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„Einige Kirchen platzen aus allen Nähten“
Neuer Bonifatiuswerk-Leiter sieht große Aufgaben in der Diaspora

Pfarrer Austen Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken bekommt am Wochenende einen neuen Generalsekretär. Der Paderborner Pfarrer Georg Austen, zuvor Sekretär des Kölner Weltjugendtags 2005, übernimmt die Leitung des katholischen Diaspora-Hilfswerks von Prälat Clemens A. Kathke. Die Organisation unterstützt Katholiken, die in Skandinavien, Osteuropa und Ostdeutschland in der Minderheit leben. Vor welchen Herausforderungen die kleinen Gemeinden stehen, sagte Austen am Mittwoch in Paderborn im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

KNA: Pfarrer Austen, vor welchen Herausforderungen steht das Bonifatiuswerk?

Austen: Wir stehen vor der Herausforderung, missionarisch zu wirken und zugleich solidarisch handeln zu können. Wir müssen Öffentlichkeit und mögliche Spender dafür sensibilisieren, dass Katholiken andernorts in der Minderheit leben. Wir wollen helfen, den Rahmen dafür zu setzen, dass Diasporagemeinden pastoral wirken können.

KNA: Woran fehlt es Katholiken in Nord- und Ostdeutschland, Skandinavien und Osteuropa?

Austen: Sie brauchen Hilfen für ihre Seelsorgeprojekte, für pastorale Mitarbeiter und für die Kinder- und Jugendhilfe. Auch benötigen sie Geld für Bau oder Renovierung von Kirchen, Klöstern, Gemeindehäusern oder Jugendtreffs. Schließlich geben wir Motorisierungshilfen, weil in der Diaspora der Weg zur nächsten Kirche oder zu Treffpunkten oft weit ist. Bekannt sind die orangen Bullis, die durch das Bonifatiuswerk mitfinanziert werden und mit denen Kinder etwa zum Kommunionunterricht oder Gemeindemitglieder zum Gottesdienst gefahren werden.

KNA: Hat das Werk mit rückgängigen Spendeneinnahmen zu kämpfen?

Austen: Nein. Es konnten sogar Zuwächse verzeichnet werden. Aber wir müssen auch im Blick behalten, dass die Zahl der Kirchenmitglieder auf Dauer zurückgehen wird.

KNA: In den vergangenen Monaten sind Sie zur Vorbereitung auf Ihre neue Aufgabe durch Diasporaregionen gereist...

Austen: Ja, ich habe einige Zeit in Schweden und in den Bistümern Erfurt und Hamburg verbracht. Die Begegnungen und die Herzlichkeit der Menschen waren beeindruckend. Dort habe ich auch gesehen, welche Hilfen gebraucht werden und welche guten Dinge in der fast 160-jährigen Tradition des Bonifatiuswerks gewachsen sind.

KNA: Zum Beispiel?

Austen: In Dänemark und Schweden bricht das Ordensleben wieder auf, und es sind neue Klöster entstanden. In Schweden gibt es viele Flüchtlinge aus dem Irak, und einige katholische Kirchen platzen aus allen Nähten. So wird beispielsweise ein neues kirchliches Zentrum für die Flüchtlinge gebaut. In den ostdeutschen Diözesen gibt es Kinderbibelwochen, die eine gute Möglichkeit der Glaubensbildung sind, oder Gottesdienste für Jugendliche oder frisch Verliebte. Ohnehin habe ich in Regionen mit vielen Konfessionslosen oft modellhafte Projekte gesehen, die Christen in Nicht-Diaspora-Regionen gut für ihre Gemeindesituation übersetzen könnten.

KNA: Warum?

Austen: In der zunehmend säkularisierten deutschen Gesellschaft leben inzwischen überall Menschen, die von Glauben und Kirche entfremdet sind, aber doch nach Religiösem, Sinnstiftendem und einer Beheimatung suchen. Wir sollten sensible Wege der Glaubensvermittlung anstreben. Missionarisches Wirken kann im persönlichen Rahmen geschehen, aber als Bonifatiuswerk wollen wir auch zur Gemeindebildung beitragen. Das Bonifatiuswerk will als „Laienwerk“ missionarisch wirken im Sinne von Bonifatius. Dies geht nur mit vereinten Kräften von ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeitern.

KNA: Das Werk hat mit bunten Aktionen zum Sonntagsschutz und gegen den Weihnachtsmann die Aufmerksamkeit der Medien erlangt. Wollen Sie ähnliche Aktionen starten?

Austen: Vielleicht, denn es muss sichtbar werden, dass es im Bonifatiuswerk nicht nur um Geld geht. Es geht um christliche Inhalte, das Profil unseres Glaubens und die Seelsorge. Dies ist Auftrag und Ziel der Arbeit. Wir wollen unsere Werte gegen viele Formen der Lebensentwertung setzen.



Quelle: KNA