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Bonifatiuswerk nimmt mit Podiumsdiskussion missionarische Kirche in den Blick

„Wir sollten endlich ganz entschlossen unseren Glauben auch vermitteln wollen, ohne jedoch jemanden zu zwingen“, forderte Professor Norbert Walter einen selbstbewussten Umgang mit den Schätzen des eigenen Glaubens. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank äußerte sich auf der Podiumsdiskussion des internationalen Symposiums „Zeig draußen, was du drinnen glaubst! Missionarische Perspektiven einer Diaspora-Kirche“ zu einer neuen missionarischen Pastoral. Aus Anlass des 160. Gründungsjubiläums des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken diskutieren bis Dienstag 240 Experten und Interessierte in der Katholischen Akademie Schwerte Antworten auf den tiefgreifenden Wandel von Kirche und Gesellschaft.

Podiumsdiskussion mit Erzbischof Hans-Josef Becker, Monsignore Georg Austen, M. Kopp und Professor Norbert Walter
Podiumsdiskussion mit Erzbischof Hans-Josef Becker, Monsignore Georg Austen, M. Kopp und Professor Norbert Walte

Norbert Walter verwies auf die kirchliche Kultur und Geschichte, die die Menschen fasziniert, wenn sie mit ihr in Berührung kommen. Er forderte deshalb in Schwerte diese Schätze kreativer zu nutzen, um Menschen für den Glauben anzusprechen. „Schätze“ wie eine feierliche Liturgie, Kirchenbauten und sakrale Musik öffneten seiner Erfahrung nach die Menschen für den Glauben.

„Junge, vergiss deine Herkunft nicht“, der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker sieht im Ratschlag seiner Mutter noch immer ein Rezept für einen stabilen Lebensweg im Glauben. Das bedeute für ihn, als Christ demütig zu bleiben und nie die Grundlagen des Glaubens zu vernachlässigen. Zudem verwies er darauf, dass heute wieder ein Klima herrsche, in dem man über den Glauben sprechen dürfe. Das habe Konsequenzen für jeden einzelnen Christen: „Wir sind mehr und mehr gefordert, selbst Auskunft über unsere Hoffnung zu geben.“

Monsignore Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerks, zeigte sich hingegen besorgt darüber, dass im vergangenen Jahr 120.000 Menschen die katholische Kirche verlassen haben. Das entspreche in etwa der Größe einer Stadt wie Paderborn, mahnte er. Er fordert vielmehr eine vorausschauende missionarische Pastoral. „Für mich stellt sich die Frage: Was müssen wir heute fördern, damit in 20 Jahren eine lebendige Kirche existiert?“

Für den Jesuitenpater Dr. Philipp Geister vom Newman-Institut in Uppsala hat die extreme Diasporasituation, die er in Schweden antrifft, auch etwas Gutes: „Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, ist man herausgefordert, für seinen Glauben Rechenschaft abzulegen“, versucht er die Symposiumsteilnehmer zu ermutigen.

Der Kommunikationsdesigner Michael Buttgereit will den Glauben in einer medialen Gesellschaft vermitteln. Dafür seien Professionalität, aber auch das Gebet wichtig: „Wenn wir Gott nicht in unsere Mitte nehmen, können wir da draußen nichts gewinnen.“ Dominikanerin Schwester Jordana Schmidt rät für eine missionarische Pastoral, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Deshalb bestimme ihr Dasein als Ordensfrau nicht die Schwesterntracht, sondern ihr Glaubenszeugnis und Glaubensleben. Schwester Jordana, die lange Zeit das „Wort zum Sonntag“ im Fernsehen moderierte, wünschte sich, dass die Kirche sich einmischt, und ihre Werte in die Medien mit einbringt.

In ihren Hörfunkbeiträgen für die Deutsche Welle und das Deutschlandradio spricht Dr. Silvia Becker Worte über ihren Glauben, in ihrer Freizeit lässt sie die Taten sprechen. Mit ihrem Therapiehund hilft sie in einem Kinderhospiz. „Eltern mit schwerkranken Kindern kann man nicht vorschnell mit frommen Worten begegnen“, berichtete sie aus ihrer Arbeit. Aber immer wieder werde sie gefragt, warum sie sich in dieser Weise einsetzt. „In diesem Moment kann ich meinen Glauben ins Spiel bringen“, beschrieb Becker ihren Weg einer missionarischen Nächstenliebe.

Quelle: Bonifatiuswerk.de