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„und sie zogen auf einem anderen Weg heim in ihr Land“ (Mt 2,12)

Vortrag zur Konferenz der Pastoral der Universitäten in Budapest
24. September 2005

Dankbar schauen wir auf die Tage des XX. Weltjugendtags zurück. Die überwältigend hohe Zahl von eindrucksvollen Danksagungen junger Menschen und das große, positive Medienecho zeigen nur zu deutlich, wie wichtig das Fest des Glaubens war und warum sich alle Mühe gelohnt hat. Wir haben in diesen Tagen gespürt, wie sehr uns die Gnade Gottes trug und wie wichtig das Gebet so vieler war – auch wenn an einigen Punkten der Organisation, z. B. in der Essensverteilung und Mobilität nicht alles glatt lief – und es manche Schwierigkeiten gab. Ausdrücklich danken wir allen, die zum Gelingen dieses Weltereignisses beigetragen haben.

Vom 16. bis zum 21. August 2005 fand in Köln der XX. Weltjugendtag statt. Den Auftakt bildeten die Tage der Begegnung in den deutschen Diözesen (11. bis 15. August 2005). Zum Abschlussgottesdienst waren über eine Million Pilger versammelt. Während der Woche im Erzbistum Köln waren 410.000 Pilger aus 188 Nationen registriert, darunter 23.000 Freiwillige. Die Europäer stellten mit 79% die größte kontinentale Pilgergruppe (Deutschland: 105.000, Italien: 101.000, Frankreich: 38.700, Spanien: 31.000 und Polen: 19.500, aus den USA kamen 23.000 Pilger).

Der XX. Weltjugendtag 2005 in Deutschland war ein Weltereignis der großen Zahlen, des vertieften Gebets und der intensiven geistlichen und inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Glauben. Insgesamt gab es im begleitenden Programm über 1.000 Veranstaltungen an rund 500 Orten. Rund 4.000 mitwirkende Künstler wurden gezählt. 750 Bischöfe, davon 54 Kardinäle und 9.630 Priester haben an diesem Glaubensfest teilgenommen.

Eine Stärke dieses Weltjugendtags zwar zweifelsohne seine spirituelle und theologische Stringenz. Die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland, die kamen, um Christus anzubeten, war der geistliche Leitfaden für die gesamte Zeit des Weltjugendtags. Immer wieder, in Gottesdiensten, Katechesen, Festen und anderen Veranstaltungen ist diese Leiterzählung vertieft worden. Die beiden besonderen Akzente dieses Weltjugendtags („Wir sind gekommen“ – Wallfahrt zu Christus /“… um IHN anzubeten“ – Anbetung) sind in den Predigten des Heiligen Vaters, in den Katechesen aber auch in der liturgischen und spirituellen Gestaltung dieses Weltjugendtags bis ins Detail durchgetragen worden (Nacht der Anbetung auf dem Marienfeld, Anbetungskirchen im Geistlichen Zentrum, Domwallfahrt, Altarhügel mit „Anbetungswolke“).
Der Grundgedanke, auf die Gastfreundschaft der Gemeinden zu bauen, hat sich in vollem Maß als richtig erwiesen. Die Gemeinden haben viele schwierige und unvorhergesehene Situationen in hervorragender Weise aufgefangen, aber zugleich diese Tage als Bereicherung ihres Glaubens und ihres kirchlichen Lebens erlebt.

Der Weltjugendtag hat die Jugendlichkeit und Lebendigkeit der Kirche in einzigartiger Weise zum Ausdruck gebracht. Für Hunderttausende Pilger war das Glaubensfest ein unvergessliches Erlebnis, wenn nicht ein großartiger Höhepunkt in ihrem Leben. „Die jungen Leute suchen nämlich keine künstlich, sich jung gebende Kirche, sondern eine Kirche, die jung ist im Geist. Eine Kirche, die Christus, den neuen Menschen durchscheinen lässt. Genau das ist es, was wir heute zur Aufgabe machen wollen“, so Papst Benedikt anlässlich der Begegnung mit deutschen Bischöfen am 21. August 2005. Die Tage im Erzbistum Köln und zuvor in den deutschen Diözesen haben aufs Eindrücklichste bewiesen, dass die deutschen Jugendlichen mit ihren tausenden Gästen aus aller Welt der Kirche diesen jugendlichen Geist eingehaucht haben.

Tage der Begegnung in den deutschen Diözesen

Die Tage der Begegnung sind am 15. August 2005 in 26 deutschen Diözesen zu Ende gegangen. Rund 350.000 Menschen haben aktiv an den Tagen der Begegnung teilgenommen. Davon waren etwa 120000 ausländische Gäste aus fast 170 Nationen. Diese Zahl übertrifft die der voran gegangenen Weltjugendtage. Hinzu kamen tausende Teilnehmer, die Gottesdienste mitgefeiert oder das Angebot zur Begegnung angenommen haben. Die Tage der Begegnung waren somit ein großer Erfolg und haben nicht zuletzt dazu beigetragen, die deutschen Jugendlichen zu mobilisieren und geistlich auf den Weltjugendtag vorzubereiten. Mit 105.000 Jugendlichen (darunter 18.000 Freiwillige) stellten die Deutschen den größten Teil der registrierten Pilger.
Gerade die Dimension der Gastfreundschaft und der interkulturellen Glaubensbegegnung sowie die Erfahrung von weltkirchlicher Verbundenheit prägten die einzelnen Veranstaltungen und die direkten Begegnungen zwischen Gastgebern und Gästen. Die Tage der Begegnung boten, sowohl in der inhaltlichen und organisatorischen Verantwortung der Jugendlichen und der Jugendpastoral vor Ort, durchweg Anknüpfungspunkte für die anderen Felder der Pastoral. Vernetztes Planen und Handeln vor Ort waren hier grundlegend.
Die Vorbereitung und Durchführung der Tage der Begegnung lag vielerorts in den Händen der bewährten Strukturen der Jugendpastoral, bestehend aus bischöflichen Jugendämtern und den katholischen Jugendverbänden. Darüber hinaus sind unzählige positive Kooperationen zu verzeichnen, unter anderem mit Kirchlichen Bewegungen, Schulen und Hochschulen, Menschen mit Behinderungen und ausländischen Missionen, aber auch in ökumenischer oder kommunaler Hinsicht. Auch die große Zahl von Vorbereitungsteams, die auf unterschiedlichen Ebenen gebildet wurden, war sehr fruchtbar.

Tag des Sozialen Engagements

Am 12. August 2005 fand deutschlandweit der Tag des Sozialen Engagements „under construction“ mit über 4.300 Projekten statt. Gemeinsam mit den Gastgebern leisteten die Gäste unzählige Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit in karitativen/sozialen Projekten. Durch die Implementierung des diakonischen Wesensvollzug der Kirche in die Tage der Begegnung, was in dieser Form in der Geschichte der Weltjugendtage ein Novum darstellt, konnte ein einmaliger Akzent gesetzt werden, der den Gästen und den deutschen Jugendlichen die diakonische Dimension des christlichen Glaubens erschlossen hat. Gemäß des Auftrags Johannes Pauls II. an die Jugendlichen, sind diese zu Baumeistern einer neuen Zivilisation der Liebe und der Gerechtigkeit geworden. Ehrenamtliches kirchliches Engagement Jugendlicher kann hierauf weiter aufbauen.

Pilgerweg des Weltjugendtagskreuzes

Unmittelbar bevor das Kreuz nach Deutschland kam, pilgerte es - seit der Übergabe von kanadischen Jugendlichen an deutsche Jugendlichen am Palmsonntag 2003 in Rom - auf einem Versöhnungsweg durch 26 Länder Kontinentaleuropas. Nicht nur die Wunden der Vergangenheit bedürfen der Versöhnung. Mit seiner Pilgerreise durch die Länder Mittelosteuropas signalisiert das Kreuz die Bereitschaft zur Versöhnung und heißt unter anderem die Beitrittsländer von 2004 in der Europäischen Union willkommen.
Der Pilgerweg der Versöhnung durch Deutschland führte das Kreuz zwischen Palmsonntag 2004 und dem XX. Weltjugendtag 2005 unter dem Motto „kreuzbewegt.“ in alle Regionen Deutschlands. Nicht nur die Kathedralstädte standen auf dem Reiseplan, auch diözesane Jugendwallfahrten, Diözesanjugendtage und unzählige kleinere Veranstaltungen. Die Diözesen haben ein eigenes Programm für ihren Bereich ausgearbeitet. In dieser Zeit führte der Pilgerweg mit einer zurückgelegten Strecke im Autotransporter des Malteser Hilfsdienst e.V. und zu Fuß von über 100.000 km durch alle Regionen Deutschlands. Das Weltjugendtagskreuz ist zum wichtigsten geistlichen Wegbereiter des XX. Weltjugendtags 2005 in unserem Land geworden. Auf Wunsch der Jugendlichen wurde das Kreuz in viele Gegenden an Orte gebracht, die für Leid und Versöhnungsbedürftigkeit im Leben Jugendlicher stehen: Jugendjustizvollzugsanstalten, Arbeitsämter, Abschiebehaftanstalten, KZ-Gedenkstätten und Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus und der deutschen Teilung usw. Gerade die letzten 40 Tage an denen das Kreuz zu Fuß von Dresden nach Köln getragen wurde, waren zudem geprägt von einem sehr guten Miteinander aller Träger der Jugendpastoral. Insgesamt war der gesamte Pilgerweg der Versöhnung, mit diesem schlichten und ausdruckvollen Glaubenszeichen ein Segen für unsere Kirche und unserem Land.

Liturgie

Die Idee, der Liturgie des Weltjugendtags einen Wallfahrtscharakter zu geben, konnte realisiert werden: inhaltlich, künstlerisch und choreografisch. Die einzelnen liturgischen Veranstaltungen bauten aufeinander auf und nahmen jeweils Bezug auf einen Vers der Perikope der Sterndeuter (Mt 2): Eröffnungsgottesdienste („Wir haben seinen Stern gesehn und sind gekommen.“), Katechesen („Wo ist der neugeborene König? Wir sind gekommen, um ihn anzubeten.“), Stationsmessen („Sie machten sich auf den Weg und der Stern ging vor ihnen her.“), („Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.“), Vigil („Sie sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm.“), Hl. Messe mit dem Papst („Sie brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“) und schließlich die Aussendung („Sie zogen auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“)

Auffallend war die Sehnsucht der Jugendlichen (auch aus Deutschland) nach Nähe: das Weltjugendtagskreuz berühren und das „Allerheiligste“ sehen, sowie vor IHM zu beten.

Die Feier zum Willkommen des Heiligen Vaters stellte sich mit den vier Orten (Schiff, Weg, Dom und Roncalliplatz) als eine Feier mit bewegenden Bildern dar, an die sich auch die Fahrt durch die Stadt harmonisch anschloss. Der Kreuzweg wurde in etwa 400 Gemeinden gebetet. In der Vigil gelang es, den Ort in seiner Größe liturgisch zu nutzen (Wege und Prozessionen) und die Liturgie in der Eucharistischen Anbetung gipfeln zu lassen. Die Heilige Messe zum Abschluss setzte vor allem auch musikalisch einen im Vergleich zu anderen Weltjugendtagen anderen Akzent. Das Zentrum der Versöhnung wurde gut angenommen. Die liturgischen Angebote innerhalb der Sternstunden (Angebote für Menschen mit Behinderung) wurden ebenfalls gut angenommen. Dies gilt ebenso für die Domwallfahrt, die gerade den Charakter des Pilgerwegs zum Schrein der Hl. Drei Könige aufgriff.

Katechesen

An 249 Orten (zwischen 450 und 14.000 Kapazität) wurden in 30 verschiedenen Sprachen von insgesamt 300 Bischöfen Katechesen gehalten (davon 49 Bischöfe an 40 Katecheseorten in deutscher Sprache). Diese „Räume“ des Gebets und der Ruhe wurden gut angenommen und setzten einen wichtigen geistlichen Akzent.

Geistliches Zentrum

Das Geistliche Zentrum war aufgeteilt auf 16 Innenstadtkirchen Kölns und je 2 in Bonn und Düsseldorf. Diese Kirchen waren rund um die Uhr geöffnet und bildeten eine Oase der Stille, der eucharistischen Anbetung und des Stundengebets.

Jugendfestival

Kulturprogramm

In etwa 300 Gruppen haben beim Kulturprogramm über 4.000 Künstler aus 41 Nationen mitgewirkt. Mehr 300 Veranstaltungen wurden durchgeführt. Des Weiteren gab es 21 Kunstausstellungen unterschiedlichster Art.

Die „Welcome! Festivals“ in Bonn, Köln und Düsseldorf führten mit vielen Gruppen und Künstlern der Region zu guten Kooperationen und wurden von den Pilgern begeistert aufgenommen.
Zusammen mit dem „Bridging the World Festival“ am Donnerstag waren diese großen Veranstaltungen inhaltlich und von der Begeisterung der Teilnehmer ein großer Erfolg.

Begegnungszentren (mit permanenten Öffnungszeiten an 40 Orten)

Die Begegnungszentren haben das Rahmenprogramm des gesamten Jugendfestivals sehr stark geprägt und erfreuten sich eines regen Zulaufs der Pilger. Über diese Begegnungszentren konnten auch die Spezifika bundesdeutscher Jugendpastoral in ihren unterschiedlichen Facetten und im internationalen Kontext hervorragend verdeutlicht werden. Wie bei den vorangegangenen Weltjugendtagen konnte über die Begegnungszentren ein wichtiger Raum geschaffen werden, der gerade durch seine Kontinuität in den Angeboten vor allem die Begegnung und den Dialog von unterschiedlichen Gruppierungen und Nationalitäten gefördert hat.

Dezentrale gesellschaftlich relevante Angebote (64 Veranstaltungen)

Der XX. Weltjugendtag 2005 hat mit diesen Angeboten einen Akzent gesetzt. Ausgewählte „Zeichen der Zeit“ im Licht des Evangeliums betrachtet sowie Handlungsperspektiven eröffnet. Mit der verstärkten Betonung der politischen und gesellschaftlichen verändernden Dimension des christlichen Glaubens konnte auch durch die Mitwirkung vieler Beteiligter ein deutliches Zeichen gesetzt werden.

Ländertreffen/Treffen internationaler Verbände und Orden (29 Veranstaltungen)

Die nationalen Bischofskonferenzen der Katholischen Kirche und einige Orden und Verbände haben im Rahmen des XX. Weltjugendtags 2005 zu einer Nachmittags- oder Abendveranstaltung eingeladen. Sie präsentierten Ihr Land oder Ihren Verband/Orden und waren offen für alle Pilgerinnen und Pilger des Weltjugendtags. Diese Veranstaltungen waren keine Veranstaltungen des Weltjugendtagsbüros. Sie wurden verantwortet von den veranstaltenden Ländern bzw. Verbänden/Orden. Dieser Veranstaltungstyp spielte wie bei den anderen Weltjugendtagen eine wichtige Rolle und zog enorme Besucherzahlen an.

Dezentrale liturgische und geistliche Angebote

Neben den thematischen und kulturellen Veranstaltungen hatten die Pilger –vor allem im Geistlichen Zentrum– die Möglichkeit, eine Vielzahl von liturgischen und geistlichen Angebote aufzusuchen. Gerade die Ordensgemeinschaften und die Kirchlichen Bewegungen hielten eine ganze Reihe an Gebetstreffen und weiteren gottesdienstlichen Feiern vor, die sich einer regen Anteilnahme erfreuten.

Pressearbeit

Die über 45.000 Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge (Deutschland, Frankreich, Spanien, Österreich) zeigen qualitativ und quantitativ den Erfolg der Arbeit. Vor allem ist es gelungen, neben den zahlreichen logistischen Fragen gerade inhaltliche Themen (z. B. Beichte, Eucharistie, Katechese) zu transportieren.

Weltjugendtag und Hochschulpastoral

Nach Schätzung des Weltjugendtagsbüros lag die Teilnahme von studierenden, registrierten Pilgern am XX. Weltjugendtag in Köln zwischen 25% und 33%. Auch während der Tage der Begegnung in den deutschen Diözesen haben sich die Studierenden in ihren Heimatgemeinden eingebracht. Ebenso gehörten katholische Hochschulgemeinden zu gastgebenden Gemeinden während dieser Tage.

Die Hochschulpastoral in Deutschland hat sich mit umfangreichen Aktivitäten im Rahmen des Weltjugendtags in Köln beteiligt. Zu Beispiel gab es Begegnungszentren mit reichhaltigen, geistreichen, kulturellen und intellektuellen Programm. Das Forum Hochschule und Kirche gestaltete weiterhin auf einer Großbühne einen Nachmittag mit Musik sowie Gesprächsrunden zu Fragen des Engagements für Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit im Kontext des Studiums. Am Freitagnachmittag führte die Konferenz für Katholische Hochschulpastoral (der Zusammenschluss der Hochschulseelsorge in Deutschland) in Zusammenarbeit mit der Kommission für Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz ein internationales Treffen für Hochschulseelsorger durch, an dem der Präfekt der Kongregation für das katholische Bildungswesen, Kardinal Grocholewski, ein Impulsreferat hielt. Dieses internationale Treffen führte über 250 Hochschulseelsorgerinnen und -seelsorger sowie Studierende aus allen Teilen der Welt zusammen. Das Impulsreferat von Kardinal Grocholewski aus Rom sowie die Zeugnisse aus verschiedenen Perspektiven (Hochschulseelsorger, Professor, Rektor, Studentin, geistlicher Beirat) gaben Anlass zu angeregten Gesprächen über Aufgaben und Gestalt der Präsens von Kirche an den Hochschulen. Die Ausrichtung an der Realität des studentischen Lebens und die Bedeutung aller drei kirchlichen Grundvollzüge für die Hochschulpastoral waren wichtige Erkenntnisse. Die Begegnung wurde mit einem Vespergottesdienst abgeschlossen. Des Weiteren hat es ein Treffen von Studierenden gegeben, zu den die MIEC/JECI eingeladen hat.

Welche Erkenntnisse ergeben sich im Blick auf programmatische Gestaltung und Organisation?

Die Aufnahme der Begegnungszentren und der weiteren Veranstaltungen in das offizielle Programm waren eine äußerst wichtige Vorraussetzung für deren Bekanntheit. Trotzdem mussten die Begegnungszentren auch mit eigenen Werbemaßnahmen aktiv Teilnehmende einladen. Es zeigt sich, dass sich Studierende unter den WJT-Teilnehmenden nicht als homogene Gruppe ansprechen lassen. Die Räumlichkeiten der Hochschulgemeinden boten ideale Vorraussetzungen für die Begegnungen und die Gestaltungen eines vielseitigen Programms. Das Interesse an einem inhaltlich ausgerichteten Bühnenprogramm blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. Beim Internationalen Treffen bewährte es sich sehr gut, neben einigen kurzen inhaltlichen Impulsen viel Raum für den informellen Austausch unter den Teilnehmenden zu lassen. Ein „virtuelles“ Gästebuch, das allen Beteiligten per E-Mail zur Verfügung gestellt werden wird, ermöglicht es, geknüpfte Kontakte in Zukunft zu vertiefen. Die Vorbereitung der verschiedenen Aktivitäten hat zahlreiche Studierende und Hochschulseelsorger zu einer engagierten Mitarbeit motiviert und den Weltjugendtag bekannt gemacht. Über 300 Mitwirkende waren an den Begegnungszentren, der Bühnenveranstaltung und dem internationalen Treffen beteiligt. Die positive Erfahrung einer gemeinsamen Zusammenarbeit könne auch für zukünftige Aktionen der Hochschulgemeinden fruchtbar werden. Die vielen Begegnungen in den Zentren (auch bereits während der Tage der Begegnung) fanden ein intensives und beeindruckendes Interesse mit Studierenden aus unterschiedlichsten Ländern. Sie stärken das Bewusstsein für die weltweite Vielfalt und Verantwortung.

Ziele für das DANACH

  1. Die Jungen Menschen für religiöse Fragen sensibilisieren und ihre Auskunftsfähigkeit über den eigenen Glauben stärken.
  2. Die jungen Menschen in ihrer Entscheidung für den christlichen Glauben ermutigen.
  3. Das Verständnis von Weltkirche und Glaubenskulturen vertiefen.
  4. Die Partnerschaften weiterführen und ausbauen.
  5. Die Internationalität der Kirche im eigenen Land erleben.
  6. An der Zivilisation der Liebe weiterbauen und den diakonischen Wesensvollzug von Kirche wieder entdecken.
  7. Eine Pastoral für junge Erwachsene entwickeln und Angebote für diese Zielgruppe vorhalten.
  8. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Träger der Jugendpastoral (Jugendämter, Verbände, kirchliche Bewegungen, Orden, Schul- und Hochschulpastoral) zu fördern und Synergien nutzen (Netzwerkbildung).
  9. Das durch den Weltjugendtag positive Bild der Kirche nutzen und halten.

Impulse für die Hochschulpastoral

Nun reisen sie wieder zurück in ihre Regionen und Städte, um das Licht, die Schönheit und die Kraft des Evangeliums zu bezeugen, die sie hier erfahren haben. (Papst Benedikt XVI., Internationaler Flughafen Köln/Bonn, Abschiedszeremonie)

Auch und gerade in der Hochschulpastoral ergeben sich verschiedenste geistliche Impulse, die aus dem Weltjugendtag in die konkrete Arbeit vor Ort mitgenommen werden können, ums so ein noch klareres Zeugnis für das Evangelium im studentischen Milieu und an der Universität aufleuchten zu lassen.

Einladung an Alle

„Herzlich begrüße ich auch diejenigen unter euch, die nicht getauft sind, die Christus noch nicht kennen oder in der Kirche nicht zu Hause sind.“ (Papst Benedikt XVI., Rede auf Höhe der Poller Rheinwiesen am 18. August 2005)
Alle Menschen im Umfeld der Universitäten sind eingeladen zu den Aktivitäten der Hochschulpastoral, nicht nur die Studierenden, die sich schon vor ihrem Studium kirchlich engagiert haben, sondern auch die Fernstehenden, Distanzierten und Ungetauften. Diese Einladung sollte erneut an alle Interessierten ausgesprochen werden. Dabei ist in Bezug auf dieses Ereignis nicht nur an die Teilnehmer der Tage der Begegnung in den deutschen Diözesen und des Weltjugendtags zu denken, sondern auch an diejenigen, die die Ereignisse hauptsächlich über die Medien verfolgt haben.

Suche nach Wahrheit

Wenn Papst Benedikt XVI. in seiner Rede auf Höhe der Poller Rheinwesen bei der Willkommensfeier auffordert „unerschrockene Entwickler der Kultur der Wahrheit, der Liebe und des Friedens zu sein“, ergeht damit auch ein Auftrag an die Hochschulpastoral, die in den Universitäten hervorragende Orte der Wahrheitssuche als Arbeitsfeld hat. Konkrete Angebote zu entwickeln, die den Studierenden und Lehrenden zur fachübergreifenden Wahrheitssuche einladen, um so einen wesentliche Beitrag zur Formulierung und Formung des Menschen- und Gesellschaftsbildes beizutragen. Dies hat nicht zuletzt Auswirkungen auf die Wertebildung des Einzelnen sowie der Gesellschaft und sind wichtige Beiträge zur Formung der Wissenseliten. Je weiter ausdifferenziert die Studiengänge werden, umso wichtiger werden grundlegende ethische Werte und die Frage nach Gott.

Besonders hervorgehoben hat Benedikt der XVI. dabei den Wert des Sonntags. „Die Eucharistie muss Mitte unseres Lebens werden. Es ist nicht Positivismus oder Machtwille, wenn die Kirche uns sagt, dass zum Sonntag die Eucharistie gehört…Deswegen ist der Sonntag so wichtig. Es ist schön, dass in vielen Kulturen heute der Sonntag ein freier Tag ist oder gar mit dem Samstag ein so genanntes freies Wochenende bildet. Aber diese freie Zeit bleibt leer, wenn Gott nicht darin vorkommt.“ (Papst Benedikt XVI. in der Predigt in der Hl. Messe auf dem Marienfeld) Die Feier der Eucharistie und die Pflege der Kultur des Sonntags sollte sich daher auch in den Angeboten der Hochschulpastoral deutlich widerspiegeln.

Dialog und Zusammenarbeit – Begegnung

Es handelt sich um wichtige Begegnungen, um den Weg des Dialogs und der Zusammenarbeit im gemeinsamen Einsatz für die Errichtung einer gerechten und brüderlichen, dem Menschen wirklich angemessenen Zukunft noch intensiver zu beschreiten, und wir alle wissen, wie sehr es nötig ist, diesen Weg zu suchen, wie sehr wir dieses Dialoges und dieser Zusammenarbeit bedürfen.“ (Papst Benedikt XVI., Begrüßungszeremonie auf dem internationalen Flughafen Köln/Bonn).
Die Begegnung mit Jesus Christus und untereinander sind mit die bereichernsten Elemente bei den Tagen der Begegnung in den deutschen Diözesen und dem Weltjugendtag gewesen. Für die Begegnung und den Dialog zwischen den verschieden Nationen und Kulturen ein Forum zu schaffen, ist vieler Orts schon ein hervorragendes Merkmal der Hochschulpastoral. Die zur Verfügung gestellten Räume sollten weiter ausgebaut werden, um noch mehr Verständigung und Respekt untereinander zu fördern. Dabei ist nicht nur an jeweils regionalen Standorten zu denken, sondern auch an einen intensiven Austausch unter den Hochschulgemeinden der verschieden Länder. Hier sollten auch die entstandenen Partnerschaften weiter gepflegt werden.

Einsatz für die Welt

Weil wir den gleichen Herrn empfangen und er uns aufnimmt, in sich hineinzieht, sind wir auch untereinander eins. Aber das muss sich im Leben zeigen. … Es muss sich zeigen in der Sensibilität für die Nöte des anderen. Es muss sich zeigen in der Bereitschaft zu teilen. Es muss sich zeigen im Einsatz für den Nächsten, den nahen wie den äußerlich fernen, der uns angeht.“ (Papst Benedikt XVI. in der Predigt in der Hl. Messe auf dem Marienfeld)
Studierende waren bereit sich ehrenamtlich für den Weltjugendtag einzusetzen. Die Förderung der ehrenamtlichen Tätigkeiten und des Teilens in einer Zeit der intensiven und oft wirtschaftlich schlechten Situation für die Studierenden, ist sicherlich kein einfaches Unterfangen. Dennoch ist mit den Studierenden selbst zu beraten, wie sie ihren Beitrag im Rahmen ihrer zeitlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einbringen können. Dies könnten zeitlich klar befristete Aktivitäten, wie z. B. der Freiwilligeneinsatz auf dem Weltjugendtag oder das Bereitstellen von schon erworbenem Wissen, sein. Hier geht es aber auch darum den Auftrag des diakonischen Handelns in den Alltag der Studierenden und das Handlungsfeld der Hochschulgemeinden zu integrieren.

Pfarrer Georg Austen
Sekretär des Weltjugendtags,
Deutsche Bischofskonferenz