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Kirche sieht ein Jahr nach dem Weltjugendtag viele Erfolge

Bonn (KNA) Knapp ein Jahr nach dem Weltjugendtag mit Papst Benedikt XVI. in Köln sehen die Organisatoren viele positive Auswirkungen in Kirche und Gesellschaft. Die öffentliche Meinung über die Kirche habe sich durch das gute Image des Treffens verbessert, sagte WJT-Sekretär Georg Austen am Freitag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn. Außerdem habe der WJT die Jugendseelsorge stark belebt, wie aus allen Diözesen berichtet werde. Am Weltjugendtag im August 2005 hatten eine Million Jugendliche aus aller Welt teilgenommen.

Die spirituellen Formen des WJT wie Katechese, Wallfahrt, Vigil und Anbetung würden vielerorts aufgegriffen, so der Pfarrer. Zwischen den Trägern der Jugendarbeit seien neue Netzwerke entstanden und Vorurteile abgebaut worden. Viele Wissenschaftler hätten den WJT zum Forschungsgegenstand gemacht. In den Untersuchungen würden soziale, mediale und religionssoziologische Facetten beleuchtet. Das zeigt nach Ansicht des Sekretärs, wie groß das Interesse an religiösen Themen geworden ist. Auch wenn die meisten Studien noch nicht fertig seien, zeigen erste Ergebnisse laut Austen, dass der WJT auf Teilnehmer wie Öffentlichkeit große Wirkung gehabt habe. "Vielen ist deutlich geworden: Die Jugend ist nicht erst die Zukunft der Kirche, sondern ihre Gegenwart."

"Beim Katholikentag fehlte WJT-Anlaufstelle"

Der Sekretär hat den Weltjugendtag in den vergangenen Monaten auf Konferenzen und Studientagen mit Bischöfen und diözesanen Organisatoren nachbereitet. Nun legt er als letzter Verantwortlicher seine WJT-Tätigkeit nieder. Beim Katholikentag im Mai in Saarbrücken ist nach seiner Auffassung die Möglichkeit verpasst worden, Anknüpfungspunkte an den Jugendtag zu bieten. Bei künftigen Großtreffen solle eine "WJT-Corner" eingerichtet werden, wo sich Engagierte aus verschiedenen Regionen gegenseitig über Folgeprojekte informieren könnten. Auch ein Kreuz, vor dem viele Jugendliche vor und während des WJT "bewegende Erfahrungen" gemacht hätten, solle aufgestellt werden.

Nach dem Weltjugendtag sind viele Folgeprojekte entstanden

Knapp ein Jahr nach dem Weltjugendtag beendet WJT-Sekretär Georg Austen diese Woche als letzter Verantwortlicher seine Tätigkeit für das Großereignis mit Papst Benedikt XVI. In den vergangenen Monaten hat der Pfarrer das Jugendtreffen auf Konferenzen und Studientagen mit Bischöfen und diözesanen Organisatoren nachbereitet. Über die Wirkungen des Events mit einer Million jungen Katholiken aus aller Welt in der deutschen Kirche und Öffentlichkeit berichtete Austen am Freitag in Bonn im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

KNA: Herr Pfarrer Austen, der Weltjugendtag ist fast ein Jahr vorbei. Welche Bilanz ziehen Sie?

Austen: Ich habe noch einmal alle Diözesen besucht, um mit den Verantwortlichen der Jugendpastoral und den Bistumsleitungen, nun mit zeitlichem Abstand, über den Weltjugendtag zu sprechen. Es ging um seine Auswirkungen und Anknüpfungspunkte für die Zukunft. Einhellig berichteten die Verantwortlichen, dass der WJT zu einer geistlichen Vertiefung geführt hat. Seine spirituellen Formen wie Katechese, Wallfahrt, Vigil und Anbetung haben viele Diözesen in der Jugendseelsorge aufgegriffen. Junge Katholiken trauen sich nun mehr, offen über ihren Glauben zu sprechen. Existenzielle Lebensfragen sind zum Thema geworden, ohne dass das verstaubt wirkt. Das ist nicht nur durch das große Glaubensfest in Köln entstanden, sondern auch den Pilgerweg des Weltjugendtagskreuzes und die Tage der Begegnung in den Diözesen sowie durch die lange Vorbereitungszeit in Diözesen, in die zahlreiche Menschen eingebunden waren. Und natürlich auch durch die wertvolle alltägliche Jugendarbeit, die es vor dem WJT gab und weiter gibt.

KNA: Sehen Sie weitere Auswirkungen?

Austen: Ja, der Weltjugendtag hat die verschiedenen Träger der Jugendarbeit zusammengeführt. Das hat es in Deutschland in dieser Form noch nie gegeben. Das war eine Stärke nach innen und außen. In vielen Diözesen wurde mir zurückgemeldet: "Oftmals haben wir uns in Einzelaktionen verzettelt, diesmal hatten wir alle ein gemeinsames Anliegen." Das galt für bischöfliche Jugendämter, Verbände, Jugendsozialarbeit, Orden, geistliche Gemeinschaften, Schul- und Hochschulpastoral, Messdiener, Behindertengruppen, Hilfswerke. Zahlreiche neue Vernetzungen und Initiativen sind entstanden und Vorurteile abgebaut worden. Viele Verbindungen sind auch in der Gesamtpastoral sowie auf kommunalpolitischer Ebene entstanden.
Beim Katholikentag im Mai in Saarbrücken wären noch mehr Anknüpfungspunkte vorstellbar gewesen. Bei zukünftigen Großtreffen wie dem Katholikentag sollte man überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, eine "WJT-Corner" als Informations- und Austauschstelle einzurichten. Auch im Geistlichen Zentrum wie in den Messehallen sollte nach den bewegenden Erfahrungen mit dem Weltjugendtagskreuz ein solches Kreuz sichtbar werden - als Einladung, Christus im Gebet zu begegnen und im Schatten des Kreuzes mit seinen Freuden und Ängsten des Lebens anzukommen.

KNA: Ist von den WJT-Netzwerken etwas geblieben?

Austen: Man muss sagen, dass inzwischen wieder die Alltäglichkeit der Jugendarbeit eingekehrt ist und das war auch so gewollt. Es ist so wie mit dem Nil in Ägypten: Es war gut, wenn er ab und zu über die Ufer trat und das Umland überschwemmt und fruchtbar gemacht hat. Dann aber brauchte es wieder das normale Flussbett. Natürlich gibt es mit Blick auf sinkende Kirchensteuereinnahmen in vielen Diözesen Sorgen, wie es mit der finanziellen und personellen Unterstützung der Jugendarbeit weitergeht, welchen Stellenwert sie auch in Zukunft bekommt. Dabei hat der WJT gezeigt, wie viele Jugendliche ansprechbar sind für den Glauben und nach Räumen dafür suchen. Auf diese Nachfrage müssen die Verantwortlichen Antworten finden. Das ist ein Auftrag für die alltägliche Seelsorge.

KNA: Haben Sie schon Antworten gehört?

Austen: Ja, es gibt schon viele konkrete Projekte. Durchgängig in allen Diözesen sind lebendige internationale Beziehungen entstanden. Die Gäste haben immer wieder die Gastfreundschaft der Deutschen gelobt. Dann kann man viele Beispiele für neue Initiativen nennen. In Berlin ist der "Tag des sozialen Engagements" des WJT und der Gedanke der Diakonie aufgegriffen worden. Solche Sozialarbeit wird nun mit Firmlingen unter dem Titel "Camp Kiez - Ora et Labora in der City" fortgesetzt. Etwas ähnliches, ein Dienst an alten Menschen, ist in Erfurt eingerichtet worden. Freiburg, Osnabrück und Paderborn kümmern sich besonders die Frage der Berufung junger Menschen. In Osnabrück heißt der Glaubenskurs "Rufzeichen", in Paderborn "Go 4 him". In Fulda sind geistliche Wochenenden für junge Erwachsene unter dem Titel "Church-Factory" entstanden. In Köln gibt es eine Domwallfahrt, der WJT-Jahrestag wird mit einer Sternwallfahrt begangen. Außerdem diskutieren hauptamtliche Seelsorger in vielen Diözesen auf Konferenzen, welche Formen der Glaubensweitergabe an Jugendliche möglich sind und wie eine Pastoral mit jungen Erwachsenen aussehen kann. Auch die Bischöfe haben sich auf einem eigenen Studientag in Berlin damit beschäftigt.

KNA: Hat der WJT in Ost- und Westdeutschland dasselbe bewirkt?

Austen: Gerade für Diasporagebiete und ostdeutsche Diözesen war er eine starke Ermutigung im Selbstbewusstsein. Die Katholiken dort sind bewusster wahrgenommen worden und haben gespürt, "wir sind wer" - sowohl innerkirchlich als auch darüber hinaus. Darum war es gut, dass es die "Tage der Begegnung" in allen Diözesen gab, bevor es zum Treffen mit dem Papst nach Köln ging. Dadurch ist die Weltkirche vor Ort angekommen.

KNA: Denken die meisten Leute nun anders über die Kirche?

Austen: In ganz Deutschland war zu spüren, dass der Weltjugendtag zu einem Begriff geworden ist, der positiv gefüllt wurde. Das hat sicher auch das Bild von unserer Kirche verändert. Gott ist in der Öffentlichkeit zur Sprache gekommen. Da wurden ganz normale Jugendliche wahrgenommen, die beten wollten, aber auch getanzt und gefeiert haben. Sie wurden zu Sympathieträgern für die Kirche.

Wie groß das Interesse an religiösen Themen geworden ist, zeigen übrigens auch zahlreiche wissenschaftliche Studien, Erhebungen und Diplomarbeiten, die sich mit dem Weltjugendtag beschäftigen. Sie beleuchten seine sozialen, internationalen, medialen und religionssoziologischen Facetten. Auch wenn die meisten Arbeiten noch nicht fertig sind: Erste Ergebnisse zeigen, dass der Weltjugendtag auf Teilnehmer wie Öffentlichkeit große Wirkung hatte. Vielen ist deutlich geworden: Die Jugend ist nicht erst die Zukunft der Kirche, sondern ihre Gegenwart.

Interview: Viola van Melis (KNA)