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Missionarisch offensiv wirken – Internationales Symposium des Bonifatiuswerkes eröffnet

"Ein Drittel der Einwohner Deutschlands sind nicht getauft. Bald könnten Christen beider Konfessionen in zahlreichen deutschen Großstädten eine Minderheit darstellen. Die Ostdeutschen sind die am stärksten säkularisierten Europäer." Die zunehmende Entchristlichung der Gesellschaft verlange nach einer intensiven Auseinandersetzung mit der Situation des Glaubens und der Kirche, betonte der Präsident des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken bei der Eröffnung des internationalen Symposiums "Zeig draußen, was du drinnen glaubst! Missionarische Perspektiven einer Diaspora-Kirche". Aus Anlass des 160. Gründungsjubiläums des Bonifatiuswerkes diskutieren bis Dienstag 240 Experten und Interessierte in der Katholischen Akademie Schwerte Antworten auf den tiefgreifenden Wandel von Kirche und Gesellschaft.

Der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, verwies mit Sorge auf den starken Anstieg der Kirchenaustritte im vergangenen Jahr. "Diese nüchternen Zahlen, hinter denen die Gesichter und Glaubensgeschichten von Menschen stecken, sollten uns unruhig machen. Wir müssen uns der Situation stellen, gemeinsam nach neuen Wegen suchen und den Blick auf ermutigende Aufbrüche lenken." Ein konkreter Impuls dazu könnte vom Symposium des Bonifatiuswerkes ausgehen.

"Welche Möglichkeiten bleiben der Kirche, in unserer durch und durch säkularen Gesellschaft missionarisch offensiv zu wirken und die Menschen zu erreichen?", stellte der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker in der Predigt der feierlichen Eröffnungsvesper die zentrale Frage des Symposiums. Für ihn fordere die "offenkundige Minderheitssituation, in der wir uns längst auch in katholischen Kerngebieten befinden", dringend missionarisches Handeln. Er umschrieb damit eine neuartige Form der Diaspora, mit der sich heute gläubige Katholiken in ganz Deutschland konfrontiert sehen. Denn selbst für viele Getaufte spielen Glaubensbotschaft und kirchliches Leben keine Rolle mehr.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker bei der Predigt, im Hintergrund: Monsignore Georg Austen Generalsekretär des Bonifatiuswerkes
Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker bei der Predigt,
im Hintergrund: Monsignore Georg Austen Generalsekretär des Bonifatiuswerkes

Der Paderborner Erzbischof empfahl einen missionarischen Dreischritt. Zunächst gelte es, die Botschaft Christi besser kennen zu lernen: "Erst wenn ich in die Schule des Evangeliums gegangen bin, kann ich eine persönliche Glaubensentscheidung treffen oder vertiefen". Im zweiten Schritt sei das "Zeugnis des Lebens" gefragt, in dem der Christ versucht, "dem Wort des Evangeliums im eigenen Leben zu entsprechen". Als Vorbild und Ansporn für diese so genannte "indirekte Verkündigung" bezeichnete Erzbischof Becker die Gläubigen in der Diaspora. "Sie haben es angesichts der besonderen Minderheitssituation oft gut verstanden, durch ihre Haltung und ihr Auftreten glaubwürdig Zeugnis von dem zu geben, was sie innerlich füllt!"

Der dritte Schritt erfolge in dem Moment, in dem sich andere vom "Zeugnis des Lebens" eines Gläubigen angesprochen fühlten und nachfragten. Dann beginne das "Zeugnis des Wortes", so Erzbischof Becker. Doch dazu müssten die Katholiken in Sachen Glauben auskunftsfähig und sprachfähig werden und einen neuen Sprachstil der Verkündigung beherrschen, der auf das fehlende Wissen getaufter und nichtgetaufter Mitmenschen reagiere. "Viele unserer Zeitgenossen, vielleicht mehr als wir glauben, lassen sich auch heute ansprechen, wenn ihnen das Evangelium angemessen - also einfach und lebensnah - vermittelt wird", machte Erzbischof Becker Mut, neue Wege der Mission zu beschreiten.

In den kommenden zwei Tagen diskutieren internationale Gäste wie der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, 20 Bischöfe aus dem In- und Ausland und zahlreiche Fachleute aus der pastoralen Praxis Möglichkeiten, wie Glaubensweitergabe in die heutige säkulare Gesellschaft erfolgen kann. Mit dem internationalen Symposium in Schwerte möchte das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken auf Aufbrüche aufmerksam machen, die sich diesem missionarischen Anspruch annehmen. Es handelt sich dabei um zahlreiche Initiativen vor allem in der Diaspora, die das Ziel verfolgen, den Glauben zu stärken, Sprachfähigkeit im Glauben zu fördern, neue Wege der Glaubensvermittlung aufzutun oder den Glauben im diakonischen Handeln ansprechend zu bezeugen.

Quelle: Bonifatiuswerk.de