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Vertreter Osteuropas setzen beim 8. Internationalen Kongress von Renovabis auf eine Kirche, die der Jugend Orientierung anbietet

FREISING (lu). Nur eine Kirche, die als authentische Begleiterin der Jugend auftritt, wird den jungen Menschen in ihrer derzeit schwierigen Situation in der Transformation von der kommunistischen Gesellschaft zu einer Gesellschaftsordnung in Freiheit Orientierung bieten können. Aber genau darin liegt die Chance der katholischen Kirche. Dies wurde bei einem Podium beim 8. Internationalen Kongress von Renovabis in Freising am heutigen Samstag deutlich, an dem sich Jugendliche, aber auch Geistliche und Bischöfe aus Osteuropa und Deutschland beteiligten.

Weihbischof Vlado Košić aus Zagreb (Kroatien) etwa betonte, dass die christliche Kirche, die die Botschaft von der Auferstehung Jesu und dem Ewigen Leben verkünde, nicht Resignation und Trübsal verbreiten dürfe. Selbst in seinem Land, dessen Gesellschaft - und besonders die Jugendlichen - bis heute unter den schweren Folgen des Krieges litten, "ist die Hoffnung größer" als jeglicher Pessimismus. Als konkrete Perspektive biete sich die Aufnahme Kroatiens in die EU an, betonte der Jugendbeauftragte der kroatischen Bischofskonferenz. In den kroatischen Diözesen bemühe sich die Kirche, mit den Jugendlichen im Gespräch zu bleiben und diesen in der Seelsorge ihren eigenen Platz einzuräumen. Als Beispiel nannte Vlado Košić die Vorbereitung der Diözesansynode in seiner Diözese.

Auf die schwierige Situation des gesellschaftlichen Wandels nach der Wende, in der den Jugendlichen neue Werte und Lebenshaltungen offeriert würden, muss die katholische Kirche in Litauen reagieren, unterstrich Bischof Rimantas Norvila, der Jugendbeauftragte der litauischen Bischofskonferenz. Das einzige tragfähige Konzept dazu, zog er ein Fazit aus einer Umfrage aus dem Jahr 2003, bestehe darin, den Jugendlichen mit einem authentischen und überzeugenden Engagement durch Ehren- und Hauptamtliche der katholischen Kirche zu begegnen. Und diesen Weg werde die katholische Kirche in Litauen weiter beschreiten.
Von der serbisch-orthodoxen Kirche wünscht sich Violeta Nikolic aus Belgrad, die derzeit in Münster studiert, eine stärkere Zuwendung zu Kindern und Jugendlichen in ihrer Heimat. Angesichts des Umbruchs der Gesellschaftsordnung ersehnt sie sich eine offene Kirche als Begleiterin der jungen Menschen auf ihrem Weg, einen Lebenssinn zu finden.
Der Münsteraner Hochschullehrer Prof. Dr. Thomas Bremer zog als Moderator des Podiums ein positives Fazit zur Rolle der Kirche in den Gesellschaften Osteuropas. Während in Deutschland die christlichen Kirchen in bestimmten Umfragen zum Ansehen selbst hinter einem Automobilclub rangierten, genießen sie bei den Menschen in Mittel- und Osteuropa aufgrund der Erfahrungen mit dem sozialistischen Regime ein hohes Ansehen. Georg Austen, der Sekretär des Weltjugendtags 2005, und die Bundesvorsitzende des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ), Andrea Hoffmann, umrissen Wege, wie sie die Brücke zwischen Kirche und Jugend festigen wollen. Der Weltjugendtag etwa werde auch das "soziale Gesicht der Botschaft Jesu" sichtbar machen, so Pfarrer Austen.

Der 8. Internationale Kongress Renovabis, der heute zu Ende geht, steht unter dem Motto "Zwischen Hoffnung und Resignation. Jugend in Mittel- und Osteuropa". Ihm ging ein Jugendworkshop zu den Visionen von Jugendlichen aus acht Staaten Osteuropas voraus, die in die Beratungen der 400 Teilnehmer des Kongresses einbezogen wurden.