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Der Glaube drängt auf die Straße

Gedanken zum Fronleichnamsfest - Freude, dass Gott unter uns ist

Paderborn (WB) "Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Fronleichnamsfest?" - so fragte mich in unserer Hochschulgemeinde vor einigen Tagen eine junge Studentin, die sich momentan auf ihre Taufe vorbereitet. Nicht nur ihr, - vielen unserer Zeitgenossen ist dieses Fest der katholischen Kirche fremd oder fremd geworden. Die alten Traditionen und schönen Bräuche, die sich mit den Prozessionen, geschmückten Altären und Gottesdiensten unter freiem Himmel verbinden, scheinen nicht mehr in unsere hochtechnisierte Welt zu passen. Jedoch sind gute Bräuche, die unser Leben deuten und sinnenhafte Zeichen für die Lebendigkeit unseres Glaubens setzen, wichtig. Ebenso wichtig ist es für uns, dem Sinn nachzuspüren und die Botschaft solcher Feste in die Sprache unserer Tage zu übersetzen, damit sie nicht verkommen zu einem festlichen Rahmen ohne Inhalt.

Die Mitte der Prozessionen am Fronleichnamstag ist ein zerbrechliches Stückchen Brot, von dem wir als Christen glauben: Hier ist Jesus selbst gegenwärtig. Wie am Gründonnerstag geht es um den Glauben und das Bekenntnis, dass Jesus in Brot und Wein gegenwärtig ist. Dieser Glaube drängt gerade an diesem Tag auf die Straßen. Wir gehen mit Christus auf die Straße. Das Brot des Lebens, unser Glaube, ist nicht nur etwas, was nur in das Gotteshaus gehört und an der Türe nach draußen abgelegt wird. Wir ziehen durch die Orte unseres Lebens, wo die Menschen hinter den Fassaden der Häuser leben, in Freude und Leid, in Gesundheit und Krankheit, mit ihren Hoffnungen und Träumen, mit ihren Ängsten und Sorgen. kein Bereich des menschlichen Lebens wird ausgenommen.

Und dann bitten wir Gott um seinen Segen für die Bewohner, die Verantwortlichen in Kirche, Politik und Gesellschaft, die Arbeitsstätten, Schulen und Felder, die Wohnungen und Einrichtungen, die Jungen und Alten, die Einsamen und Sterbenden - für alle Lebens-Räume und Beziehungsfelder. Im Segen wird uns das gottgewollte und geschenkte zugesprochen. Und auch der Segen macht nicht halt an den Kirchtüren.
Brot und Segen auf den Straßen, darin liegt ein Sinnbild für unser Leben, unseren Lebensweg. Das Brot, mit den Augen des Glaubens gesehen, ist mehr als unser alltägliches Brot, weil es gewandelt ist in unendlich Höheres, in eine Person der Liebe und Zuwendung: Jesus Christus. Das Brot, das uns deutlich macht: Der Mensch lebt zwar auch vom Brot, das dürfen wir nicht vergessen bei aller Suche nach Arbeit und im Ringen um die materielle Existenz, aber nicht vom Brot allein. Das Brot, der Leib Christi, der uns verbindet mit allen, die hungern und dürsten nach einem gelingenden Leben nach ehrlichen und tragenden Beziehungen aber auch nach Gerechtigkeit und Frieden. Der Segen will uns stärken, damit der Glaube durch uns Hand und Fuß bekommt. Er will uns ermutigen, mit unseren Gaben und Fähigkeiten die Welt zu gestalten. Der Segen hält in uns wach, dass Leben mehr heißt als das Messbare, Sichtbare, Kalkulierbare. Wer sich gesegnet weiß, bleibt nicht allein bei sich stehen und kreist nur um sich selbst. Ein gesegneter Mensch hat auch die im Blick, die nicht einmal das tägliche Brot zum Leben haben. Vielleicht entdeckt er auch auf dem Prozessionsweg durch seine Umgebung Menschen, die Vergebung und Anerkennung suchen oder Fremde, die wie Einheimische gelten wollen.
Dies sind Spuren, die uns zum Zentrum des Festes durchstoßen lassen. Sie zeigen: Es ist nicht sinnlos, dass die Gläubigen Jesus Christus in der Gestalt des Brotes einen feierlichen Empfang bereiten und viele menschliche Zeichen und Symbole entfalten, um den Kern herauszustellen.

Dann ist es nicht sinnlos, dass es einen Tag im Jahr gibt, an dem die Straßen und Plätze einmal nicht nur dem Geschäft, der Arbeit und der Hast gehören, sondern der Freude, dass Gott unter uns ist.
Dann zeigt sich dieser Tag des Herrn als Tag des Menschen, ,als Tag des Dorfes, der Stadt, der Straße, die hier ihre höchste Bestimmung erfährt: Der Weg Gottes zum Menschen und mit den Menschen.