernachten musste, erzählt Voith. Ein neuer Leuchtturm des Glaubens entsteht zurzeit in den katholischen Schulen. War die katholische Kirche in Norwegen einst bekannt wegen ihrer vorzüglichen Krankenhäuser, ist sie es heute durch ihre Schulen. Deshalb kann es nicht verwundern, wenn diese Aufgabe ausgebaut werden soll, auch mit Hilfe des Bonifatiuswerkes. Über vier Schulen verfügt die Kirche bislang. Doch es fehlt ein Gymnasium. Dieses soll in naher Zukunft in Bergen entstehen und den verstaatlichten Erziehungsanstalten einen christlich-katholischen Akzent entgegensetzen.

Alan Masek (li.) führt Monsignore Austen über die Baustelle des künftigen Trappistenklosters in Munkeby.
Alan Masek (li.) führt Monsignore Austen über die Baustelle des künftigen Trappistenklosters in Munkeby.

Mit dem Verschwinden der katholischen Krankenhäuser ging ein Rückzug tätiger Orden in Norwegen einher. Trotzdem prägen die Orden wie nie zuvor die religiöse Landschaft in dem skandinavischen Land. Kontemplative Gemeinschaften, wie die Dominikanerinnen, Trappistinnen und Trappisten, Zisterzienserinnen und Zisterzienser finden reichlich Beachtung bei Katholiken wie auch Lutheranern oder christlich nicht gebundenen Menschen. Dank der Unterstützung des Bonifatiuswerkes entstanden und entstehen Klöster, die den Menschen Orientierung bieten, sei es das Trappistinnenkloster auf Tautra oder das sich gerade im Bau befindliche Trappistenkloster in Munkerby oder das Birgittinnenkloster in Trondheim Tiller.

Bischof Eidsvig (li.) und Monsignore Austen inspizieren den Klosterneubau der Birgitten in Trondheim Tiller.
Bischof Eidsvig (li.) und Monsignore Austen inspizieren den Klosterneubau der Birgitten in Trondheim Tiller.

Es zeigt sich, dass die materiell sorglos lebenden Einwohner des reichen Norwegens eine neue Sehnsucht verspüren und sich auf die Suche nach geistiger Orientierung machen. Die kontemplativen Ordensgemeinschaften gehen darauf ein und unterbreiten mit ihren Gästehäusern den Menschen entsprechende Angebote. „Heiligkeit ist die attraktivste Eigenschaft der Kirche. Und wo Heiligkeit zu spüren ist, da kommen die Leute“, kommentiert Bischof Eidsvig die zahlreichen Busse, die mittlerweile jeden Sommer das Kloster auf Tautra besuchen. Monsignore Austen zeigte sich vor Ort beeindruckt und konnte sich selbst überzeugen, dass die Hilfe des Bonifatiuswerkes gut angelegt ist: „Die kontemplativen Klöster sind wahre Leuchtfeuer des Glaubens in der mittlerweile mehrheitlich säkularen Gesellschaft Norwegens.“

Quelle: Bonifatiuswerk.de