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Wenn Ostern zu einem ganz anderen Erlebnis wird ...

Kar- und Ostertage 1994 in Siddinghausen

SIDDlNHAUSEN/ERZBISTUM. Was man mit den Händen greifen und gestalten kann, wird eher zu einem Erlebnis als das, was man nur eher passiv miterlebt. Das dachte sich auch die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) und versuchte zusammen mit der Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist in Siddinghausen, die Kar- und Ostertage zu erleben.


Unter dem Motto "AUS -WEG - LOS" versuchten 26 Angehörige der KLJB aus dem gesamten Erzbistum, diese denkwürdigsten Tage des Kirchenjahres, deren Traditionen und Gestaltung gemeinsam zu erleben und dabei auch die Gemeinde miteinzubeziehen. Hier gibt es schon eine lange Tradition ,der Gestaltung der Ostertage. Schon am Palmsonntag liegen Listen für

Dienstpläne und ein Fürbittbuch in der Kirche aus, in das sich Interessenten eintragen können. Der rote Faden beim Rhythmus der Tage ist nach Angabe von

Pastor Georg Austen gleichzeitig Präses der KLJB, die Frage: "Wo trifft das bei uns im Leben zu?" Erfahrungen aus dem Alltag sollen in Beziehung zu alten Oster- und Karfreitagsbräuchen gebracht werden. In der Gemeinde gehen Kinder und Jugendliche die Feiertage über mit "Kläppern" durch die Straßen, so daß niemand an den Feierlichkeiten vorbeikommt. Sie geben nicht nur die Gottesdienstzeiten bekannt, sondern teilen die ganzen Tage mit ihren Holzklappern ein. So war es auch kein Verlust für viele, ihre Uhren abzugeben und so eine neue Erfahrung von Zeit zu machen und den Kartagen näher zu kommen.

Wann werde ich dran sein?
Darum hatten sich für die Nachtwache vom Gründonnerstag zum

Karfreitag etwas Besonderes ausgedacht. Niemand wußte, wann "seine Stunde kommen" würde. Die jeweils drei Wachenden wurden nämlich als

"Überraschung" von ihren Vorgängern erst am Ende deren Dienstzeit im Losverfahren gezogen. So gingen sie dann ins Pfarrheim, wo alle gemeinschaftlich untergebracht waren, und weckten ihre Nachfolger. Sporadisch nahmen an den verschiedenen Nachtwachen auch Christen aus der Ortsgemeinde teil.

Ostersymbole
Viel Mühe gab man sich auch mit der

Erkundung der ,Symbolik der vielen Osterbräuche und -utensilien. Warum wird etwa in der Osternacht Wasser geweiht? Warum wird eine Osterkerze verwendet? Warum bemalen wir Eier? Wieso gibt es Ostersträucher? So nahm man das Wasser

für die Tauffeier der Osternacht nicht einfach aus dem Wasserhahn, sondern eine Gruppe ging los und holte es aus einer Quelle im Wald. Die Osterkerze wurde von einer anderen Gruppe aus alten Kerzenresten in einer Garage selbst gegossen. Wobei man mit dem Erkalten so seine eigenen Erfahrungen machte. Richtig gebrauchsfertig war sie erst kurz vor ihrem Einsatz. Wieder andere bauten - unterstützt von Dorfbewohnern - einen Osterberg in die Kirche. Ähnlich der Krippe zu Weihnachten eine Nachbildung des Kalvarienberges in Jerusalem, der an die Leidensgeschichte Jesu erinnern sollte. Dazu wurden große Steine und schubkarrenweise Erde in die Kirche gebracht. Etwa 100 Leute waren am Karsamstag in verschiedenen "Rüstgruppen" mit der Vorbereitung der Osterfeier beschäftigt. Auch das Feuer für die Osternachtfeier, die auf dem Friedhof begann, dort, wo

eigentlich alles "AUS" scheint, wurde nicht mit dem Streichholz entzündet,

sondern aus einem Stein geschlagen. Auch dabei standen immer wieder Erklärungen und Erfahrungen der Symbole des Osterfestes mit dem Blick auf den Alltagsbezug im Mittelpunkt. So ging es dann für die KLJBler und die Gemeindemitglieder von Siddinghausen von dort, wo alles "AUS" scheint, auf den "WEG", "LOS" zu einem neuen Ziel. 

gv