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Gastgeber für die Welt

Die Tage der Begegnung zum XX. Weltjugendtag 2005

von Pfarrer Georg Austen

Längst wirft der XX. Weltjugendtag seine Schatten voraus. Vom 16. - 21. August 2005 werden im Erzbistum Köln zur Feier dieses Glaubensfestes einige hunderttausend junge Menschen im Alter zwischen 16 und 30 Jahren aus über 120 Nationen erwartet. Papst Johannes Paul II. selbst lädt seit 1984 regelmäßig die Jugendlichen ein, Weltkirche live und international zu erleben.
"An Euch liegt es, den Geist des Weltjugendtags lebendig zu halten" - mit diesen Worten ermu-tigte der Papst die deutschen Jugendlichen beim letzen zentralen Weltjugendtag in Toronto den Weg nach Köln zu bereiten.
"Die Kirche hat der Jugend viel zu sagen, und die Jugend hat der Kirche viel zu sagen. Dieser gegenseitige Dialog muss offenherzig, klar und mutig sein. Er fördert die Begegnung und den Austausch zwischen den Generationen und wird für die Kirche und Gesellschaft Quelle des Reichtums und des Jungseins." Diese Worte, die Papst Johannes Paul II. im Apostolischen Schreiben "Christifideles Laici" (1988) formuliert hat, sind eine tragende Säule für die Gestaltung der Weltjugendtage auf allen Kontinenten. Auf dieser Grundlage bereiten auch die verantwortlichen Gremien der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Erzbistum Köln in Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Rat für die Laien in Rom, die Verantwortungsträger der Jugendpastoral in Deutschland sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kölner Weltjugendtagsbüro den XX. Weltjugendtag inhaltlich, geistlich und logistisch vor. Für die Kirche in Deutschland ist dieses Weltereignis ein Geschenk, eine große Chance und eine große Herausforderung.

"Gäste sind ein Segen"

Unmittelbar vor dem Weltjugendtag in Köln finden von Görlitz bis Freiburg, von Passau bis Hamburg - eben in allen deutschen Diözesen (mit Ausnahme des Erzbistums Köln) die Tage der Be-gegnung statt. Vom 11. - 15. August 2005 laden die Bistümer die jungen Gäste vor der Reise nach Köln zur persönlichen Begegnung in Gemeinden, Jugendgruppen und Familien ein. Die Tage bieten den Gäste die Gelegenheit in Gebet und Gottesdiensten sowie in gemeinsamen Freizeitaktivitäten und dem Besuch regionaler Sehenswürdigkeiten etwas vom kirchlichen und gesellschaftlichen Leben "vor Ort" zu erfahren. Nach Möglichkeit sollen die jungen Menschen dezentral in Gastfamilien wohnen. Die Weltkirche wird auf diese Weise "hautnah" in aller Bunt-heit, Vielfalt und Einheit im Glauben erlebbar. Fragen und Erfahrungen nach dem Christsein in der Welt von heute, die Freude am Glauben und die interkulturellen Begegnungen im Kleinen werden dabei sicherlich den Horizont jedes Einzelnen und unserer Gemeinden weiten. Vor allem die Gastfreundschaft war bei den vergangenen Weltjugendtagen immer wieder prägend und be-eindruckend.
"Gäste sind ein Segen" - die Gastfreundschaft ist manchmal eine vergessene Grundhaltung, sie bereichert Gastgeber und Gast, sie bewirkt, dass unsere Kirche ein Gesicht bekommt. Gelebte Gastfreundschaft erweitert den Lebens- und Glaubenshorizont. Gastfreundschaft ist keine Ein-bahnstraße. Ich bin überzeugt, dass diese Erfahrungen den Gästen und Gastgebern vor Ort in unseren Gemeinden gut tun werden. Jedoch will eine Gastgeberrolle heilig vorbereitet werden.

Mitverantwortung fördert die Identifikation

Neben der so genannten Delegiertenkonferenz, in der sich die Diözesanverantwortlichen der einzelnen Diözesen bundesweit zum Austausch und Koordination der Vorbereitung treffen, ha-ben sich auch in den jeweiligen Diözesen verantwortliche Gremien gebildet.
Erfreulicherweise wurden und werden daneben in einigen Diözesen bis auf die Regional- oder Pfarrebene Gruppen eingerichtet, die verantwortlich für die inhaltliche und die logistische Vorbereitung sowie Durchführung dieses Glaubensfestes sind. Die Erfahrungen zeigen, dass nicht nur aktuelle Träger von Jugendpastoral für die Mitwirkung ansprechbar sind, sondern oftmals auch Menschen, die weniger oder keinen Bezug zur Jugendarbeit haben. Hier liegt eine große Chance, den Weltjugendtag in der bestehenden Jugendpastoral zu verankern und gleichzeitig neue Kräfte zu motivieren. Je mehr junge Menschen vor Ort verantwortlich in die Gestaltung des Weltjugendtags mit einbezogen werden, desto mehr werden sie sich auch mit dem Ereignis und der Gastgeberschaft identifizieren. Hier werden auch die Spuren für eine pastorale "Nachhaltigkeit" dieser Erfahrungen gelegt. Wichtig ist nur, dass diese jungen Menschen konkret wissen, was auf sie zukommt; dass sie geistlich und unterstützend begleitet werden sowie inhaltliche Impulse bekommen. Nicht zuletzt sollten diese Gruppen verantwortlich in die bestehenden kirchlichen Strukturen der Gemeinden integriert werden.

Ökumene

Der Aspekt der Ökumene darf im "Stammland der Reformation" nicht außer Acht gelassen werden. Beim Weltjugendtag wird es sich in erster Linie um ein Ereignis der katholischen Kirche handeln. Daher ist er auch von ihren Traditionen und Formen geprägt. Dennoch geschieht die Einladung zum Weltjugendtag in aller Offenheit. Gerade die Vorbereitungszeit mit dem Pilgerweg des Weltjugendtagkreuzes kann immer wieder zu ökumenischen Begegnungen und Glaubensfesten genutzt werden. Die guten ökumenischen Erfahrungen und das gemeinsame Glaubenszeugnis sollten auch in der Gastgeberschaft und der möglichen Gestaltung der Tage der Begegnung ihren Niederschlag finden. Hier bietet sich für die Zusammenarbeit gerade auch der Tag des Sozialen Engagements an.

Partnerschaften

Bestehende Partnerschaften der Diözesen, der Pfarreien, der Verbände und der verschiedenen kirchlichen Gruppen sowie die Partnerstädte der Kommunen und der Schulen bieten gute Anknüpfungspunkte für die Tage der Begegnung. Die Partner zu dem Glaubensfest einzuladen, ist eine gute Möglichkeit, ihnen gegenüber Wertschätzung zu zeigen und bestehende Beziehungen zu vertiefen. Die Partner können auch schon eingeladen werden, bei der Programmgestaltung mitzuwirken. Die Sicht und die Erwartungen aus dem Ausland sind ein bereicherndes und motivierendes Element für die Vorbereitung der Begegnungen. Partnerschaftswünsche können an den jeweiligen Diözesenverantwortlichen gerichtet werden. Die zentrale Verantwortung und Ent-scheidung für die Zuteilung der ausländischen Gäste auf die Diözesen liegt beim Weltjugendtagsbüro in Köln.
In den Diözesen können bestehende Kontakte der Vorbereitung dienen. Ausländische Studierende, Eine-Welt-Gruppen, Partnerschaftsinitiativen und Kontaktpersonen können Informationen über das Land der zu erwartenden Gäste geben. Ausländische Mitbürger können für Übersetzungs- und Dolmetschertätigkeiten eingebunden werden. Die Gäste können schon im Vorfeld Informationen über das Leben der Gemeinde, die Jugendgruppen, das Land usw. erhalten. So ist es auch ihnen möglich, eine Beziehung Stück für Stück im Vorfeld aufzubauen.

Spiritueller Weg

Nicht die logistischen und organisatorischen Arbeiten dürfen allein bei der Planung dieses Welt-ereignisses im Vordergrund stehen. Der Weltjugendtag bringt uns in Berührung mit den Quellen des Glaubens. Es geht um die Begegnung mit Jesus Christus, seiner Botschaft und Kirche. Wir sehen auf der einen Seite, dass bei vielen - nicht nur jungen - Menschen der Glaube verdunstet und sie heimatlos werden in unserer Kirche. Andererseits erfahren wir, dass viel junge Menschen überall auf der Welt nachdenklicher geworden und auf der Suche nach der Mitte ihres Lebens und einer guten Zukunft sind. Der Weg zum Weltjugendtag will ermutigen, der Spur des Glau-bens, der in Jesus Christus ein Gesicht bekommen hat, nachzugehen. Viele Anstöße und Impulse lassen sich in die tägliche pastorale Arbeit auf allen Ebenen integrieren. Die inhaltlichen Leitworte der Weltjugendtage, die Fragen nach Gott und dem Christsein heute, das verbindende Gebet, regelmäßige Jugendgottesdienste und Bibelkreise, Gruppenstunden und Orientierungsta-ge, die weltkirchlichen Aktionen der Solidarität, die geprägten Zeiten und Wallfahrten, die kirchli-chen Feste und Feiern bieten unzählige Anknüpfungspunkte, die Anliegen des Weltjugendtags aufzugreifen und den Weg geistlich miteinander zu gehen.
Auch in der Schul- und Hochschulpastoral kann diese Thematik aufgegriffen werden. Vor allem das Weltjugendtagskreuz auf seinem Pilgerweg der Versöhnung durch Deutschland ist ein Weg-bereiter für dieses Ereignis, der in die Tiefe und Weite führt. Gute Anregungen und Arbeitsmate-rialien zur inhaltlichen Vorbereitung sind im Kölner Weltjugendtagsbüro zu erhalten.

Eine Bereicherung der Gesamtpastoral

Der Weltjugendtag ist verwoben in die Gesamtpastoral unserer Kirche. Er wird aber auch ausstrahlen in die Gesellschaft unseres Landes. Zwar wendet sich der Weltjugendtag als "Welt- und Weltkirchenereignis" in erste Linie an junge Menschen. Er will aber auch ermutigen, im Ganzen als Kirche missionarisch zu sein. Dabei sollten auch unsere Alten und Kranken und die Menschen mit Behinderung mit einbezogen werden. Alle, denen eine Teilnahme an den Begegnun-gen nicht möglich ist, können z. B. durch Gebetspatenschaften das Anliegen des Weltjugendtags unterstützen. Für den Pilgerweg des Weltjugendtagskreuzes haben junge Menschen für Alte und alte Menschen für Junge ein Gebet geschrieben, so wird der Weg im Gebet im Füreinander und Miteinander begleitet und verwoben.

Underconstruction - Der Tag des Sozialen Engagements

Der Tag des Sozialen Engagements ist Bestandteil der Tage der Begegnung. Am 12. August 2005 sollen in ganz Deutschland alle Gastgeber und Gäste gemeinsam Sozial-Aktionen dezentral durchführen. Es ist eine großartige Idee, auf diese Weise das "soziale Gesicht" der Botschaft Jesu erfahrbar und erlebbar werden zu lassen. Papst Johannes Paul II. hat selbst die jungen Menschen ermutigt und aufgefordert, "Baumeister einer Zivilisation der Liebe und Gerechtigkeit zu sein". An diesem Tag soll ein deutliches Zeichen gesetzt werden, dass junge Menschen bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren und etwas von gesellschaftlicher Realität, sozialer Not und menschlichen Schicksalen zu erfahren. Die jungen Menschen sollen erleben, dass unser Glaube Hand und Fuß bekommt, wenn aus christlichen Werten heraus das soziale, politische und kulturelle Umfeld des Lebens wahrgenommen und mitgestaltet wird. Hier verbinden sich die individuellen Aspekte des persönlichen Glaubensvollzugs mit der Aufforderung, gemeinschaftlich und solidarisch für die Armen, Leidenden und Benachteiligten tätig zu werden. Der Tag des Sozialen Engagements soll den jeweils unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Diözesen durchgeführt werden. Auch hier ergeben sich schon jetzt gute Ansatzpunkte für die Vorbereitungszeit, die Jugendlichen sollen nämlich im Vorfeld im "social mapping" ihren eigenen Lebensraum erkunden, um so mögliche Projekte und Aktionen vorzubereiten. Ein solcher Tag birgt die Chance, alle Trä-gerinnen und Träger von Jugendarbeit in unserem Land (Verbände, Orden, Gemeinden, kirchli-che Bewegungen, offene Jugendarbeit, Jugendhilfe, Jugendsozialarbeit usw.) zu einer gemein-sam Aktion zu verbinden.
"Wer kommen will, um IHN anzubeten, kann nicht allein kommen, er muss die anderen und ihre Not mitnehmen, und er kann nicht mit leeren Händen kommen, sondern bringt seine Gaben und Fähigkeiten mit ein. ...wer, Jesus sehen möchte, nach dem Motto des Weltjugendtags 2004, der muss den Menschen sehen wollen.
Nur so können wir einen anderen Weg in den Alltag zurückgehen, selbst verändert und aufge-baut, um verändert und aufbauend zu wirken; nur so kann der Weltjugendtag zu einem nachhal-tigen Impuls unserer Jugendpastoral werden." (Bischof Dr. Franz-Josef Bode)

Eine gute Vorbereitung wird dann dafür sorgen, dass der Weltjugendtag länger wirkt als er dauert.

Weitere Informationen unter: www.wjt2005.de.

Pfarrer Georg Austen
Sekretär des Weltjugendtags,
Deutsche Bischofskonferenz