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Investitionen in lebendige Steine

„Bis auf acht Bistümer unterstützte das Bonifatiuswerk im letzten Jahr alle der 27 deutschen Diözesen. Darin zeigt sich, dass sich die Diaspora ausbreitet.“ In seinem Bericht auf der gemeinsamen Sitzung des Generalvorstandes mit Vertretern der Diözesan-Bonifatiuswerke berichtete Generalsekretär Monsignore Georg Austen vom Wandel in Kirche und Gesellschaft.

Der Präsident des Bonifatiuswerkes, Georg Freiherr von und zu Brenken, begrüßte 28 Tagungsteilnehmer aus 15 Bistümern, die nach Paderborn gereist sind, um über die Situation ihres Diözesan-Bonifatiuswerkes zu berichten und neues aus der Zentrale zu erfahren.

In seinem Lagebericht gab Monsignore Austen seine Eindrücke von seinen Antrittsbesuchen in den verschiedenen Bistümern wieder. „Viele Verantwortliche und Multiplikatoren wissen gar nicht, was das Bonifatiuswerk neben den Aufrufen zum Diasporasonntag noch alles tut“, konstatierte er eine Differenz zwischen der Hilfe des Bonifatiuswerkes, die in 19 Bistümer fließt, und die Wahrnehmung des Werkes bei den Menschen vor Ort.

Eine Wahrnehmung, die in der späteren Diskussion mehrfach von den Diözesanvertretern aufgegriffen wurde. So meinte Rainer Moser-Fendel vom Diözesan-Bonifatiuswerkes im Erzbistum Freiburg: „Gerade bei der Erstkommunion- und Firmgabe merken wir, vielen ist nicht klar, wofür sie ihr Geld spenden. Die Diözesan-Bonifatiuswerke müssen sich überlegen, wie kommen die Informationen zu den Menschen vor Ort in den Gemeinden?“ Auch Tilo Esser aus dem Bistum Essen hob hervor: „Vielen ist die praktische Arbeit des Bonifatiuswerkes nicht bekannt.“ Mittlerweile reagiere man auf diese Herausforderung. Im Jahre 2010 plane das Diözesan-Bonifatiuswerk des Bistums Essen zum Bonifatiustag eine zentrale Veranstaltung für Mitglieder und Multiplikatoren, um über die Anliegen des Werkes zu informieren. Außerdem habe man eine neue fünfköpfige Vergabekommission installiert, die das Bewusstsein für das Diasporahilfswerk auf diözesaner Ebene neu schärfen soll. Denn gerade im Großstadtbistum Essen beschränke sich die Diaspora längst nicht mehr nur auf die traditionelle Region des märkischen Sauerlandes. Das Christentum befinde sich gerade in den Städten auf dem Rückzug.

Auch Generalsekretär Monsignore Austen ging auf diesen Wandel in Kirche und Gesellschaft in seinem Bericht ein. Er verwies mit Blick auf die Auswirkungen für das Diasporahilfswerk vor allem auf die Ergebnisse des Internationalen Symposiums des Bonifatiuswerkes Ende September in Schwerte. Monsignore Austen machte deutlich, dass künftig neben der traditionellen Förderung auch in Orte, Personen und Initiativen im Sinne der subsidiären Unterstützung investiert werden soll, die eine missionarisch-pastorale Ausrichtung erkennen lassen. Im Anschluss an das Referat des Generalsekretärs wurden diese durch die neue Referentin für missionarisch diakonische Pastoral, Julia Brodersen, den Anwesenden präsentiert.

Julia Brodersen, neue Referentin für missionarisch diakonische Pastoral, präsentierte die Ergebnisse des Internationalen Symposiums des Bonifatiuswerkes
Julia Brodersen, neue Referentin für missionarisch diakonische Pastoral, präsentierte die Ergebnisse des Internationalen Symposiums des Bonifatiuswerkes

Was die Veränderung der Glaubenslandschaft in Deutschland für die Diaspora bedeutet, kam außerdem in der Diskussion zur Sprache. „Im Nordosten unseres Erzbistums wird es immer schwieriger die kleinen katholischen Zentren aufrechtzuerhalten“, berichtete beispielsweise Domkapitular Dr. Josef Zerndl von der Erzdiözese Bamberg. Antworten darauf kristallisierten sich momentan mehr und mehr im ökumenischen Miteinander mit der protestantischen Mehrheit dieser Region heraus. „Wir erleben momentan eine Diskussion, inwieweit wir im karitativen Engagement aber auch in der Pastoral kooperieren können“, erklärte Domkapitular Zerndl. Da die Auswirkungen einer rot-roten Koalition auf den konfessionellen Religionsunterricht in Brandenburg nicht abzusehen sind, stehe im Erzbistum Berlin momentan wieder die Frage im Raum, wie in Schule, Kita und Hort die Glaubensweitergabe und das kirchliche Engagement gesichert werden kann, betonte Domkapitular Martin Pietsch vom Erzbistum Berlin.

Weihbischof Georg Weinhold aus dem Bistum Dresden-Meißen bedankte sich hingegen für die Hilfe des Bonifatiuswerkes in den letzten 20 Jahren. „Wie viel hier bei uns nach der Wende mit der großartigen Hilfe des Bonifatiuswerkes entstanden ist, ist unbeschreiblich.“ Und Domkapitular Rudolf Hofmann, Vorsitzender des Diözesan-Bonifatiuswerkes Fulda, zeigte sich zuversichtlich für die Zukunft des Bonifatiuswerkes, wenn verstärkt das missionarische Wirken der Menschen unterstützt wird, also „wir nicht nur in tote Steine, sondern in lebendige Steine investieren“.

Quelle: Bonifatiuswerk.de