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Besuch mit Erzbischof Spaita
in der Abschiebehaftanstalt Büren

Büren (WV). "Die Gefangenen haben das Gefühl, dass sie hier sehr lange einsitzen, dass sie nie wieder heraus kommen. Ich habe ihnen erklärt, dass sie ein wenig Geduld brauchen." So schilderte James Spaita, 67-jähriger Erzbischof der Diözese Kasama (Sambia) gestern einige Eindrücke seines Besuches der Abschiebehaftanstalt Büren. Als erster ausländischer Bischof gewann er in der JVA Büren

einen Eindruck von den Haftbedingungen vor Ort.

Rund 300 Insassen hat die JVA derzeit, ein Drittel davon kommt aus Afrika. Etwa 50 Schwarz-Afrikaner, so sah Erzbischof Spaita, der derzeit als Gast von Studentenpfarrer Georg Austen in Paderborn weilt, sind im Vergleich zu afrikanischen Gefängnissen sehr gut untergebracht und betreut. Trotzdem wollen sie natürlich möglichst schnell wieder auf freien Fuß kommen.
"Ich bete dafür, dass Deutschland eines Tages keine Flüchtlinge aus Afrika mehr aufnehmen muss", weiß der seit 27 Jahren amtierende Bischof auch, dass sich dazu zunächst die Verhältnisse in Afrika ändern müssen. In Sambia selbst gebe es seit der Unabhängigkeit 1964 zwar keine politisch Verfolgten, doch hat das arme Land große Probleme, die mehr als 200 000 Flüchtlinge aus den Krisenregionen des schwarzen Kontinents zu ernähren. "In Afrika muss Frieden einkehren, die Regierungen müssen etwas gegen die Armut tun", fordert der Erzbischof auch im Namen der katholischen Kirche.
Als äußerst wichtig bezeichnete es Pastor Georg Austen, dass James Spaita seine Eindrücke von der Abschiebehaft nun mit nach Afrika nimmt und der dortigen Bischofskonferenz schildern kann. Den Besuch im Gefängnis wertete er als Besuch der seelsorgerischen Art, als ein Zeichen der Solidarität. Austen schloss sich dem Wunsch des Bischofs an, dass eines Tages keine Abschiebehaftanstalten mehr nötig seien.
An der Spitze einer Gruppe der katholischen Hochschulgemeinde Paderborn und zusammen mit Vertretern des Vereins für Menschen in Abschiebehaft ließ sich Bischof Spaita gestern zunächst von der Anstaltsleitung die allgemeine Situation erläutern, bevor er mit Gefangenen aus vielen Nationen einen Gottesdienst feierte. In den Gesprächen mit Insassen erfuhr er von den oft bedrückenden Situationen Einzelner, bevor ein Rundgang durch die unterschiedlichen Bereiche der JVA den Besuch abschloss.
"Ich bin froh, dass ich hier sein durfte", bedankte sich der Erzbischof bei den Verantwortlichen. Er habe sich vorgestellt, dass er selbst als Gefangener einsitzen müsse, und so auch die Ungeduld verstanden.