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Statement von Pfarrer Georg Austen, Sekretär des Weltjugendtags der Deutschen Bischofskonferenz, zum Tag des Sozialen Engagements „underconstruction" auf der Pressekonferenz am 12. August 2005 in Mainz (Pfarrgemeinde St. Peter)

  • Was ist der Tag des Sozialen Engagements?
Am heutigen 12. August 2005 findet bundesweit (außer im Erzbistum Köln) und dezentral der Tag des Sozialen Engagements statt. Unter dem Motto „underconstruction – bau mit an einer gerechten Welt!" arbeiten junge Menschen aus über 160 Nationen gemeinsam mit ihren jugendlichen Gastgebern in karitativ/sozialen Projekten.
  • Was heißt das konkret? Und um welche Projekte handelt es sich?
Die Projekte decken folgende unterschiedliche Themenbereiche ab:
  • Natur/Umwelt/Ökologie
  • Entwicklungszusammenarbeit/ Fairer Handel/
  • Solidaritätsarbeit /Internationale Arbeit
  • Kinder- und Jugendarbeit/ Jugendsozialarbeit/ökumenische Zusammenarbeit
  • Stadtteilbezogene Projektarbeit
  • Kooperation mit Menschen aus unterschiedlichen sozialen und/oder kirchlichen Einrichtungen/Gemeinweseneinrichtungen
  • Öffentlichkeitsarbeit

Beispiele:

Bistum Münster: Die Arche Noah – eine bunte Erde Gastgeber, Gäste und Kinder einer Krebsklinik erarbeiten ein gemeinsames Musik- und Pantomimentheater, welches sie dann gemeinsam für die kranken Kinder aufführen.

Bistum Erfurt: Internationale Kaffeetafel rund um die Kirche
Pfarrgemeinde und besonders sozial Schwächere werden eingeladen zu einer Kaffeetafel rund um die Kirche.
Internationale Gäste und Gastgeber werden die Tafel vorbereiten und die Gäste bedienen.

Bistum Augsburg: Friedensgeläut Es wird ein Glockenstuhl gebaut.
Glocken sind aus den Kopfstücken von alten Fliegerbomben gebaut.
Geschaffen um zu töten, klingen sie für den Frieden in der Welt.

Erzbistum Berlin: Aktion „Grünes Klassenzimmer!
Gemeinsam werden eine Teichreinigung, ein Zaunanstrich und Wandgestaltung in einem Holzpavillion vorgenommen. Dieser wird dann anschließend als „grünes Klassenzimmer“ genutzt.

Erzbistum Hamburg: Asyl-Dorf
Mitarbeit im Wohnprojekt für Asylsuchende in der Schemannstraße in Volksdorf.

Bistum Würzburg: Renovierung und Neueinrichtung des Weltladens
Auseinandersetzung mit der Frage, wie in der Gemeinde auf weltweit gerechte Handelsbeziehungen hingewiesen wird. Anschließend werden die Räumlichkeiten renoviert.

Bistum Görlitz: „Lebendiger Kirchturm“
Der alte Kirchturm wird ausgemalt und neu gestaltet und soll zukünftiger Jugendtreff sein.

Wie sah die Vorbereitung für diesen Tag aus?
Die gastgebenden Jugendlichen haben sich über längere Zeit auf den Tag des Sozialen Engagements vorbereitet: Anhand eines „social mapping“ haben sie sich mit ihrem eigenen Lebensumfeld auseinandergesetzt und das soziale Gesicht ihres Stadtteils oder ihrer Gemeinde recherchiert. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wurde dann ein Projektvorschlag erarbeitet, welcher dann gemeinsam mit den Gästen am heutigen Tag durchgeführt wird. Die Vorbereitung und Durchführung wurde von Jugendlichen und Verantwortlichen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Jugendpastoral geleistet, wie z. B. den Mitgliedsverbänden vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend, den Orden und geistlichen Gemeinschaften, der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz sowie aus Gemeindegruppen, die mit ganz unterschiedlichen Trägern der sozialen Arbeit Kooperationen entwickelt haben.

Was ist das Ziel des Tags des Sozialen Engagements?
Durch das gemeinsame Handeln soll das soziale Gesicht der Botschaft Jesu sichtbar gemacht werden und der Glaube „Hand und Fuß“ bekommen. Für die aktiven Jugendlichen und die Öffentlichkeit soll deutlich werden, dass weltweite Solidarität nötig und möglich ist, um sich gemeinsam für eine gerechte Welt einzusetzen.
Durch den Tag des Sozialen Engagements bekommt die Diakonie, das karitative Handeln, als ein Wesensvollzug des kirchlichen Lebens – neben Liturgie und Verkündigung – einen besonderen Stellenwert. Wer Christus anbetet, kann nicht an der Not der Menschen vorbei leben. Wir haben den Auftrag, die Welt aus christlichem Geist zu gestalten und nicht die „Hände in den Schoß“ zu legen. Dadurch werden die christlichen Werte sichtbar und erlebbar.
Junge Menschen können im Rahmen der kirchlichen Jugendarbeit eine Bereitschaft zum Engagement erlernen, die für den eigenen Lebensentwurf und die kirchliche Gemeinwesenarbeit prägend sein soll.
Dieser Tag soll auch im politischen Kontext zeigen, dass notwendige soziale Hilfe nicht abzubauen, sondern aufzubauen ist.

Besonderheiten:
Der Tag des Sozialen Engagements zeichnet sich durch seine bundesweite Dimension aus, die es vorher in der Bundesrepublik noch nicht gegeben hat. Darüber hinaus ist es das erste Mal, dass es einen Tag des Sozialen Engagements im Rahmen der Tage der Begegnung gibt. (Diese finden seit dem Weltjugendtag in Paris 1997 regelmäßig vor den Weltjugendtagen statt). Jugendliche, die sich engagieren, haben die Möglichkeit, bei der Willkommensfeier für Papst Benedikt XVI. aktiv dabei zu sein: Eine Jugendgruppe aus Magdeburg hat das große Los gezogen. Die Jugendlichen können Bausteine des sozialen Handelns in der Willkommensfeier einbringen.
· Auch im Ausland gibt es Gruppen, die sich am heutigen Tag solidarisch zeigen und sich in sozialen Projekten sozial engagieren. In Lüttich beispielsweise arbeiten heute Jugendliche in mehreren sozialen Projekten und machen so ihre Verbundenheit deutlich. Darüber hinaus beteiligt sich der Landesverband der Deutschen Kriegsgräberfürsorge während seines Jugendcamps in Venloh, in dem sie am heutigen Tag alte Kriegsgräber pflegen. An diesem Camp nehmen Jugendliche aus unterschiedlichen Nationen teil.

Die Brückenschläge
Um den Tag des Sozialen Engagements mit dem XX. Weltjugendtag in Köln zu verbinden, gibt es einen „Brückenschlag“. Dadurch wird das geleistete Engagement für die Öffentlichkeit verknüpft und sichtbar.
Dazu sind alle Aktionsgruppen aufgerufen, einen Ziegelstein mit nach Köln zu bringen. Diese werden auf das Gelände der Jugendbildungsstätte Haus Altenberg gebracht (die Jugendbildungsstätte der Erzdiözese Köln). Es ist auch ein wichtiger Ort für die Jugendpastoral in Deutschland. Hier tagt z. B. die jährliche Hauptversammlung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend.
Es haben sich bereits Gruppen aus Argentinien, New Zealand, Venezuela und Spanien gemeldet, die diese Idee ebenfalls mit Steinen aus ihren Heimatländern unterstützen möchten. Darüber hinaus wird es Steine aus Canada und den USA geben.

Bau eines begehbaren Labyrinths
Die Steine werden zu einem großen begehbaren Labyrinth verbaut. Das Labyrinth ist ein altes christliches und international verständliches Symbol, welches den Weg des Menschen zu seiner Mitte hin – zu Christus – symbolisiert. Gestärkt durch die Begegnung mit IHM führt dann der Weg zurück in die Welt und zur Begegnung mit den Menschen.
Dieses Bild spiegelt sich auch wider in der Erzählung der drei Weisen aus dem Morgenland, die sich aufgemacht haben, den neugeborenen König zu suchen. Verändert durch die Begegnung mit IHM zogen sie zurück in ihre Heimat. Aus dieser Erzählung stammt das Motto des XX. Weltjugendtags: „Wir sind gekommen um IHN anzubeten“.

Warum Steine als Symbol?
Steine sind Symbol für das gemeinsame Mitbauen an einer neuen Zivilisation und ein Zeichen für die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. „underconstruction – bau mit an einer gerechten Welt!“ ist das Motto des Tags des Sozialen Engagements. In dem Wort underconstruction steckt bereits der Gedanke, dass es sich für uns Christen nicht um eine einmalige Aktion handelt, sondern um eine lebenslange Aufgabe.
Diesen Aufbau einer gerechten Welt leisten wir als Menschen, die von Christus dazu beauftragt sind. ER ist der Eckstein(vgl. Apg 4,11): Das bedeutet, dass er in dem Fundament einer gerechten Welt seinen Platz hat und unserem sozialen Einsatz seine Ausrichtung gibt. ER will, dass nichts „aus den Fugen gerät“. Zugleich ist ER der Schlussstein (Eph 2,20): Wir wissen, dass wir die gerechte Welt nicht vollenden können. Bei allem Bemühen bleibt der soziale Friede gefährdet. Wir sind darauf angewiesen, dass Jesus Christus das Werk vollendet, das er durch und mit uns begonnen hat.

Datenbank
Damit es einen bundesweiten Einblick – bzw. groben Überblick – über die geplanten Projekte gibt, wurde die underconstruction-Datenbank eingerichtet. Alle Gruppen sind eingeladen, ihre geplanten Projekte in diese Datenbank einzutragen, bis heute sind über 1000 Projekte in dieser Datenbank aufgeführt. Durch dieses Medium wird ein Querschnitt der sozialen Projekte sichtbar. Alle Gruppen können ab dem heutigen Tag ein Aktionsfoto in die Datenbank einstellen. Diese sind mit E-Card–Funktion ausgestattet. Diese können von den teilnehmenden Jugendlichen in zweifacher Funktion genutzt werden:

  • Sie können – wenn sie wieder zurück in ihren Heimatländern sind – vom Tag des Sozialen Engagements berichten und Daheimgebliebenen die Bilder zeigen
  • Sie können die E-Cards nutzen, um die neu entstandenen Kontakte weiterzupflegen.
    Schätzungsweise werden in Deutschland mehr als 4000 Projekte zum Tag des Sozialen Engagements durchgeführt

Quelle: WJT Seite