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Pressekonferenz "Start der Tage der Begegnung in den deutschen Diözesen" am 9. August 2005, Osnabrück
Pfarrer Georg Austen, Sekretär des Weltjugendtags, Deutsche Bischofskonferenz zum Start der Tage der Begegnung in den deutschen Diözesen

Jetzt geht´s los.
Voller Spannung und Vorfreude werden zu den Tagen der Begegnung, die in allen deutschen Diözesen (außer dem Erzbistum Köln) vom 11. – 15.08.2005 stattfinden, die ausländischen Gäste aus fast 170 Nationen der Welt erwartet. Etwa 120.000 ausländische Gäste sind im Weltjugendtagsbüro für die Tage der Begegnung angemeldet. Damit kommen mehr ausländische Gäste zu den Begegnungstagen als jemals zuvor. Fast jeder zweite ausländische Pilger, der sich für den XX. Weltjugendtag 2005 in Köln registriert hat, nimmt auch an den Begegnungstagen in den Diözesen teil. Aus allen bewohnten Kontinenten kommen die Gäste zu uns: Angefangen von den größten nationalen Gruppen der Franzosen und Italienern mit jeweils über 20.000 Teilnehmern bis zu Nationen wie Eritrea und Saudi Arabien, die nur mit einem Vertreter an den Tagen der Begegnung teilnehmen werden.

Erwartungsgemäß kommen die meisten Pilger mit knapp über 70% aus Europa gefolgt von Mittel- und Südamerika, aus denen 11% der Teilnehmer erwartet werden. Aus Afrika und Asien kommen jeweils rund 5%. In ganz Deutschland engagieren sich schätzungsweise über 200.000 Menschen ehrenamtlich und hauptberuflich oder als Gastgeber für die Tage der Begegnung. Hinzu kommen weitere deutsche Teilnehmer. 1.272 Gruppen zählen zu Partnerschaftsgruppen mit Gemeinden, Orden, Verbänden oder kirchlichen Bewegungen. Von Anfang an war es das Ziel, bestehende Partnerschaften zu unterstützen oder die Gründung neuer Partnerschaften zu fördern. Denn Partnerschaften bieten gute Anknüpfungspunkte über diese Tage hinaus, entstandene Beziehungen zu pflegen. Die Partnerschaftsarbeit hat auch gerade auch im Feld der Jugendpastoral eine lange und gute Tradition. Natürlich will ich nicht verschweigen, dass es in den Diözesen und bei mir Enttäuschungen gab, weil aus unterschiedlichen Gründen die von den Ländern zunächst prognostizierten Teilnehmerzahlen reduziert wurden. Aber insgesamt kann man mehr als Zufrieden sein, dass so viele Gäste zu uns kommen und die Tage der Begegnung in allen Diözesen stattfinden. Nach einer langen Vorbereitungszeit lernen wir unsere Gäste nun von Angesicht zu Angesicht kennen. Nicht mehr die Planung und Theorie stehen nun auf der Tagesordnung, sondern die konkrete Begegnung. Die Türen und Herzen der Menschen stehen offen, um sich auf die Gäste einzulassen. Untergebracht in Familien, aufgenommen in Gemeinden und Gruppen teilen die jungen Leute Sorgen und Freuden, Festlichkeiten und Alltäglichkeiten vor Ort, lernen sich in ihren verschiedenen Kulturen kennen und stützen sich gegenseitig im Glauben. Die Gäste sollen etwas erfahren, wie unsere Kirche in Deutschland lebt und wie die Lebenswirklichkeit von jungen Menschen in unserem Land aussieht. Aber erfahrene Gastfreundschaft ist keine Einbahnstraße. Auch unsere Gastgeber werden erfahren, unter welchen Bedingungen junge Christen in anderen Ländern leben. Hautnah und handgreiflich geschehen hier interkulturelle Begegnung und interkulturelles Lernen: Im Miteinander und nicht nur aus Büchern, nicht aus dem Fernsehen oder Internet, sondern in lebendiger Begegnung.

Hautnah und handgreiflich werden in diesen Tagen Zeichen der Solidarität gesetzt, z.B. zum Tag des Sozialen Engagements, wo Gastgeber und Gäste sich in sozial, karitativen Projekten engagieren und sich mit der wirtschaftlichen und sozialen Globalisierung unserer Welt auseinandersetzen. Mehr als 1.000 Projekte, die bundesweit durchgeführt werden, sind derzeit schon auf unserer Datenbank im Internet gespeichert.
Hautnah und greifbar wird Weltkirche erlebbar, werden Informationen über Länder und Kulturen weitergegeben und wird das Bewusstsein füreinander geschärft. Man wird sich austauschen über die alltäglichen Dinge, angefangen vom Essen über die Arbeit, Schule oder Studium bis hin zu den Familiengeschichten. Es werden Gemeinsamkeiten entdeckt, aber auch Unterschiede. Das Verständnis füreinander wird wachsen und vielleicht werden aus Fremden Freunde.

Neben der persönlichen Begegnung in den Unterkünften wird es gemeinsame Unternehmungen, Aktionen und Gottesdienste geben, in denen der Gast vom Leben der Menschen, der Pfarreien, des Landes und der Diözesen einen Eindruck gewinnen kann. Zentrale Bistumsfeierlichkeiten, wie auch hier im Bistum Osnabrück, lassen etwas von der Vielfalt unserer Kirche in Deutschland entdecken.

Die Tage der Begegnung werden sich aber auch widerspiegeln in den ökumenischen Beziehungen, in der Zusammenarbeit mit den Kommunen und Städten oder auch im Blickfeld der Medien. Vor Ort wird Weltkirche hautnah erlebt und gleichzeitig wird das erlebte zu einer Visitenkarte für unsere Kirche und unser Land. Diese Tage setzen auch deutliche Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und eine Abschottungspolitik. Auch wenn es nur eine kurze Begegnung ist, denke ich, haben wir doch gute Rahmenbedingungen geschaffen. Durch die Unterbringung in Privatunterkünften kommen die Jugendlichen nicht als Touristen in ein Hotel, sondern als Gäste bis in die Wohnzimmer unserer Familien. Fragen nach dem Christsein von heute in unterschiedlichen Erfahrungen, die Freude am Glauben und die interkulturellen Begegnungen im Kleinen werden dabei sicherlich den Horizont jedes Einzelnen und unserer Gemeinden weiten. Vor allem die Gastfreundschaft war bei den vergangenen Weltjugendtagen immer wieder prägend und beeindruckend und dafür ist der Boden in ganz Deutschland hervorragend bereitet.

Neben all den notwendigen organisatorischen Arbeiten konnten wir erleben, wie neue Netzwerke entstanden sind zwischen den unterschiedlichen Trägern der Jugendpastoral, ob Pfarrgruppen oder Jugendverbände, ob Orden oder kirchliche Bewegungen, ob Schul- oder Hochschulpastoral. In dem Anliegen, zusammen dieses Glaubensfest geistlich und inhaltlich vorzubereiten, ist man einander näher gekommen. Kreativ und engagiert wurden Materialien erarbeitet, Vorbereitungskurse zum interkulturellen Lernen besucht oder pastorale Tage und Glaubenskurse angeboten. Nicht zuletzt wurden alle Vorbereitungen von der Feier von Gottesdiensten und im Gebet der Gemeinden begleitet. Sicherlich hat auch der Pilgerweg des Weltjugendtagskreuzes auf dem Weg der Versöhnung eine Leuchtspur in allen Diözesen hinterlassen. Über hunderttausend Kilometer hat es mit der Marienikone im wahrsten Sinne des Wortes unserer Land durchkreuzt. Dieses schlichte Zeichen hat so viele Herzen der Menschen berührt und ist dadurch in der Geschichte unserer Jugendpastoral zu einem einmaligen Ereignis geworden.

Die Vorbereitung der Tage der Begegnung des Weltjugendtags ist mit allen Höhen und Tiefen auf einen fruchtbaren Boden in der bestehenden und alltäglichen Jugendpastoral gefallen. Ich wage zu behaupten, dass gerade diese alltägliche und manchmal unscheinbare Arbeit mit Kindern und Jugendlichen dazu beigetragen hat, dass die Bereitschaft, ausländische Gäste aufzunehmen, so gewaltig und überraschend groß ist. Es ist aber auch positiv zu beobachten, dass in unseren Pfarreien die Jugend der Gemeinde und die Jugend der Welt mehr in den Blick gekommen ist. Mehr noch: Dort wo junge Menschen verantwortlich in die Vorbereitung dieses Ereignisses einbezogen worden sind, gab es auch eine größere Identifizierung mit dem Glaubensfest. Ich gehe fest davon aus, dass in unseren Gemeinden die ausländischen Jugendlichen auch jugendlichen Gastgebern begegnen werden. Es ist weiterhin aus meiner Sicht deutlich geworden, wie wichtig die persönliche Begegnung und geistliche Begleitung ist, die den jungen Menschen in den Gemeinden Orientierung gibt. Bei allen notwendigen Veränderungen, Sparmaßnahmen im finanziellen Bereich und personellen Umstrukturierungen ist mir häufig in den Diözesen die Frage gestellt worden, ob es auch nach dem Weltjugendtag eine klare Option und notwendige Unterstützung für die Jugend in den Gemeinden und Diözesen geben wird.

Wir sind sehr dankbar für das große Engagement auf allen Ebenen und allen Diözesen auch weit über die Katholische Kirche hinaus. Dies sind ermutigende Vorzeichen für eine gelingende Zeit in den kommenden Tagen der Begegnung in den deutschen Diözesen, bevor die Gastgeber und Gäste dann gemeinsam zum XX. Weltjugendtag 2005 nach Köln reisen.

In diesem Zusammenhang ist auch ein wachsendes Interesse deutscher Jugendlicher festzustellen, am XX. Weltjugendtag 2005 in Köln teilzunehmen. Derzeit sind etwa 69.000 deutsche Jugendliche (zzgl. ca. 22.000 Freiwillige) als Pilger im Weltjugendtagsbüro registriert. Beim letzten XVII. Weltjugendtag 2002 in Toronto haben 6.000 deutsche Jugendliche teilgenommen. „Gäste sind ein Segen“ so haben wir die kommenden Tage überschrieben. Ich möchte ergänzen „gute Gastgeber auch“. So sehen wir voller Erwartung den Begegnungen und vielfältigen Erfahrungsmöglichkeiten der kommenden Tage entgegen. Die jungen Menschen werden sicherlich viele Eindrücke im Handgepäck mit nach Köln bringen, aber sicherlich auch mit zurück in ihre Länder nehmen.

Quelle: WJT Seite