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Pressekonferenz "kreuzspuren" am 08. Juli 2005, Hofkirche Dresden

kreuzbewegt.“ war Deutschland in den letzten 15 Monaten durch das Weltjugendtagskreuz in Begleitung der Marienikone auf dem Pilgerweg der Versöhnung. Im wahrsten Sinne des Wortes hat das Weltjugendtagskreuz viele Menschen bewegt – innerlich und äußerlich. Rund 100.000 km wurde es allein im Autotransporter auf unseren Straßen durch die Bundesrepublik befördert. Es machte Station am Brandenburger Tor und dem Deutschen Bundestag in Berlin; am höchsten Punkt unseres Landes, der Zugspitze, und unter Tage im Bistum Essen; es war beim Bonifatiusfest in Fulda und der Zigeunerwallfahrt in Bayern. Das Kreuz war in KZ-Gedenkstätten und Orten, die an die Teilung Deutschlands erinnern. Es wurde von jungen Menschen in Gefängnisse getragen, Einkaufstraßen und Schulen sowie in Krankenhäuser, in Altenheime und weitere karitative Einrichtungen. Die Glaubenszeichen waren zu Gast bei Wallfahrten, Jugendtreffen und Bistumstagen in allen deutschen Diözesen, bei vielen katholischen Jugendverbänden, kirchlichen Bewegungen und Orden. Bewegend waren auch die ökumenischen Begegnungen in Erfurt und an vielen anderen Orten unseres Landes.

Unzählig sind die jungen und auch älteren Menschen, die in diesem Zeitraum vor dem Kreuz gebetet, es getragen, berührt, geküsst und verehrt haben. Tausende Bilder und mehr als dreitausend Seiten handschriftlicher Zeugnisse: Bitten, Gebete, Dank und Hoffungen von jungen Menschen sind dokumentiert im Weltjugendtagsbüro und in den so genannten LOG-Büchern, die die Pilgerreise begleitet haben. Diese Bücher sind für uns ein wirklicher „Schatz“, weil sie zeigen, dass die Botschaft des Gekreuzigt/Auferstandenen bei den Menschen angekommen ist und ihre Herzen berührt hat.

Das Kreuz übt in seiner Schlichtheit und durch seine Geschichte, die Menschen aller Nationen im Glauben verbindet, eine ungeheure Anziehungskraft aus. Es bringt durch Menschen die Botschaft des menschgewordenen Gottes zu den Menschen und hat dadurch eine zutiefst evangelisierende Dimension. Es ist geglückt, dass das Kreuz nicht nur „transportiert“ wurde, sondern immer von jungen Menschen an junge Menschen weitergegeben wurde. Somit wurden wichtige Zeichen in unserem Land sowie in der Vielfalt der Gruppen unserer Kirche und darüber hinaus der Solidarität und Versöhnung gesetzt. Durch die Begegnung mit dem Weltjugendtagskreuz wurden auch im übertragenen Sinne „Räume“ und „Orte“ geschaffen, wo Jugendliche mit den Inhalten unseres Glaubens in Berührung gekommen sind. Im Schatten des Weltjugendtagskreuzes wurde so manche existenzielle Frage angestoßen und in gemeinsamen Gottesdiensten, im persönlichen Gebet oder in Gesprächen vertieft. Auch hier hat das Weltjugendtagskreuz Menschen im Glauben an Jesus Christus ermutigt und Versöhnung gestiftet. Es hinterlässt für mich eine beeindruckende Leuchtspur, weil wir uns mit den Kreuzen der Vergangenheit und mit den tiefen Erfahrungen von Kreuz und Leid der Menschen heute – gerade auch der jungen Menschen – mit ihren Ängsten, Träumen und Hoffnungen, aber auch mit den Situationen, die ihr Leben durchkreuzen wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Sinnlosigkeit oder Heimatlosigkeit auseinandergesetzt haben.
Der Versöhnungsgedanke hat jedoch eine universelle Dimension. Der Pilgerweg durch Deutschland reiht sich ein in die 20-jährige Pilgerreise des Weltjugendtagskreuzes durch die Länder und Kontinente unserer Welt sowie der Stationen in 26 europäischen Ländern, die in der Vorbereitung auf den XX. Weltjugendtag in Deutschland besucht wurden. Der verstorbene Papst Johannes Paul II., der der Jugend der Welt dieses wertvolle Symbol anvertraut hat, rief ihnen einmal zu: „Die Jugend erwartet eine schwere, aber zugleich packende Aufgabe: Die grundlegenden Mechanismen zu verändern, die in den Beziehungen zwischen den Nationen Egoismus und Unterdrückung fördern, und neue Strukturen zu schaffen, die sich an der Wahrheit, der Solidarität und dem Frieden ausrichten.“ Der Weg des Weltjugendtagskreuzes durch unser Land war und ist auch in den kommenden 40 Tagen ein wirklicher Segen.

Als Verantwortlicher für das Weltjugendtagskreuz danke ich ausdrücklich allen, die diesen Weg koordiniert, gestaltet und zu Fuß oder im Gebet begleitet haben. Ebenso sage ich dem Malteser Hilfsdienst „Vergelt’s Gott!“ für den Dienst des Transportes und der Begleitung in all den Monaten.

Unser Land ist „durchkreuzt“ worden. Damit wurde der Weg bereitet für die Tage der Begegnung in den deutschen Diözesen und den XX. Weltjugendtag in Köln. Auch in der geistlichen Dimension ist der Weg bereitet worden, die Gäste aus aller Welt mit offenen Armen und offenen Herzen zu empfangen: Ein wichtiger Schritt, die Beziehungen zwischen den Nationen zu verbessern. Junge Christinnen und Christen wurden in diesem, für Deutschland einmaligen Projekt zu Hoffnungsträgern, indem sie das Kreuz als Symbol der Hoffnung und der Versöhnung durch die Straßen der modernen Metropolen und über die verschlungenen Wege der deutschen Landschaft getragen haben. Sie sind „kreuzbewegt.“ und bewegen damit etwas in unserer Kirche und unserer Welt.

Quelle: WJT Seite