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Seelsorge unterm Zirkuszelt

Lünen/Monte Carlo. Was für die Filmbranche der „Oscar“ und die Filmfestspiele in Cannes sind, sind für die weltweite Zirkuswelt der „Goldene Clown“ und das „Internationale Zirkusfestival von Monte Carlo“ im Fürstentum Monaco. Eine zehnköpfige Jury unter der Schirmherrschaft von Prinzessin Stephanie von Monaco entscheidet nach vier Auswahlvorstellungen, wer die begehrten bronzenen, silbernen und goldenen Clowns in der festlichen Galavorstellung durch die Fürstenfamilie überreicht bekommt.

Übergabe des Preises der Kirchen, v.l.n.r.: Pastor Sascha Ellinghaus, Pfr. Martin Fuchs (Leiter der kath. Circus- und Schaustellerseelsorge), P. Dr. Paul Schäfersküpper, Bello Nock, Msgr. Georg Austen, Mutter Nock, Weihbischof Matthias König.
Übergabe des Preises der Kirchen, v.l.n.r.: Pastor Sascha Ellinghaus, Pfr. Martin Fuchs (Leiter der kath. Circus- und Schaustellerseelsorge), P. Dr. Paul Schäfersküpper, Bello Nock, Msgr. Georg Austen, Mutter Nock, Weihbischof Matthias König.

Jedes Jahr im Januar werden Artisten, Tierlehrer und Clowns aus der ganzen Welt durch das Festivalkomitee in das Fürstentum an der Côte d’Azur eingeladen. Neben den Clowntrophäen gibt es mehrere „Spezial-Preise“, die von Unternehmen und Organisationen verliehen werden. Zu diesen zählt auch die Kirche. Sie vergibt durch das Forum der Seelsorger, die in Europa in der Circus- und Schaustellerseelsorge tätig sind, seit drei Jahren den „Prix Special de la Pastorale du Cirque“.

Ausgezeichnet wird ein Teilnehmer des Festivals, der nach ihrem Urteil die Emotionen des Publikums besonders gut angesprochen hat und damit Momente der Freude zu schenken vermochte. In diesem Jahr wurde der Preis der Kirche an den in Amerika lebenden aus einer schweizerisch-italienischen Familie stammenden Clown Bello Nock überreicht.

Um die Zirkusaufführungen rankt sich ein ganzer Kranz von Festivalveranstaltungen in Monte Carlo. Denn das Internationale Zirkusfestival ist nicht eine einfache Zirkusvorstellung, sondern einer der gesellschaftlichen Höhepunkte im Fürstentum Monaco.

Am Montagabend der Festivalwoche steht der im Zirkuszelt des Festivals gefeierte ökumenische Wortgottesdienst zum Abschluss der Woche für die „Einheit der Christen“ im Mittelpunkt des Geschehens. Rund 3000 Menschen nehmen an diesem abendlichen Gottesdienst in der Manege teil, der mit circensischen Darbietungen bereichert wird. Natürlich gehört auch Fürst Albert II. zu den Gläubigen am Manegenrund.

Den Vorsitz des Gottesdienstes hat der Erzbischof von Monaco, Bernard Barsi. Die Bischöfe der angrenzenden Diözesen Nizza in Frankreich mit Bischof Louis Sankale und dem nahen Italien mit dem Bischof von Ventimiglia sind ebenfalls zugegen.

Auch in Deutschland gibt es Priester, die sich der Seelsorge an den Menschen im Zirkus- und Schaustellergewerbe annehmen. Im Auftrag der Bischofskonferenz ist ein Priester hauptberuflich tätig. Weitere sieben Geistliche arbeiten neben- oder ehrenamtlich, je nach Entscheid der Diözesanbischöfe, um den rund 45000 Schaustellern und 3500 Zirkusleuten in Deutschland seelsorgerisch zur Seite zu stehen und die Sakramente auf den Volksfesten und in den Zirkusmanegen zu spenden.

Aus dem Erzbistum Paderborn ist dies der in Lünen tätige Pastor Sascha Ellinghaus. Seit 2002 übernimmt er in diesem Seelsorgebereich der katholischen Kirche Aufgaben von Sakramentenvorbereitung bis zur Öffentlichkeitsarbeit und arbeitet in besonderer Weise mit der Circusschule NRW zusammen, die sich in Trägerschaft der ev. Kirche im Rheinland für gleiche Bildungschancen bei den reisenden Kindern engagiert. Seit vielen Jahren ist Ellinghaus beim Zirkusfestival in Monte Carlo dabei.

In diesem Jahr reisten Weihbischof Matthias König und Msgr. Georg Austen mit Pastor Ellinghaus nach Monaco, um nicht nur am Zirkusfestival teilzunehmen. Sie wollten auch die Arbeit der Zirkus- und Schaustellerseelsorge durch die Begegnung mit den europäischen Seelsorgern der Zirkus- und Schaustellerseelsorge, die zeitgleich im alten kleinen Priesterseminar von Nizza tagen, kennenlernen. Am Gottesdienst in der Manege und der Galavorstellung nahmen beide ebenfalls teil.

Quelle: derdom.de