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Pressekonferenz am 15. August 2005 in Altenberg
Statement von Pfarrer Georg Austen bei der Pressekonferenz am 15. August 2005 in Altenberg
(1. Spatenstich Labyrinth)


„Gäste sind ein Segen- so haben wir die Tage der Begegnung in den deutschen Diözesen überschrieben. Und sie waren und sind wirklich segensreich. Die Rückmeldungen aus den Bistümern sind landauf, landab beeindruckend und fast überschwänglich. Hautnah wurde vor Ort in unseren Gemeinden die Weltkirche greifbar und sichtbar. Rund 350.000 Menschen haben aktiv an diesen Tagen teilgenommen. Davon waren etwa 120.000 ausländische Gäste aus fast 170 Nationen aller Kontinente. Hinzu kommen tausende Teilnehmer, die Gottesdienste mitgefeiert oder das Angebot zur Begegnung angenommen haben. Die persönlichen Begegnungen in den Familien, die gemeinsamen Unternehmungen und Aktionen, die Gottesdienste und Bistumsfeiern haben weit über die Kirchtürme ins Land ausgestrahlt. Trotz des versuchten Übergriffes in Volkenroda setzen diese Tage ein deutliches Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und Abschottungspolitik.
Die Gäste konnten erfahren, wie unsere Kirche in Deutschland lebt und wie die Lebenswirklichkeit von jungen Menschen in unserem Land aussieht. Erfahrene Gastfreundschaft ist keine Einbahnstraße. Auch unsere Gastgeber haben erfahren, unter welchen Bedingungen junge Christen in anderen Ländern leben. Hautnah und handgreiflich geschah hier interkulturelle Begegnung und interkulturelles Lernen: Im Miteinander und nicht nur aus Büchern, nicht aus dem Fernsehen oder Internet, sondern in lebendiger Begegnung. Diese sind ein „Schatz“ und unbezahlbar, wenn Verständnis füreinander und Vertrauen zueinander gewachsen sind. Ich bin sicher, diese Tage werden Früchte tragen.
Vielleicht - sicherlich - sind aus Fremden Freunde geworden. Fast 1300 Partnerschaftsgruppen mit Gemeinden, Orden, Verbänden oder kirchlichen Begegnungen sind ein Garant dafür, dass es vielfältige gute Anknüpfungspunkte gibt, die über den Weltjugendtag hinaus Beziehungen aufbauen. Obwohl es die größte Teilnehmerzahl ausländischer Gäste ist, die es seit der Einrichtung der Tage der Begegnung gibt, will ich nicht verschweigen, dass es auch Enttäuschungen gab, weil teilweise mehr ausländische Gäste erwartet wurden, und sie unter anderem kurzfristig nicht kommen konnten, weil sie kein Visum bekamen.
Immer wieder bedankten sich die Gäste für die erfahrene Gastfreundschaft. Das ist doch für uns eine tolle Visitenkarte. Wir können nur allen danken, die sich in hervorragender und kreativer Weise für die Tage der Begegnung eingesetzt und engagiert haben. Vielleicht trug dieser Einsatz auch dazu bei, dass das Interesse deutscher Jugendlicher am Weltjugendtag teilzunehmen stetig gewachsen ist. Rund 105.000 junge Menschen sind derzeit für die Teilnahme in Köln registriert (incl. der Freiwilligen). Damit kommen erfreulicherweise die meisten Teilnehmer, aller Unkenrufe zum Trotz, aus Deutschland.
Ein Highlight der Tage der Begegnung war der Tag des Sozialen Engagements.

underconstruction – bau mit an einer gerechten Welt!“ so hieß das Motto dieses Tags, der am 12. August 2005 dezentral und bundesweit stattgefunden hat. An diesem Tag haben gastgebende Jugendliche gemeinsam mit ihren ausländischen Gäste in sozialen Projekten gearbeitet: Dieses waren z. B. Begegnungsnachmittage in Seniorenheimen oder mit Menschen mit Behinderungen, Praktische Bau/- Handwerksarbeiten (Renovierungen) von Kinderspielplätzen oder Gemeinwesenräumen und auch Projekte im ökologische Bereich. Eine Umfrage des Weltjugendtagsbüros bei den deutschen Diözesen hat ergeben, dass sich Jugendliche in über 4300 Projekten engagiert haben. Ein starkes Stück erfahrener Jugendarbeit, die sich widerspiegelt in der alltäglichen Gruppenarbeit der Gemeinden, Verbände und Sozialeinrichtungen vor Ort. Im Rahmen der kirchlichen können junge Menschen eine Bereitschaft zum Engagement erlernen der für den eigenen Lebensentwurf und die kirchliche Gemeinwesenarbeit prägend sein soll. Sie zeigen damit, dass sie Verantwortung übernehmen wollen und dadurch „mitbauen an einer besseren Welt“. Das soziale Gesicht der Botschaft Jesu wurde so nach außen sichtbar gemacht. Es war das erste Mal in der Geschichte der Tage der Begegnungen, dass dem diakonischen Handeln ein ganzer Tag gewidmet wurde – und die Diakonie neben der Liturgie und Verkündigung als Grundpfeiler des kirchlichen Lebens in diesem Rahmen einen besonderen Stellenwert bekam. Dies zeigt, dass der Weltjugendtag mehr als ein „Spaßevent“ ist, obwohl es auch eine Menge Spaß, Freude und Begeisterung im Miteinander der verschiedenen Mentalitäten gibt. Die Bilder auf unserer Datenbank sprechen Bände.
Das am Tag des Sozialen Engagements geleistete Engagement soll auch noch nach dem Weltjugendtag in Erinnerung bleiben. Deshalb gibt es den Brückenschlag, zu dem hier heute der erste Spatenstich stattfindet. Dazu sind alle Aktionsgruppen eingeladen, einen Ziegelstein mit zum XX. Weltjugendtag nach Köln zu bringen. Aus diesen vielen Steinen wird ein großes begehbares Labyrinth gebaut.
Der Stein ist für uns ein Symbol, das wir mitbauen an einer neuen „Zivilisation der Liebe und Gerechtigkeit“, wie Papst Johannes Paul II. die Jugend beim Weltjugendtag in Toronto eingeladen hat. Der Stein erinnert uns aber auch an Christus, der uns zugesagt hat, dass ER der Eckstein (vgl. Apg 4,11) und der Schlussstein ist (vgl. Eph 2,20). Bei allem Tätigsein und unseren Bemühungen um eine gerechte Welt sind wir darauf angewiesen, dass ER das Werk vollendet, das er durch und mit uns begonnen hat.
Es haben sich bereits Gruppen aus Argentinien, New Zealand, Venezuela und Spanien gemeldet, die diese Idee ebenfalls mit Steinen aus ihren Heimatländern unterstützen möchten. Ebenfalls wird es Steine aus Kanada und den USA geben. „Wir sind gekommen, um IHN anzubeten“ – dass ist das Leitwort des XX. Weltjugendtags. Wer Christus anbetet, kann nicht an der Not der Menschen vorbei leben. Nicht die Hände ind den Schoß zu legen, sonder die Welt aus Christlichem Geist zu gestalten ist unser Auftrag.
In diesem Sinne bleiben wir „underconstruction“.
Mit diesen Erlebnissen und der erfahrenen Gastfreundschaft im Handgepäck sind die Pilger heute auf dem Weg nach Köln. Besser konnte der Weg nicht bereitet werden.
Pfr. Georg Austen, Sekretär des Weltjugendtags, Deutsche Bischofskonferenz

Quelle: WJT Seite